Für die U16-Jungen und Bundestrainer Dirk Bauermann geht es am kommenden Freitag los bei der FIBA U16 EuroBasket 2026 in Oradea/ROU. Im Vorfeld des Turniers haben wir mit dem scheidenden Head Coach ein Interview über sein Team und die damit verbundenen Herausforderungen geführt.

EM-Vorrunde
Fr., 7.8.2026, 17.00 Uhr: Deutschland – Belgien
Sa., 8.8.2026,  19.30 Uhr: Deutschland – Slowenien
So., 9.8.2026, 19.30 Uhr: Deutschland – Frankreich

Stell uns Deine Mannschaft bitte kurz vor: Stärken, Schwächen, Herausforderungen.

Wir haben tolle Jungs, die auch als Mannschaft in den letzten Wochen wirklich zusammengewachsen sind, sich sehr gut verstehen. Unsere Stärke muss die Verteidigung sein, gerade in dem Alter. Wir wollen nicht nur intensiv, sondern auch diszipliniert und sauber in den Abläufen verteidigen. Wir haben einige Spieler mit Gardemaß dabei, Fiete Meinberg 2,12 m, Jaron Braun 2,12 m, Lino Schenk 2,06 m, insofern sind wir bei den Großen gut aufgestellt. Wir haben viele Guards dabei und werden mit vielen spielen, um Druck machen zu können, schnell zu spielen und die Last des Ballvortrags auf mehreren Schultern zu verteilen. Die mannschaftliche Geschlossenheit wird von großer Bedeutung sein.

Wie sieht die Bilanz der Vorbereitung aus?

Die Bilanz sieht gut aus. Wir haben viel auch individuell gearbeitet. Ich denke, dass da jeder etwas mitnehmen kann, auch athletisch und konditionell. Wir gehen fit und gut vorbereitet nach Rumänien. Die Ergebnisse waren bis auf zwei Ausschläge nach unten eigentlich sehr zufriedenstellend. Serbien, Litauen, Lettland und jetzt zuletzt Tschechien geschlagen, also eine sehr gute Bilanz. Wichtiger ist aber immer die individuelle und mannschaftliche Entwicklung und die hat stattgefunden.

Wie schwierig ist der Spagat zwischen Entwicklung von Spielern und Erreichen vom Teamerfolg? Wenn es denn ein Spagat ist.

Der Spagat ist so schwierg nicht, weil sich mannschaftlicher Erfolg nur dann einstellt, wenn die Spieler gut ausgebildet sind und einen Werkzeugkasten mitbringen, der ihnen erlaubt, auch gegen Druck gute Lösungen zu finden. Natürlich ist Jugendtraining sehr stark geprägt von Techniktraining und Ausbildung im vortaktischen Bereich, das sind wichtige Schwerpunkte. Taktisch muss man es so einfach halten, dass die Spieler Automatismen entwickeln und nicht mehr viel nachdenken müssen, um Vorteile generieren und nutzen zu können. Da sind wir auf einem sehr guten Weg. Im Gegensatz zu vielen JBBL-Mannschaften spielt bei uns der Pick’n roll eine wichtige Rolle. Es ist international schwer, nur über das Spiel 1-1 einen Vorteil zu generieren. Als junger Spieler muss ich bereits in der Lage sein Pick’n roll zu spielen, wenn ich es auf ein höheres Niveau schaffen möchte. Daher nehmen die Spieler hier viel für das nächste Niveau in der NBBL oder später in den Herren-Bundesligen mit.

Die Gegner in der Vorrunde heißen Belgien, Frankreich und U18- und U20-Europameister Slowenien. Was ist da drin, auch beim Blick auf die Gegner im Achtelfinale (ISR, ESP, GRE, GEO)?

Die Vorrundengruppe ist sicher interessant. Frankreich hat uns zweimal ganz übel aussehen lassen, aber da werden wir noch das ein oder andere auch taktisch tun, um sie vor Aufgaben zu stellen und es ihnen schwerer zu machen als in den Testspielen. Sie sind aber athletisch so viel weiter und als INSEP-Mannschaft auch viel eingespielter, das wird sicher ganz schwer. Slowenien macht eine hervorragende Jugendarbeit, die Spieler sind gut ausgebildet. Die Belgier sind ein sehr guter Aufsteiger, sie  spielen schnell und haben einige gute Athleten dabei. Machbar, aber nicht leicht.

Wie lautet eure Zielsetzung?

Ich habe immer gesagt, dass die Gesamtentwicklung im U15-/U16-Alter an erster Stelle steht. Je besser die Platzierung, umso erfreulicher natürlich. Eine U16-EM ist aber immer eine große Wundertüte, weil es das erst große Turnier der Jungs ist und man nicht genau weiß, wie stark und talentiert die anderen Teams sind. Daher glaube ich nicht, dass es Sinn macht, über konkrete Platzierungen zu sprechen. Wir denken – auch ein schönes Klischee – immer von Spiel zu Spiel und konzentrieren uns vor allem auf den Prozess und auf das eigenen Spiel. Dann schauen wir mit Zuversicht, was am Ende herauskommt. Jede Form von zusätzlichem Druck ist kontraproduktiv. Immer den Kopf hochhalten, Stärke und Selbstbewusstsein demonstrieren, das wünsche ich mir.

Es ist Dein letztes Turnier als Bundestrainer. Gibt es da so etwas wie Wehmut?

Es geht natürlich überhaupt nicht um mich und mein letztes Turnier. Für mich persönlich sind die zwölf großen Turniere als Bundestrainer durchaus mit ansehnlicher Bilanz verlaufen. Ich habe mich immer verstanden als jemand, der dem deutschen Basketball dient und versucht Akzente zu setzen. In meiner Zeit als Herren-Bundestrainer war sicher auch der Kampf um die 6und6-Regel in der BBL ein wichtiger Meilenstein, der viele Entwicklungen ermöglicht hat. Aber gut, alles hat mal ein Ende. Erfüllt bin ich ausschließlich von dem Gefühl der Dankbarkeit, diese Dinge verantwortet haben zu dürfen. Es geht für mich ein großes Kapitel zu Ende, da ist natürlich Wehmut dabei, aber vor allem Dankbarkeit für das Vertrauen und Stolz auf das Erreichte. Mit dem Herzen und Gedanken werde ich natürlich immer tief verbunden mit dem Basketball in Deutschland bleiben.