An dieser Stelle stellen wir Ihnen die Teams für den Women’s Basketball World Cup 2026 in Berlin (4.-13. September 2026, Tickets) vor. Heute werfen wir dabei einen Blick auf

Italien – Die Rückkehr einer europäischen Traditionsnation

Die italienische Frauen-Nationalmannschaft gehört zu den traditionsreichsten Programmen Europas. Jahrzehntelang war Italien regelmäßig bei Europameisterschaften vertreten, gewann bereits 1938 den ersten Europameistertitel der Geschichte und erreichte 1995 die Silbermedaille. Danach folgten jedoch viele Jahre, in denen die „Azzurre“ zwar respektiert wurden, aber selten zur europäischen Spitze gehörten. Genau das hat sich in den vergangenen beiden Jahren grundlegend verändert. Mit der Bronzemedaille bei der EuroBasket Women 2025 und der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in Berlin hat Italien den Sprung zurück in die internationale Elite geschafft.
Unter Nationaltrainer Andrea Capobianco hat sich die Mannschaft zu einem der unangenehmsten Gegner Europas entwickelt. Italien verbindet inzwischen klassische italienische Basketballtugenden – Spielverständnis, Disziplin und taktische Flexibilität – mit einer Generation von Spielerinnen, die auf höchstem europäischem Niveau und teilweise auch in der WNBA Erfahrungen gesammelt haben. Das Ergebnis ist ein Team, das nicht mehr nur überraschen kann, sondern zunehmend selbst Ansprüche auf Medaillen anmeldet.

Der Durchbruch bei der EuroBasket 2025

Der eigentliche Wendepunkt kam im Sommer 2025 bei der Women’s EuroBasket. Italien spielte ein außergewöhnliches Turnier und erreichte erstmals seit drei Jahrzehnten wieder das Podium. Die Bronzemedaille bedeutete den größten Erfolg des italienischen Frauenbasketballs seit der Silbermedaille von 1995.

Dabei überzeugten die Italienerinnen weniger durch spektakuläre Einzelaktionen als durch ihre bemerkenswerte Geschlossenheit. Während viele europäische Spitzenteams stark von einer oder zwei Führungsspielerinnen abhängig waren, verfügte Italien über eine außergewöhnlich ausgeglichene Rotation. Mehrere Spielerinnen konnten Verantwortung übernehmen, verschiedene Line-ups funktionierten, und die Mannschaft zeigte in engen Spielen große mentale Stabilität.

Zur Symbolfigur dieses Erfolges wurde Cecilia Zandalasini. Die Flügelspielerin führte Italien durch das Turnier, wurde in das All-Star Five der EuroBasket gewählt und erzielte durchschnittlich 16,8 Punkte, 6,0 Rebounds und 3,0 Assists. Ihre Leistungen waren ein wesentlicher Grund dafür, dass Italien erstmals seit 1995 wieder eine Medaille gewann.

Die Bronzemedaille war nicht nur ein sportlicher Erfolg. Sie veränderte auch die Wahrnehmung des italienischen Frauenbasketballs. Aus einem soliden europäischen Team wurde plötzlich ein ernstzunehmender Medaillenkandidat für die kommenden Großturniere.

Der Weg nach Berlin 2026

Dass die EuroBasket kein Zufall war, bestätigte Italien wenige Monate später bei den Qualifikationsturnieren für die FIBA Women’s Basketball World Cup 2026.

Beim Qualifikationsturnier in San Juan trafen die Italienerinnen auf starke Konkurrenz. Dennoch beendeten sie das Turnier mit einer Bilanz von vier Siegen und nur einer Niederlage und sicherten sich souverän das Ticket für die Weltmeisterschaft in Berlin. In der Abschlusstabelle landete Italien sogar vor Spanien und Puerto Rico auf Rang zwei hinter den USA.

Besonders beeindruckend war dabei die Leistung im entscheidenden Spiel gegen Spanien. Italien gewann die Begegnung nach einem hochklassigen Schlagabtausch und sicherte sich damit die vorzeitige Qualifikation. Zandalasini erzielte dabei 22 Punkte und übernahm in den entscheidenden Momenten die Verantwortung.

Für Italien hatte die Qualifikation eine besondere Bedeutung. Die Mannschaft kehrte erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten auf die Bühne einer Frauen-Weltmeisterschaft zurück und bestätigte damit ihren Aufstieg unter die besten Nationen der Welt.

