Auf dem Weg zur Verteidigung des WM-Titels hat die deutsche Herren-Nationalmannschaft, amtierender Basketball-Weltmeister, einen Rückschlag hinnehmen müssen. Nach zuvor zwei Siegen verlor das Team von Bundestrainer Álex Mumbrú heute den dritten FIBA World Cup 2027 Qualifier. In Zagreb unterlag Deutschland mit 88:93 (26:20, 24:26, 22:29, 16:18) gegen Kroatien und verpasste dadurch die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe E. Die Chance zur Revanche bietet sich bereits am kommenden Sonntag in Bonn, wenn es ab 18 Uhr gegen den gleichen Gegner geht (ab 17.30 Uhr live und kostenlos bei MagentaSport).

Große Anspannung

Bei den Kroaten standen deren Stars Mario Hezonja (Real Madrid) und Dario Saric (bis Februar in der NBA) im Aufgebot. Dazu u.a. die aus der BBL bekannten Jaleen Smith und Danko Brankovic. Mumbru schickte vor den Augen von DBB-Präsident Ingo Weiss für Deutschland zu Beginn Nelson Weidemann, Malte Delow, Louis Olinde, Christian Sengfelder und Johannes Thiemann aufs Parkett. Man merkte von Beginn an die Anspannung auf beiden Seiten, die Partie begann mit hoher Intensität, aber auch einigen Fehlern. Deutschland leistete sich frühe Ballverluste, die schmerzten (4:7, 4.). David Krämer checkte mit einem Dreier zum 9:9 ein und legte kurz später zum 12:11 nach (6.). Olinde rackerte für zwei und holte mehrere verlorene Bälle zurück. Jack Kayil netzte für drei zum 15:14 (7.), es war ein munterer Schlagabtausch. „Ein atemloses Auftaktviertel“, wie es TV-Kommentator Benni Zander formulierte, nahm seinen Lauf (23:20, 10.). Mit der Sirene punktete Delow per Dreier zum 26:20.

Tempokontrolle

Kostja Mushidi kam zu seinen ersten Punkten für die A-Nationalmannschaft und hatte einige starke Szenen, Deutschland übte in diesen Minuten eine gute Kontrolle über das Tempo aus (28:22, 12.). Alle zwölf deutschen Spieler hatten bereits auf dem Feld gestanden. Man versäumte es aber, diese eigentlich starken Minuten punktemäßig umzumünzen (30:29, 14.). Dann war zweimal Jonas Mattisseck von weit draußen zur Stelle, Auszeit Kroatien (38:32, 15.). Saric machte den Deutschen Probleme und war nur schwer zu kontrollieren. Und dann war auch Hezonja plötzlich im Spiel (42:42, 18.). Delow beruhigte die Nerven mit einem Dreier, Krämer traf auch wieder (49:42, 19.). Olinde musste nach einem zumindest fahrlässigen gegnerischen Ellenbogentreffer blutüberströmt auf die Bank. Zum Seitenwechsel lag die deutsche Mannschaft knapp mit 50:46 in Front.

Boxscore 

Fotos: FIBA | DBB/Trienitz

Großer Druck der Kroaten

Thiemann eröffnete das dritte Viertel mit einem Dreier, dann wurden ein paar „einfache“ Würfe liegen gelassen (53:51, 22.). Kroatien ging mit einem weiten Dreier von Hezonja in Führung, aber Kayil hatte die passende Antwort parat (58:56, 24.). Die Gastgeber erhielten jetzt einige Pfiffe zu ihren Gunsten, das DBB-Team sammelte viele Fouls. „Nase an Nase“ ging es weiter, beide Teams schenkten sich nichts. Olinde konnte zurückkehren, Kroatien hatte aber jetzt immer wieder Erfolg mit dem ausgeübten Druck (61:63, 26.). Schneider traf aus der Distanz zum 67:66 (28.), aber die Kroaten ließen jetzt nicht locker. Nach 30 Minuten hieß es 72:75.

Bitter

Beim 72:78 musste die DBB-Auswahl aufpassen, Kroatien traf die Dreier mit mehr als 50 Prozent. „Deutschland braucht Stops“ forderte Per Günther am Mikrofon. Thiemann ging jetzt als Kapitän voran, machte das 79:83 (34.) und hielt seine Mannschaft im Spiel. Es ging sehr physisch zur Sache, immer wieder hielten sich die Spieler schmerzende Körperteile. Kayil verkürzte auf 81:83 und netzte einen Not-Dreier mit Ablauf der Uhr zum 84:83 (35.). Dann wurde der Youngster aber zu sehr alleine gelassen und die Kroaten schafften die erneute Wende (84:89, 37.). Das DBB-Team bekam im Anschluss keinen Zugriff mehr und musste in die bittere Niederlage einwilligen.

„Zu viele Fehler für ein enges Spiel“

Álex Mumbrú: „Gratulation an Kroatien, sie haben ein gutes Spiel gemacht. Es war eine gute Atmosphäre hier, das brauchen wir am Sonntag zuhause auch. In der ersten Hälfte hatten wir offensiv und defensiv einen guten Rhythmus und haben uns an den game plan gehalten. Im dritten Viertel haben wir einige Lay-ups und Dreier zu einfach abgegeben. Am Ende wollten wir es dann so knapp wie möglich halten. Es hat mich nicht überrascht, dass Kroatien so stark war, wir kennen alle Spieler. Wir haben zu viele Fehler für ein enges Spiel gemacht.“

Malte Delow: „So richtig haben wir nie zu unserem Spiel gefunden. Wir wollten viel mehr rennen und haben zu wenig Stops generiert. Außerdem haben wir zu viele Bäle verloren. In Bonn müssen wir offensiv und defensiv besser pick’n’roll spielen.“

Für Deutschland spielten
Name Punkte Verein Name Punkte Verein
Jack Kayil 15 ALBA BERLIN
Tim Schneider 8 Rizing Zephyr Fukuoka/JPN
Nelson Weidemann 2 ratiopharm ulm
Jonas Mattisseck 6 ALBA BERLIN
Louis Olinde 4 BAXI Manresa/ESP
Malte Delow 8 ALBA BERLIN
Kostja Mushidi 2 NINERS Chemnitz
Johannes Thiemann 17 Gunma Crane Thunders/JPN
Leon Kratzer 0 FC Bayern München
Christian Sengfelder 0 ratiopharm ulm
David Krämer 22 Real Madrid/ESP
Norris Agbakoko 4 ALBA BERLIN