Wer hätte das noch vor wenigen Wochen gedacht? Die deutschen Basketballerinnen stehen bei der FIBA Women’s EuroBasket 2023 im Viertelfinale! Ein großartiger Erfolg! Erst zum zweiten Mal überhaupt erreichten die DBB-Damen ein EM-Viertelfinale. Im heutigen Qualifikationsspiel im slowenischen Ljubljana gegen die slowakische Republik setzte sich das Team von Bundestrainerin Lisa Thomaidis mit 79:69 (21:19, 23:17, 17:12, 18:21) durch. Im Viertelfinale am kommenden Donnerstag, 22. Juni 2023, wartet nun Titelfavorit Spanien auf die DBB-Auswahl (20.45 Uhr, live und kostenlos bei MagentaSport). Gegen das Team von der iberischen Halbinsel gewann eine deutsche Mannschaft zuletzt bei der EM 1997 in Ungarn, als Deutschland die Bronzemedaille feiern durfte. Es wäre also mal wieder an der Zeit …

Offene Würfe gestattet

Wieder mit Ama Degbeon im Team nahm Deutschland die Partie auf. Thomaidis änderte ihre Startformation nicht: Svenja Brunckhorst, Emily Bessoir, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Marie Gülich. Erstmals ging die DBB-Auswahl bei der EM als leichter Favorit ins Spiel. Bessoir beantwortete den Auftaktdreier der Slowakei ebenfalls aus der Ferndistanz. In der Anfangsphase gestatteten die DBB-Korbjägerinnen dem Gegner zu freie Würfe und lagen nach fünf Minuten 7:9 hinten. Dann netzte Bessoir ihren zweiten Dreier, dicht gefolgt von zwei weiteren offenen Dreiern der Slowakei (10:15, 7.). Auszeit Deutschland, an der Defense musste sich etwas ändern. Kaum eingewechselt hatte Lina Sontag gute Szenen und glich per Dreier zum 17:17 aus (9.). Gülich kam offensiv gut zum Zuge, sogar zweimal im Fastbreak: 21:19 (10.).

Viele Assists, Gülich überragt

Vorne Dreier Brunckhorst, hinten Block Bessoir … so begann das zweite Viertel ganz nach dem Geschmack der deutschen Fans in der gähnend leeren 13.000er-Arena. Die DBB-Auswahl dominierte und zog 26:19 in Front (Geiselsöder, 13.). Man hatte die Slowakinnen jetzt besser unter Kontrolle und kam mehrfach direkt am gegnerischen Brett zum Erfolg. Bereits neun Assists waren zu diesem Zeitpunkt für das DBB-Team notiert. Doch die Slowakei blieb immer gefährlich und nutzte jede kleine Unkonzentriertheit direkt aus (30:27, 14.). Zu wenig hatte Deutschland aus der guten Phase gemacht. Ähnlich wie Sontag fasste sich Jennifer Crowder direkt nach ihrer Einwechslung ein Herz und versenkte einen Dreier zum 37:32 (17.). Gülich war das große „Inside-Problem“ für die Slowakinnen und markierte bestens eingesetzt Punkt um Punkt. Gefühlt lag Deutschland viel deutlicher vorne als das 39:36 auf dem Scoreboard (19.). Dann fiel der Dreier von Fiebich für ihre ersten Punkte, zum Seitenwechsel lag das Thomaidis-Team mit 44:36 vorne.

Gülich machte nach der Pause direkt da weiter, wo sie im zweiten Viertel aufgehört hatte. Auch Fiebich war erfolgreich (50:38, 23.), alles lief bestens für Deutschland. Die Slowakei wirkte etwas müde, während die ING-Korbjägerinnen weiter hellwach und konzentriert zu Werke gingen (52:38, 24.). Die deutsche Defense stand jetzt viel besser und gestattete dem Gegner nur schwierige Würfe. Greinacher war mit schöner Bewegung zum 54:41 zur Stelle (26.), die Überlegenheit auf den großen Positionen war eklatant (59:43, Dreier Fiebich). Die Slowakei fand in diesen Minuten überhaupt kein Mittel gegen die DBB-Offense. Die Tendenz der Partie war eindeutig, die Slowakei nahm schon ihre zweite Auszeit. Zum Viertelende kam der Gegner noch etwas heran (61:48).

Größter Erfolg seit 26 Jahren

Die Slowakinnen fanden nach wie vor kein Matchup für Marie Gülich, versuchten aber noch einmal alles, um in die Partie zurückzukommen. Aber das DBB-Team wollte das Viertelfinale unbedingt und strahlte das auch über die gesamte Spielzeit aus (65:50, 33.). Das ein oder andere Missverständnis passierte, aber der Gegner konnte das nur bedingt nutzen. Das Polster blieb zweistellig, man musste sich Mitte des vierten Viertels keine Sorgen um die deutsche Mannschaft machen. Zu wenig Gefahr ging von der gegnerischen Offense aus. Und wenn es mal etwas enger wurde, hieß die Antwort stets: Marie Gülich. 69:57 lautete der Spielstand nach 36 Minuten, als Fiebich von weit draußen „swishte“ und schon ein bisschen den Deckel drauf machte. Die Slowakei steckte nie auf (72:61, 38.). Schließlich aber war der größte Erfolg seit 26 Jahren unter Dach und Fach und es durfte zurecht lautstark gejubelt werden.

„Einfach super stolz!“

Marie Gülich: „Ich jetzt einfach super stolz, dass wir es so weit geschafft haben. Unser Zielk war die zweite Runde und jetzt stehen wir im Viertelfinale. Ein Traum ist wahr geworden. Wir haben den Ball gut bewegt. Ich bin aufgeregt, jetzt gegen meine Mitspielerinnen aus Valencia zu spielen. Ich habe bei den Damen noch nie gegen Spanien gespielt, das wird ein besonderes Spiel.“

Lisa Thomaidis: „Wir sind wirklich froh und haben eine großartige Vorstellung von Marie gesehen. Diese starke ‚high low‘ scheint im Naturell des gesamten Teams zu liegen – Pressekonferenz wird vom jubelnden deutschen Team gecrasht – Wir haben eine begeisterte und aufregende Gruppe hier. Sie lieben es zusammen zu spielen. Jetzt haben wir ein bisschen Geschichte geschrieben, aber wir sehen weiterhin jede Gelegenheit, die sich uns bietet. Wir werden bereit für Spanien sein. Meine Mannschaft ist immer noch jung und kann sich an so vielen Stellen verbesser. Es liegt alles an uns.“

Boxscore

Fotos: FIBA

Für Deutschland spielten
Name Punkte Verein
Alexandra Wilke 7 Rutronik Stars Keltern
Jennifer Crowder 3 medical instinct Veilchen Göttingen
Marie Gülich 26 Valencia BC/ESP
Leonie Fiebich 15 Casademont Zragoza/ESP
Sonja Greinacher 4 Team Bundeswehr
Luisa Geiselsöder 8 zuletzt: La Roche Vendee/FRA
Alina Hartmann 0 zuletzt: CD Zamarat/ESP
Svenja Brunckhorst 5 Team Bundeswehr
Emily Bessoir 6 UCLA/USA
Lina Sontag 5 UCLA/USA
Ama Degbeon 0 zuletzt: BKG Prima Akademia/HUN
Emma Stach 0 zuletzt: AS NIKI Lefkadas/GRE