Mehr als 100 Delegierte aus den 15 Landesverbänden und Bundesligen haben sich heute zur Eröffnung des Bundestages des Deutschen Basketball Bundes (DBB) im Radisson Collection Hotel in Berlin getroffen. Es ist der 61. offizielle Bundestag des DBB, der zum siebten Mal in Berlin durchgeführt wird. Am Vorabend hatte sich der Bundestag auf Einladung des DBB bereits auf eine Spreefahrt begeben.

DBB-Präsident Ingo Weiss eröffnete den Bundestag und begrüßte nach dem einführenden Erfolgsvideo die Anwesenden und besonders die Ehrengäste Senatorin Iris Spranger, im Berliner Senat zuständig für Inneres und Sport, den Chief Operations Officer des Basketball-Weltverbandes FIBA, Patrick Mariller, den Vizepräsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Jens-Peter Nettekoven, den Präsidenten des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel, sowie den Präsidenten des Berliner Basketball Verbandes, Stephan Herwig. Die Ehrengäste wandten sich mit Grußworten an die Delegierten.

Anschließend wurde die Totenehrung durchgeführt. Stellvertretend erinnerte Ingo Weiss an Manfred Pelzer, ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Basketball Bundes, Manfred Engel, Vizepräsident des Hessischen Basketball-Verbandes und ehemaliger Minibeauftragter des DBB, Dieter Kuprella, ehemaliger Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer München 1972, Bernd Kater, ehemaliger Nationalspieler und Gründer von Basketball Aid, Jan-Eric Keysers, ehemaliger DBB-Mitarbeiter im Jugendbereich, Werner Otto, Mitgründer & Vorsitzender Schiedsrichter- und Regelkommission Rollstuhlbasketball, und Dietmar Schott, ehemaliger Basketball-Journalist und -Funktionär.

Alle Fotos: DBB/Camera 4

Das neue DBB-Präsidium für die Legislaturperiode 2026 – 2030. V. li. Joachim Spägele (VP Spielbetrieb Senioren und Sportentwicklung), Mithat Demirel (VP Leistungssport), Carsten Straube (VP Bildung und Schiedsrichter), Ingo Weiss (Präsident), Stefan Raid (Jugend und Schule) und Werner Lechner (VP Finanzen).

„Die Basketballnation überhaupt!“

„Wenn man sich das Video anschaut, dann bekommt man heute immer noch Gänsehaut. Ich danke all denjenigen, die uns in all unseren Nationalmannschaften so viel Freude bereitet haben. Basketball bringt Menschen zusammen aus unterschiedlichster Herkunft über Generationen hinweg. Deutschland ist mittlerweile die Basketballnation überhaupt. Wir begeistern mit dieser Sportart soo viele Kinder und Jugendliche. Daran hat auch Berlin einen sehr großen Anteil, darauf sind wir stolz. Dabei denke ich natürlich in erster Linie an ALBA BERLIN“, so Iris Spranger in Ihrem Grußwort. Sie kam zudem auf den Women’s Basketball World Cup 2026 in Berlin sowie auf die Olympia-Bewerbung Berlins zu sprechen. Berlin sei Die Sportmetropole Deutschlands.

„Herausragender Ruf“

„Die FIBA blickt mit großer Vorfreude auf das große Event in wenigen Monaten in Berlin. Wir sind überzeugt, dass Deutschland dieses wichtige Turnier der Frauen ebenso exzellent organisieren wird wie die Veranstaltungen zuletzt. Da hat Deutschland einen herausragenden Ruf. Der DBB war in den letzten Jahren für viele andere Verbände ein echtes Vorbild. Dabei spielen natürlich die großartigen Erfolge zuletzt eine enorme Rolle. Basketball zeigt in Deutschland auf allen Ebenen eine sehr gute Entwicklung. Besonders hervorheben möchte ich dabei die strategische Entwicklung im weiblichen Basketball. Die 75-jährige Geschichte des DBB ist geprägt von vielen Personen, ich glaube die Zukunft des Verbandes ist vielversprechend. Mit FIBA-Schatzmeister Ingo Weiss war ich immer sehr vertrauensvoll verbunden, dafür danke ich ihm herzlich“, sagte Patrick Mariller.

„Großer Dank an das Ehrenamt“

„Berlin ist eine perfekte Location. Die Wahlen heute sind gelebte Demokratie. Mein großer Dank geht an das Ehrenamt. Die Erfolge des DBB sorgen für einen großen Zuwachs bei den Kinder und Jugendlichen. Das ist natürlich auch mit Problemen verbunden, z.B. was Sportstätten angeht. Mir ist es ganz wichtig, dass unsere Trainer:innen auskömmlich bezahlt werden. Dafür werde ich mich einsetzen, da sollten wir Zeichen setzen. Das Potenzial des Basketballs ist entgegen der ursprünglichen PotAS-Einschätzungen groß und der DBB ist ein großes Vorbild. Ich bin stolz auf die guten Ergebnisse der Bürgerbefragungen beim Thema ‚Olympia in Deutschland‘. Ich glaube wir sind dran mit den Olympischen Spielen. Dafür sein ist alles“, erklärte Jens-Peter Nettekoven.

