Warum ist der 20. Juni 2011 ein besonderes Datum für die deutsche Damen-Nationalmannschaft? An diesem Tag fand das bisher letzte Spiel einer DBB-Auswahl bei einer Europameisterschafts-Endrunde statt. Das 64:76 gegen Montenegro bedeutete damals im polnischen Kattowitz das Aus nach der Vorrunde.

Warum erwähnen wir das? Jetzt, fast zwölf Jahre später, stehen die DBB-Korbjägerinnen so nahe vor dem Erreichen der EuroBasket Women wie schon sehr lange nicht mehr. Die Ausgangsposition ist gut (siehe Tabelle unten). Bereits beim Heimspiel gegen Belgien am Donnerstag, 9. Februar 2023, das in der Lindenhallte Wolfenbüttel ausgetragen wird, kann das Team von Bundestrainer Walt Hopkins einen dann wohl entscheidenden Schritt in Richtung der kontinentalen Titelkämpfe in Israel und Slowenien (15.-25. Juni 2023) machen. Bei einem Sieg spränge man an die Tabellenspitze, die dann am Sonntag, 12. Februar 2023, in Bosnien und Herzegowina noch einmal verteidigt werden müsste. Doch auch bei einer Niederlage gegen Belgien besteht weiter die Chance, sich als einer der vier besten Gruppenzweiten zu qualifizieren.

Qualifikation EuroBasket Women 2023, Gruppe A
Platz Name Siege Niederlagen Korbverhältnis Punkte
1. Belgien 3 1 377:243 7
2. Deutschland 3 1 296:230 7
3. Bosnien und Herzegowina 2 2 285:342 6
4. Nordmazedonien 0 4 193:336 4

DBB-Damen vor dem großen Coup?

Ein Sieg gegen Belgien! Den Nachbarn, der über viele Jahre sportlich so weit entfernt zu sein schien. Ist jetzt die Zeit gekommen, den Rivalen nach rund acht Jahren wieder einmal zu bezwingen?

Schon im Hinspiel durften die deutschen Spielerinnen eine Halbzeit lang an eine Sensation glauben. 32:32 hieß es zur Halbzeit in Kortrijk, der Favorit wusste kaum wie ihm geschah. Doch ein 11:0-Lauf der Belgierinnen direkt aus der Kabine beendete die deutschen Hoffnungen, die mit 55:84 noch recht deutlich begraben wurden.

Wenn sich das in Wolfenbüttel ändern soll, benötigt Deutschland möglichst eine komplette Besetzung. Vielleicht sind dann die zuletzt verletzt pausierenden Satou Sabally (Fenerbahce Istanbul/TUR | Dallas Wings/WNBA), Emma Stach (3×3 – Düsseldorf ZOOS) und Alexandra Wilke (Rutronik Stars Keltern) wieder mit dabei und gesellen sich zu den erfahrenen Stammkräften Marie Gülich (Valencia BC/ESP), Luisa Geiselsöder (Roche Vendée Basket Club/FRA), Leonie Fiebich (Basket Zaragoza/ESP), Rückkehrerin Romy Bär und den „Veteraninnen“ Svenja Brunckhorst und Sonja Greinacher. Dazu kommen eine ganze Reihe junger, vielversprechender Korbjägerinnen, die in US-amerikanischen Colleges aktiv sind (Emily Bessoir, Jessika Schiffer) oder auch in der DBBL spielen (Alina Hartmann).

Head Coach Walt Hopkins wird alles daransetzen, sein Team gegen Belgien so stark wie möglich aufzustellen. In den bisherigen vier Qualifikationsspielen erwiesen sich Gülich (13,8), Fiebich (11,8) und Bär (10,5) als beste deutsche Werferinnen. Bei den Rebounds überzeugten Fiebich (9,8), Gülich (6,8) und Greinacher (5,3), die meisten Assists verteilten Bär (6,65), Brunckhorst (5,3) und Fiebich (4,3).

Wichtige Stütze für das deutsche Team: Ama Degbeon.
Foto: FIBA
Go-to-Guy im belgischen Team: Emma Meesseman, die bei Fenerbahce Istanbul sowie beim WNBA-Klub Chicago Sky spielt.
Foto: FIBA

Belgien zählt zu Europas Elite

Besonders in den vergangenen Jahren hat sich die belgische Damen-Nationalmannschaft zu einem der Power Houses der europäischen Basketball-Szene entwickelt. Davon zeugen hervorragende Ergebnisse bei den Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und natürlich die beiden Bronzemedaillen bei den Europameisterschaften 2017 und 2021 (Erfolge siehe unten).

