Am kommenden Samstag, 4. Juli 2026, startet die deutsche U20-Damen-Nationalmannschaft in die FIBA U20 Women’s EuroBasket 2026. In der Vorrundengruppe trifft das Team auf Ungarn, Lettland und Schweden. Alle Spiele werden live und kostenlos im FIBA-Stream auf YouTube übertragen.

Im Interview spricht Bundestrainerin Constanze Wegner über die Entwicklung ihrer Mannschaft sowie die Ziele für das Turnier.

Die Europameisterschaft steht nun kurz bevor. Wie zufrieden bist du insgesamt mit der Vorbereitung auf die Europameisterschaft?

„Wir hatten eine Vorbereitung mit Höhen und Tiefen. Gerade zu Beginn mussten wir einige Verletzungen verkraften und sind dadurch etwas holprig gestartet. Mit jedem Lehrgang ist die Mannschaft aber besser zusammengewachsen und wir konnten immer ruhiger arbeiten. Die Testspiele haben uns wichtige Erkenntnisse geliefert. Gegen Ungarn wussten wir zunächst nicht, was uns erwartet und letztendlich fehlte uns die Konstanz über 40 Minuten, um einen Sieg einzufahren. Gegen Spanien haben wir eine richtig gute erste Halbzeit gespielt, danach aber komplett den Faden verloren. Umso wichtiger war die Reaktion gegen Belgien, wo wir viele Dinge deutlich besser umgesetzt haben. Zum Abschluss konnten wir in der Türkei alle drei Spiele gewinnen. Die Ergebnisse sind aber am Ende zweitrangig. Entscheidend war, wie wir uns als Team entwickelt haben. Trotz aller Rückschläge war das über die gesamte Vorbereitung hinweg richtig gut.“

Der EM-Kader steht mittlerweile fest. Was zeichnet die Mannschaft aus und worin liegen ihre Stärken?

„Wir sind groß, physisch und im Kollektiv relativ schnell. Vor allem im Umschaltspiel haben wir uns im Laufe der Vorbereitung deutlich verbessert, das war ein klarer Schwerpunkt bei uns. Insgesamt sind wir eine ziemlich unangenehme Mannschaft zu spielen. Wir haben eine gute Balance gefunden: Außen fallen die Würfe, gleichzeitig haben wir mit unseren großen Spielerinnen innen Leute, die dem Gegner Probleme bereiten können.

Jetzt geht es darum, genau diese Stärken konstant auf den Court zu bringen und uns nicht davon abbringen zu lassen, unseren eigenen Stil durchzusetzen.“

Gibt es Spielerinnen und Spieler, die in diesem Sommer eine besondere Verantwortung übernehmen? Sei es sportlich oder als Führungspersönlichkeit innerhalb des Teams?

„Es gibt mehrere Spielerinnen, die in bestimmten Situationen Verantwortung übernehmen. Ich will da niemanden einzeln herausheben, weil das am Ende ein Teamsport ist. Offensiv ist es wichtig, dass sich die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Es gibt Spielerinnen, die vorangehen, aber wenn das mal nicht funktioniert, muss das Team übernehmen. Ganz wichtig ist auch die Teamenergie. Wir haben eine richtig gute Gruppe, in der jede ihren Teil beiträgt, egal wie viel sie spielt. Die Bank ist sehr positiv und unterstützt permanent. Das ist ein großer Faktor für uns.“

Du gehst inzwischen in dein zweites Jahr als Bundestrainerin der U20. Hat sich etwas verändert?

„Es hilft natürlich, dass einige Spielerinnen und auch Teile des Staffs schon dabei waren. Zum Beispiel ist Ruzica (Dzankic) als meine Co-Trainerin wieder dabei. Zusätzlich unterstützt uns dieses Jahr auch Aliaksandra (Taraswava) von ALBA. Die Spielerinnen, die aus dem letzten Jahr zurückkommen wissen in etwa, wie wir arbeiten und worauf es ankommt. Wenn das den neuen Spielerinnen vorgelebt wird, können sie schneller reinfinden. Das macht es einfacher, als wenn man alles ständig neu erklären muss. Grundsätzlich geht es immer darum, sich in kurzer Zeit als Gruppe zu finden, sportlich und menschlich. Und das war in diesem Sommer für die Rückkehrerinnen einfacher, weil vieles von Anfang an klarer war. Letztes Jahr war das nicht problematisch, aber einfach etwas kurzfristiger.

