An dieser Stelle stellen wir Ihnen die Teams für den Women’s Basketball World Cup 2026 in Berlin (4.-13. September 2026, Tickets) vor. Heute werfen wir dabei einen Blick auf

China – Die schlafende Großmacht des Frauenbasketballs

Wenn von den erfolgreichsten Nationen in der Geschichte des Frauenbasketballs gesprochen wird, darf China nicht fehlen. Seit den 1980er-Jahren gehört die Volksrepublik zu den prägenden Kräften des internationalen Spiels. Olympisches Silber 1992, Vizeweltmeisterschaft 1994 und zahlreiche Medaillen bei Asienmeisterschaften dokumentieren die lange Tradition des Programms. In den vergangenen Jahren gelang China zudem der Sprung zurück in die absolute Weltspitze. Spätestens mit der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 2022 etablierte sich die Mannschaft erneut als ernsthafter Herausforderer der etablierten Mächte aus Europa und Nordamerika.

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris verliefen allerdings enttäuschend. Nach hohen Erwartungen schied China bereits in der Gruppenphase aus und verpasste damit eines der wichtigsten sportlichen Ziele der jüngeren Vergangenheit. Doch statt in Selbstzweifel zu verfallen, nutzte das Team die Enttäuschung als Antrieb. Die Leistungen beim Asia Cup 2025 und beim Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft 2026 zeigen deutlich, dass China weiterhin zu den stärksten Basketballnationen der Welt gehört.

Die Enttäuschung von Paris

Vor Beginn der Olympischen Spiele 2024 galt China als einer der gefährlichsten Außenseiter des Turniers. Die Mannschaft verfügte über internationale Erfahrung, enorme Größe und mehrere Spielerinnen, die sich in den stärksten Ligen der Welt etabliert hatten. Die Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt. In einer schwierigen Vorrundengruppe gelang es dem Team nicht, die notwendige Konstanz zu entwickeln. Mehrere knappe Niederlagen führten zum frühen Ausscheiden und sorgten in China für erhebliche Diskussionen über die Zukunft des Programms.

Besonders kritisch wurde die offensive Ineffizienz bewertet. Obwohl China weiterhin zu den körperlich imposantesten Mannschaften des Turniers gehörte, fehlte häufig die notwendige Dynamik gegen moderne, schnelle Defensivsysteme. Im Rückblick erwies sich Paris jedoch als wichtiger Wendepunkt. Die Niederlage zwang das Programm dazu, neue Impulse zu setzen und jüngeren Spielerinnen mehr Verantwortung zu übertragen.

Der Asia Cup 2025 – Zwischen Anspruch und Realität

Beim FIBA Women’s Asia Cup 2025 trat China mit dem Ziel an, die Dominanz in Asien zurückzugewinnen. Am Ende stand die Bronzemedaille – ein respektables Ergebnis, das dennoch hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Vor allem Australien und Japan präsentierten sich in diesem Turnier konstanter. Dennoch zeigte China über weite Strecken seine enorme Qualität. Besonders die körperliche Überlegenheit unter den Körben blieb ein entscheidender Faktor.

Die Bronzemedaille wurde innerhalb des Programms als Zwischenschritt betrachtet. Wichtiger als die Platzierung war die Erkenntnis, dass sich mehrere jüngere Spielerinnen auf internationalem Niveau behaupten konnten. Damit wurde der Grundstein für die nächsten Jahre gelegt.

Die WM-Qualifikation in Wuhan

Nur wenige Monate später folgte die passende Antwort auf die kritischen Stimmen. Beim Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft 2026 in Wuhan präsentierte sich China deutlich verbessert. Vor heimischem Publikum gewann die Mannschaft vier ihrer fünf Begegnungen und qualifizierte sich souverän für Berlin. Besonders beeindruckend war die defensive Stabilität. Die Chinesinnen kontrollierten viele Spiele über ihre Reboundstärke und ihre Präsenz in der Zone. Gleichzeitig wirkte die Offensive deutlich variabler als noch bei den Olympischen Spielen.

Die Leistungen bestätigten, dass China weiterhin zu den weltweit stärksten Programmen gehört. Das Ziel der Mannschaft war dabei nie nur die Qualifikation – vielmehr wollte man ein Signal an die Konkurrenz senden, dass mit China bei der Weltmeisterschaft wieder zu rechnen sein wird.