Es ist eine Mannschaft kontinuierlich gewachsen, die es mittlerweile mit jedem Gegner in der Welt aufnehmen kann. Die aber auch einmal schwächere Tage erwischen kann, so wie am 11. November 2021, als man in Bosnien und Herzegowina mit 81:87 unterlag (Jonquel Jones 44 Punkte und 22 Rebounds). Im Rahmen der bisherigen vier Qualifikationsspiele waren acht Spielerinnen immer dabei, sechs kamen durchschnittlich auf eine zweistellige Punktzahl.

Angeführt wird Belgien von Go-to-Guy Emma Meesseman (Fenerbahce Istanbul/Chicago Sky), die mit ihren 193 cm Körpergröße enorm vielseitig auf den großen Positionen agiert und im Schnitt auf 20 Punkte kommt. Ihr folgen Hind Ben Abdelkader (Villeneuve/FRA, 15) und Juliee Vanloo (Lattes Montpellier/FRA, 14,5). Auch die Reboundliste führt Meesseman an (8,3), vor Kyara Linskens (Lattes Montpellier/FRA, 7,8) und Ben Abdelkader (4,5). Die meisten Assists verteilt Vanloo (7) vor Meesseman (5,8) und Julie Allemand (Vileurbanne/FRA, 4,5).

„Spiele wie dieses äußerst wertvoll“

Bundestrainer Walt Hopkins: „Es ist immer spannend, gegen eine so erfahrene und talentierte Mannschaft wie Belgien anzutreten. Während wir weiterwachsen und unsere eigene Chemie und Identität entwickeln, sind Spiele wie dieses äußerst wertvoll. Sie geben uns die Möglichkeit, unsere Fortschritte zu messen und gleichzeitig konkrete Schritte auf dem Weg zu dem Team zu machen, das wir sein können. Wie jedes Spiel in dieser Qualifikationsphase wird auch dieses eine wertvolle Erfahrung für unsere Gruppe sein.“

Ivica Lukanic, Bürgermeister von Wolfenbüttel: „Wolfenbüttel ist ein gutes Pflaster für hochklassigen Basketballsport. Nicht zum ersten Mal können wir den DBB bei uns in der Lindenhalle begrüßen und ich bin mir sicher, dass die Wolfenbütteler Fans das Team auch in diesem wichtigen Spiel gegen Belgien mit aller Kraft unterstützen werden. Keine Frage, dieses Spiel verspricht spannend zu werden!“

„Jetzt oder nie ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber unsere Damen sind wirklich dicht dran an einer Qualifikation für die EuroBasket Women 2023. Das wäre ein großartiger Erfolg und die verdiente Belohnung für die Anstrengungen des Teams. Wir werden alles daransetzen, die bestmögliche Mannschaft zusammenzustellen und dann mit Volldampf und mit großem Selbstvertrauen gegen Belgien anzutreten. Wie sagt man im Basketball? Da geht was!“ sagte der DBB-Vizepräsident für Leistungssport, Armin Andres.

Tickets

Tickets für das Länderspiel in Wolfenbüttel gibt es online http://www.basketball-bund.de/tickets

Telefonisch: 01806 997724 (0,20 € Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 0,60 € Anruf aus den Mobilfunknetzen)

sowie an allen bekannten CTS Eventim VVK-Stellen.

Tickets ab 8 €

Erfolge Belgien

Bereits zehn Mal qualifizierten sich die Belgierinnen bisher für die Endrunde einer Europameisterschaft. Die größten Erfolge datieren aus den Jahren 2017 und 2021, als jeweils die Bronzemedaille gewonnen wurde.

Zweimal gelang dem Nachbarn die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. 2018 kam Belgien auf Platz vier, vor wenigen Wochen bei der WM in Sydney bis ins Viertelfinale.

Für Olympische Spiele war Belgien im Jahr 2021 qualifiziert, als es in Tokio bis ins Viertelfinale ging.

Bilanz

Deutschland und Belgien trafen bei den Damen bisher 33 Mal offiziell aufeinander. 18 Mal siegte eine deutsche Nationalmannschaft, das Korbverhältnis beträgt 2.196:2.245.

Die erste Partie beider Länder fand am 01. November 1962 bei einem Testspiel in Gent/BEL statt, Deutschland unterlag mit 30:56. Zuletzt spielten Deutschland und Belgien am 14. November 2021 im Rahmen der EM-Qualifikation im belgischen Kortrijk gegeneinander, als die Gastgeberinnen mit 84:55 die Oberhand behielten.

In Wolfenbüttel gab es bisher neun offizielle Damenländerspiele, von denen fünf gewonnen wurden. Zuletzt waren die DBB-Damen am 21. November 2018 in Wolfenbüttel zu Gast, als im Rahmen der damaligen EM-Qualifikation ein klarer 78:52-Erfolg gegen die Schweiz erzielt wurde.