Cecilia Zandalasini – Das Gesicht des italienischen Basketballs

Keine Spielerin verkörpert die Entwicklung des italienischen Frauenbasketballs so sehr wie Cecilia Zandalasini. Die vielseitige Flügelspielerin gehört seit Jahren zu den besten europäischen Spielerinnen ihrer Position. Ihre Fähigkeit, sowohl selbst zu scoren als auch Mitspielerinnen einzusetzen, macht sie zum Zentrum des italienischen Spiels. Im Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft war sie mit durchschnittlich 13,8 Punkten pro Partie die beste Werferin ihres Teams.

Zandalasini ist dabei weit mehr als nur eine Scorerin. Ihre Ruhe in engen Spielsituationen, ihre Erfahrung aus internationalen Wettbewerben und ihre Führungsqualitäten geben der gesamten Mannschaft Stabilität. Wenn Italien in kritischen Momenten einen Korb benötigt, landet der Ball häufig in ihren Händen.

Ihre Bedeutung für die Nationalmannschaft lässt sich mit jener von Emma Meesseman für Belgien oder Gabby Williams für Frankreich vergleichen. Sie ist nicht nur die beste Spielerin, sondern auch die Identifikationsfigur einer ganzen Generation.

Lorela Cubaj und die neue Generation

Neben Zandalasini hat sich insbesondere Lorela Cubaj zu einer Schlüsselfigur entwickelt. Die physisch starke Innenspielerin verleiht Italien jene Präsenz unter den Körben, die früher oft fehlte. Während des Qualifikationsturniers hob die FIBA ausdrücklich hervor, dass Cubaj gemeinsam mit Zandalasini das italienische Team anführte und maßgeblich zur Qualifikation beitrug. Ihre Stärke beim Rebounding und ihre Arbeit in Korbnähe verschaffen Italien eine wichtige Balance zwischen Außen- und Innenspiel.

Hinzu kommen Spielerinnen wie Jasmine Keys, Costanza Verona, Laura Spreafico und die junge Generation um Matilde Villa und Francesca Pasa. Diese Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs sorgt dafür, dass Italien nicht nur von einer einzelnen Spielerin abhängig ist.Gerade diese Kadertiefe unterscheidet die aktuelle Mannschaft von früheren italienischen Teams. Die Azzurre verfügen inzwischen über mehrere Spielerinnen, die auf europäischem Spitzenniveau bestehen können.

Spielstil und Identität

Italien gehört nicht zu den physisch dominantesten Mannschaften der Welt. Die Stärke des Teams liegt vielmehr in seiner Organisation. Im Angriff setzt die Mannschaft auf Ballbewegung, Geduld und das konsequente Ausnutzen von Vorteilen. Selten wird ein Angriff überhastet abgeschlossen. Stattdessen suchen die Italienerinnen nach der bestmöglichen Wurfoption. Das Resultat ist ein sehr effizienter, kontrollierter Basketball.

Defensiv zeichnet sich Italien durch hohe Disziplin aus. Rotationen funktionieren zuverlässig, Fehler werden selten gemacht und die Kommunikation innerhalb des Teams ist hervorragend. Gerade gegen individuell stärker besetzte Mannschaften ist diese mannschaftliche Geschlossenheit oft der Schlüssel zum Erfolg.

Hinzu kommt eine bemerkenswerte mentale Stärke. Sowohl bei der EuroBasket als auch bei den Weltmeisterschafts-Qualifikationen gewann Italien mehrere enge Spiele. Diese Fähigkeit, in Drucksituationen ruhig zu bleiben, hat sich zu einem Markenzeichen der aktuellen Generation entwickelt.

Ausblick

Noch vor wenigen Jahren wäre Italien bei einer Weltmeisterschaft lediglich als Außenseiter gestartet. Heute stellt sich die Situation völlig anders dar. Die Bronzemedaille bei der EuroBasket 2025 und die überzeugende Qualifikation für Berlin 2026 zeigen, dass die Mannschaft dauerhaft zur erweiterten Weltspitze gehört. Zwar verfügen Nationen wie die USA, Frankreich, Belgien oder Australien weiterhin über mehr individuelle Klasse und größere Tiefe. Doch Italien hat bewiesen, dass es diese Teams zumindest an einem guten Tag schlagen kann.

Für die Weltmeisterschaft 2026 dürfte das Viertelfinale das realistische Minimalziel sein. Gelingt es Zandalasini, Cubaj und ihren Mitspielerinnen, die Form der vergangenen beiden Jahre zu bestätigen, ist sogar ein Platz unter den besten vier Teams der Welt nicht ausgeschlossen. Nach drei Jahrzehnten des Wartens ist Italien zurück auf der großen Bühne – und vieles spricht dafür, dass die Geschichte dieser Generation noch lange nicht zu Ende erzählt ist.