Han Xu – Das Gesicht des chinesischen Basketballs

Die wichtigste Spielerin des Landes bleibt Han Xu. Mit ihrer außergewöhnlichen Größe, ihrer Mobilität und ihren technischen Fähigkeiten gehört die Centerin der New York Liberty (WNBA) zu den faszinierendsten Innenspielerinnen des internationalen Basketballs. Anders als viele klassische Centers kann Han Xu nicht nur in Korbnähe dominieren, sondern auch aus der Mitteldistanz und teilweise sogar von außen abschließen. Ihre Präsenz verändert jedes Spiel. Gegnerische Mannschaften müssen ihre gesamte Verteidigung anpassen, um Han Xu zu kontrollieren. Gleichzeitig eröffnet ihre Aufmerksamkeit Räume für Mitspielerinnen. Bei internationalen Turnieren gehört sie regelmäßig zu den effektivsten Spielerinnen Chinas und ist die natürliche Führungspersönlichkeit des Teams.

Weitere Stärken unter dem Korb

>Neben Han Xu verfügt China mit Li Yueru (Dallas Wings/WNBA) über eine weitere Weltklassespielerin im Frontcourt. Li bringt enorme physische Präsenz mit und gehört zu den besten Rebounderinnen des internationalen Frauenbasketballs. In vielen Spielen kontrolliert sie die Zone nahezu allein und verschafft ihrem Team zahlreiche zweite Wurfchancen. Außerdem steht die 220 cm große und erst 19 Jahre alte Ziyu Zhang zur Verfügung, die in Wuhan mit elf Punkte und 4,8 Rebounds im Schnitt aufhorchen ließ. Die Kombination aus Han Xu, Li Yueru und Ziyu Zhang ist einzigartig. Kaum eine andere Nation verfügt über drei derart dominante Innenspielerinnen. Diese Stärke macht China besonders gegen europäische Teams gefährlich, die häufig stärker über ihre Guards kommen.

Die neue Generation

Neben den etablierten Stars rücken zunehmend jüngere Spielerinnen in den Vordergrund. Yang Shuyu entwickelte sich beim Qualifikationsturnier in Wuhan zu einer der auffälligsten Akteurinnen des Wettbewerbs und wurde in das All-Star Five gewählt. Ihre Athletik und Vielseitigkeit verleihen dem Team zusätzliche Dynamik. Gerade diese Entwicklung ist entscheidend für die Zukunft Chinas. Die Mannschaft darf sich nicht ausschließlich auf ihre Centers verlassen, sondern benötigt auch kreative Lösungen auf den Guard-Positionen. Die ersten Fortschritte in dieser Hinsicht waren bereits 2025 und 2026 sichtbar.

Chinas Spielstil

China spielt einen Basketball, der sich deutlich von vielen europäischen und amerikanischen Teams unterscheidet. Die Mannschaft nutzt konsequent ihre Größe. Rebounding, Korbnähe und physische Dominanz bilden das Fundament der Spielweise. Gleichzeitig hat sich das Team in den vergangenen Jahren bemüht, flexibler und schneller zu werden. Im Angriff wird häufig versucht, Vorteile im Low Post zu schaffen. Gleichzeitig sorgen gute Passwege dafür, dass freie Würfe aus der Distanz entstehen. Defensiv gehört China zu den stärksten Mannschaften der Welt. Die Länge des Kaders erschwert Abschlüsse in Korbnähe und zwingt viele Gegnerinnen zu schwierigen Würfen. Wenn das Team sein volles Potenzial ausschöpft, kann es nahezu jede Nation vor Probleme stellen.

Ausblick

Die Enttäuschung von Paris hat China nicht geschwächt, sondern möglicherweise sogar stärker gemacht. Mit Han Xu, Li Yueru und einer wachsenden Zahl talentierter junger Spielerinnen verfügt das Land weiterhin über außergewöhnliche Qualität. Die erfolgreiche Qualifikation für Berlin und die Leistungen der vergangenen Monate zeigen, dass China zu den ernsthaften Medaillenkandidaten gehört. Das Viertelfinale sollte Pflicht sein. Alles darüber hinaus hängt davon ab, wie schnell die jüngere Generation zusätzliche Verantwortung übernehmen kann. Eines ist jedoch sicher: Niemand wird China bei der Weltmeisterschaft 2026 unterschätzen.