Hast du im Vergleich zu deinem ersten Sommer als Head Coach etwas an deiner Arbeitsweise oder deinem Führungsstil verändert?

„Das würde ich nicht unbedingt sagen. Wir haben die Vorbereitung zwar etwas anders strukturiert und auch inhaltlich andere Schwerpunkte gesetzt, aber man darf nicht vergessen, dass es eine komplett andere Gruppe ist. Deshalb kann man vieles gar nicht eins zu eins so machen wie im Jahr davor. Man startet immer mit einer bestimmten Idee in die Vorbereitung und schaut dann, wie die Gruppe in der Halle darauf reagiert. Die Spielerinnen kennt man sonst überwiegend aus ihren Vereinen. Wenn sie dann in der Nationalmannschaft zusammenkommen und teilweise andere Rollen übernehmen müssen, sehen viele Dinge plötzlich ganz anders aus. Deshalb gehst du mit einem Plan in die Vorbereitung, musst ihn aber immer wieder anpassen, damit er zur jeweiligen Gruppe passt.“

Blicken wir auf die Vorrunde: Mit Ungarn, Lettland und Schweden warten drei unterschiedliche Gegner. Du hast bereits gesagt, dass das Ziel die bestmögliche Ausgangsposition für das Überkreuzspiel ist. Wie schätzt du die Gruppe insgesamt ein und worauf wird es gegen die einzelnen Teams besonders ankommen?“

„Die Aufgabe ist auf dem Papier machbar, aber bei einer EM gibt es keine einfachen Spiele. Entscheidend ist, wie viel wir von unserem Schwung aus der Vorbereitung mitnehmen können. Ich will niemanden kleinreden, alle Teams können Basketball spielen. Am Ende geht es darum, wie konsequent wir unseren Spielstil durchsetzen. Schweden können wir ehrlich gesagt noch nicht richtig einschätzen, wir haben sie kaum gesehen. Lettland ist immer solide, gut organisiert, körperlich aber eher im Mittelfeld. Ungarn hat einige sehr starke Spielerinnen, viele davon mit Erfahrung in starken Ligen und im EuroCup. Wir haben sie im Testspiel gesehen, aber das ist nicht eins zu eins übertragbar. Unser Ziel ist klar, die Gruppe zu gewinnen, auch um eine ungünstige Konstellation wie im letzten Jahr zu vermeiden und in das bestmögliche Überkreuzspiel zu gehen.“

Du hast das Ziel für die Gruppenphase bereits angesprochen. Mit welchen Erwartungen und Zielsetzungen geht die Mannschaft insgesamt in die Europameisterschaft?

„Wie bereits gesagt haben wir uns in der Vorbereitung sehr auf das „Wie“ fokussiert und weniger auf konkrete Ergebnisse, und das wollen wir auch weiterhin so halten. Dennoch wollen wir uns in der Gruppenphase natürlich die bestmögliche Ausgangsposition erarbeiten. Unser klares Ziel für das gesamte Turnier: Wir wollen um die Plätze eins bis acht spielen.“

Abschließend noch ein Einblick für die Fans: Warum lohnt es sich bei der Europameisterschaft einzuschalten? Und was dürfen die Fans von deiner Mannschaft erwarten?

„Ich glaube, dass sich das Einschalten auf jeden Fall lohnt, weil unsere Mannschaft attraktiven Basketball spielt, der Spaß macht. Wir haben uns in der Vorbereitung stark entwickelt, gerade auch taktisch, und finden immer bessere Lösungen gegen unterschiedliche Verteidigungen. Man hat in den letzten Spielen gesehen, dass die Mannschaft zusammengewachsen ist und auch schwierige Situationen gemeinsam löst. Dazu kommen Intensität, Physis und Größe. Diese Kombination macht uns interessant. Es hat schon in der Vorbereitung Spaß gemacht, dieses Team zu coachen, und genau das soll man auch beim Zuschauen sehen. Es ist einfach guter und cooler U20-Basketball.“