Dietmar Schott, Sporthörfunklegende des WDR, Erfinder der Radio-Konferenz in der Fußball-Bundesliga und früherer „Funktionär“ beim Basketball-Bundesligisten Saturn Köln, ist am 10. Mai 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben. „Ich bin sehr traurig über den Tod von Dietmar Schott. Er hat unsere Herren-Nationalmannschaft und generell den deutschen Basketball über viele Jahrzehnte immer mit großer Begeisterung begleitet. Seine Fröhlichkeit und Lebensfreude waren ansteckend, es gab immer viel zu lachen mit Dietmar. Dietmar war kompetent, verständnisvoll und seine Berichte und Reportagen – egal, ob im Basketball, im Fußball oder im Reitsport – waren immer geprägt von einer enormen Leidenschaft. Der Deutsche Basketball Bund wird Dietmar Schott vermissen und ihm ein ehrendes Gedenken bewahren“, so DBB-Präsident Ingo Weiss.
Dietmar Schott gehörte über viele Jahr(zehnte) neben den bereits zuvor verstorbenen Günter Bork (sid) und Reinhard „Blacky“ Schwarz (dpa) zu den sogenannten „Glorreichen Drei“ der damaligen deutschen Basketball-Journalisten. Er berichtete am Radiomikrofon von zahllosen Basketball-Veranstaltungen, war bei Olympischen Spielen, Basketball-Welt- und -Europameisterschaften und bei den nationalen und internationalen Basketball-Vereinswettbewerben vor Ort und begleitete vor allem die damalige deutsche Herren-Nationalmannschaft durch alle Höhen und Tiefen.
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Nachruf
Ein Leben für den Sport und den Journalismus
Dietmar Schott ist tot
Sein Gesicht war lebenslang ein Lächeln. Wenn man sich sah, da war immer dieses Lächeln. Und sein Interesse am Gegenüber. Dietmar Schott war ein Rheinländer und ein ernsthafter Mensch, das funktioniert wirklich, einer, der für den Sport lebte. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt er, 1,92 Meter hoch, für den ASV Köln. Als Saturn Köln vier deutsche Meisterschaften gewann und drei deutsche Pokale, war er an der Seite von Mäzen Fritz Waffenschmidt, Basketball war sein Leben. Aber doch nur eines von vielen.
Mit Beate, einer Kollegin, war er 47 Jahre verheiratet, ihre Heimat war der Westdeutsche Rundfunk WDR in Köln. Als Dietmar Schott 1988 als Nachfolger von Kurt Brumme WDR-Sportchef wurde, wurde er zu einer der „wichtigsten Stimmen des Landes“, wie WDR-Intendantin Katrin Vernau treffend sagt. Über 2000 Sendungen moderierte er in über 40 Jahren. „Sport und Musik“ im WDR, das war für uns Dietmar Schott. Und wenn man ihn traf, interessierte er sich immer vorwiegend für das andere Metier, gerne für die schreibenden Journalisten. „Wo wären wir ohne euch“, pflegte er zu sagen, wenn es um den Sport-Informations-Dienst (sid) ging. Dabei war – vor allem – er immer das Lexikon. Dietmar Schott wusste sehr viel. Nicht nur vom Sport – auch vom Jazz.
Wenn Dietmar Schott ins Mikrofon sprach, fühlten wir uns Zuhause – und im Stadion. Großartig. Er zählte zur Familie, von 1962 bis 2002 im WDR. „Sport und Musik“ war Pflicht, wenn man nicht selbst um Punkte spielte oder später selbst davon berichtete. Basketball, Fußball – aber doch vor allem auch die Pferde. Er baute in Lohmar 1974 Gestüt Höhnchen auf. Er saß selbst im Sulky, 14 Siege. Und wenn „Sport und Musik“ angepfiffen wurde, Pferde waren immer dabei. Dietmar Schott war es wichtig, dass der Pferdesport in der großartigsten und herausragendsten Hörfunksendung des Sports seinen Platz hatte.
Über 30 Mal meldete sich Schott vom „Prix d’Amerique“ in Paris-Vincennes, 25 Mal vom Deutschen Derby, er berichtete von elf Olympischen Spielen, aber das sind Zahlen. Er lebte für den Sport – und seine Akteure, Peter Remmert war einer seiner Freunde, Willi „Ente“ Lippens ein anderer. Legendär: „Ich danke Sie!“ sagte Lippens beim Spiel von RWE bei Westfalia Herne irgendwann in den 60ern zum Schiedsrichter, nachdem der ihn mit den Worten: „Ich verwarne Ihnen“, verwarnt hatte – und flog vom Platz. Dietmar Schott veröffentlichte das Buch über seinen Freund Lippens 2008. Sport war sein Leben, geboren in Köln, aufgewachsen in Hamburg, glühender Fan und Ehrenmitglied des Hamburger SV, 1962 kehrte er nach Köln zurück. Zum WDR.
Dietmar Schott ging es nach einem Sturz zuletzt nicht mehr gut, aber der Wiederaufstieg des HSV, nach Jahren in der 2. Liga, muss ihn glücklich gemacht haben. Aktuell Klassenerhalt geschafft, sicher hat er im Pflegeheim in Aegidienberg die eine oder andere Träne verdrückt. Dietmar Schott konnte sich freuen – am Sport und am Leben. Seines währte 88 Jahre lang bis zum Abend des letzten Montags (10. Mai) – und es war ein gutes und erfülltes und glückliches. „Dietmar war ein geschätzter, ein großartiger Kollege, alte Schule“, sagt Heribert Faßbender. Oft sagt Faßbender das nicht.
Dr. Christoph Fischer
Präsident des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten
Foto: DBB/Büker