Die Dramaturgie des Saisonverlaufes wollte es so. Die Entscheidung über den Verbleib in der WNBL sollte für die  JUNIOR-LIONS weit weg von zu Hause am Rhein erfolgen. 5:00 Uhr setzte sich der sehr bequeme Reisebus, dank der  Unterstützung der Saalesparkasse und des leider vorzeitigen Playoff-Ausscheidens der halleschen Eishockeyteams Saale-Bulls, mit den Spielerinnen und Begleitern in Halle in Bewegung. Gut  fünf Stunden später waren schon beim Betreten der Spielhalle Nervosität und Anspannung zu spüren. Beide Teams wollten unbedingt vermeiden in die Qualifikation im Juni zu müssen.

So war die Ausgangslage klar. Neuss brauchte nach dem Hinspielergebnis einen Sieg mit mindestens fünf Punkten Differenz, alle anderen Spielergebnisse würden den JUNIOR-LIONS in die Karten spielen. Entsprechend  nervös begannen beide Teams, wobei Halle aus dem letzten Spiel gegen Herne wohl gelernt hatte (Da lief man einem anfänglichen 0:11 ein ganzes Spiel lang  erfolglos hinterher) und konnte trotz aller Unsicherheiten in den ersten fünf Spielminuten 2:10 davon ziehen.

Dann kam der erste Hoffnungsschimmer für die tapferen Neusserinnen, als den Jung-Löwinnen zwei Minuten gar nichts mehr gelang und  die Anzeigetafel 10:10 signalisierte. Mehr ließ man auf hallischer Seite allerdings nicht zu und konnte immer einen knappen Vorsprung retten. Auch im zweiten Spielabschnitt gab es nach vier Minuten nochmals einen solchen Moment der Hoffnung für die Gastgeberinnen. Beim Stand von 19:19 schien das Spiel auf der Kippe zu stehen und es kippte auch wirklich, allerdings zu Gunsten der Gäste. Mit einem 15:0-Lauf schraubten die JUNIOR-LIONS das Ergebnis auf 19:34. Von da an konnte das Spiel aus hallescher Sicht verwaltet werden. Auf jeden Korberfolg der Neusser Spielerinnen hatte Halle eine Antwort parat.

Sicher spielte es eine Rolle, dass die Gastgeberinnen  Vanessa Herrmann (22 Punkte) überhaupt nicht in den Griff bekamen, aber Basis des halleschen Auswärtssieges war eben keine Einzelleistung, sondern das Team-Play (Löwen jagen nun mal nur im Rudel erfolgreich). Einer kämpfte für den anderen. Das merkte natürlich auch Kapitänin Leonie Wackermann (Spielzeit 37:25). Sie fand immer wieder anspielbare Mitspielerinnen  und konnte deshalb auch sichtlich gelöst agierend selbst 15 Punkte zum Sieg beitragen. In der zweiten Hälfte gelang dann den Hallenserinnen wohl nicht alles, aber vieles schon.

So konnte Sandra Rosanke auch auf ihr, neben Lena Dziuzba, zweites „2003er-Küken“ Lilly Oswald zurückgreifen. Die bedankte sich mit einem blitzsauberen Dreier und somit ihren ersten WNBL-Punkten im  zweiten Kurzeinsatz. Und wenn es dann läuft und die Köpfe frei sind, gehen Sachen, die in den vorherigen Spielen nie funktioniert hätten. Mit der Schlusssirene konnte Lina Heinicke nach einem erfolgreichen Bodenkampf noch zwei Punkte erzielen. Das Scouting sagt nüchtern mit einem Hakenwurf. Wir ergänzen mal: Im Sitzen!

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Nach dem Schlusspfiff noch ein ganz besonders emotionaler Moment. Die Spielerinnen bedankten sich mit einem speziellen Banner für die Unterstützung von den Rängen: „Ihr wart immer unser 6. Mann auf dem Feld !“ (Foto: Dunja Dziuba)

Am kommenden Sonntag werden die JUNIOR-LIONS im Heimspiel gegen Hagen eine sehr schwere Saison abschließen. Vermutlich wird Head-Coach Sandra Rosanke auf die Frage, was denn für sie der wertvollere Erfolg war, im vergangenen Jahr im Finale der Deutschen Meisterschaft mit einer absoluten Erfolgsmannschaft Vizemeister zu werden oder in diesem Jahr mit einem sehr unerfahrenen, jungen Team den Abstieg zu verhindern, keine schlüssige Antwort finden.

Für den SV Halle spielten:
Steudte (3), Wackermann (15), Oswald (3), Kuhne, Dziuba, Müller (3), S. Herrmann (2), Wegel (4), Heinicke (6), Noeske, Albrecht (8), V. Hermann (22).

(Bericht SV Halle Junior-Lions, Günter Hebner)