„Gebt die Spiele unseren Jüngsten“

„Wir alle gemeinsam möchten die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland. Dieses Ereignis könnte etwas freisetzen in Deutschland. Die Freude der Kinder an Spiel und Bewegung zu wecken hat alleine schon der Bewerbungsprozess bewegt. Gebt die Spiele unseren Jüngsten. Das sollte die grundsätzliche Botschaft sein. Wir können hier aus verfassungsrechtlichen Gründen kein Referendum durchführen. Die Abstimmung im Berliner Parlament war aber erfreulich eindeutig. Das gesamte Thema Olympia ist sehr vielschichtig, da geht es um Sportinfrastruktur, Trainer:innen, Kinder und Jugendliche etc.. Verbesserungen hier müssen mit einer Bewerbung einher gehen. Ein tolles Zeichen setzt ALBA BERLIN mit ‚ALBA macht Schule’“, so Thomas Härtel.

„Doppelter Dank“

„Ich fange mal an mit zwei Mal vielen Dank. Danke an Elke Luczak für die Hilfe bei der Vorbereitung des Bundestages. Und danke an unseren Geschäftsstellenleiter Stephan McCollister. Wir sind seit einem Jahr mit der Vorbereitung des Women’s World Cup beschäftigt, das macht Spaß, ist aber auch sehr fordernd. Ich freue mich, Sie heute Abend im Golfclub Wannsee begrüßen zu dürfen“, so Stephan Herwig in seinem Grußwort

Versammlungsleitung

Nach einem Intermezzo zur Vorstellung der Basketball Artists School in Namibia durch Lino Simao aus Namibia wurde Sascha Dieterich vom Plenum einmal mehr als Versammlungsleiter bestimmt. Er begann seine Tätigkeit in diesem Jahr mit folgendem Zitat: „Das ist die klarste Kritik der Welt, wenn neben das, was ihm missfällt, einer was Eigenes, Besseres stellt.“
(Emanuel Geibel, deutscher Lyriker)

Alle Fotos: DBB/Camera 4

Ingo Weiss begrüßt die Delegierten.
Lino Simao aus Namibia

„Langer Weg mit Rückschlägen“

Anschließend ergänzte Ingo Weiss seinen schriftlichen Bericht. „Ich bin im Mai 2006 gewählt worden. Damals hätte ich nie damit gerechnet, dass ich sagen kann, wir sind Olympiasieger, Weltmeister und Europameister, wir richten Welt- und Europameisterschaften aus, wir sind im Nachwuchs und im 3×3 sehr erfolgreich, wir arbeiten an weiteren Olympiaqualifikationen. Es war ein langer Weg mit Rückschlägen. Heute haben wir sonnige Tage, die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden ist gut, wir bringen unser Grundschulprojekt gut voran. Erfreulich ist die finanzielle Situation des Verbandes, wir können immer mehr Partner akquirieren. Wir arbeiten gut mit der BBL zusammen und haben auch mit der DBBL einiges vor. Das Albert Schweitzer Turnier 2026 war eine gute Sache, toll, dass wir ein Mädchenturnier integriert haben.“

Weiss sprach über die deutsche Olympiabewerbung. Wichtig sei, dass Olympia nach Deutschland kommt. „Ich habe international bisher noch nie so wie jetzt gespürt, dass die Ausrichtung der Olympischen Spiele für Deutschland so nahe ist. Deutschland hat eine Möglichkeit, trotz der europäischen Gegner Budapest und Madrid. Ich bin der Überzeugung: ‚Wir schaffen das!’“ Abschließend dankte er seinen Mitstreitern im DBB-Präsidium, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der DBB-Geschäftsstelle sowie den Landesverbänden.

Für die Landesverbände sprach Boris Schmidt aus Hamburg seinen Dank an das Präsidium des DBB für die geleistete Arbeit und für das außerordentliche Engagement aus. Als neuer Compliance-Beauftragter für den verabschiedeten Dieter Schmidt-Volkmar wurde der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bestimmt. Der Jahresabschluss 2025 wurde einstimmig genehmigt, die Präsidiumsmitglieder wurden einstimmig entlastet. Der Wirtschaftsplan für 2026 wurde eingebracht.

Schließlich wurden die Wahlen des Präsidiums durchgeführt. Armin Andres, bisheriger Vizepräsident Leistungssport, und Lothar Bösing, bisheriger Vizepräsident für Bildung und Schiedsrichter, hatten vorab erklärt nicht mehr zu kandidieren. An ihrer Stelle wurden Mithat Demirel (Leistungssport) und Carsten Straube (Bildung und Schiedsrichter) jeweils einstimmig gewählt (kurze Portraits folgen unten). Die weiteren Präsidiumsmitglieder wurden ebenfalls einstimmig für weitere vier Jahre im Amt bestätigt (Ausnahme Stefan Raid, der vom Jugendtag gewählt wurde).

Der DBB-Bundestag wird am morgigen Sonntag mit den Abstimmungen über die Anträge fortgesetzt.

Mithat Demirel

Persönlicher Hintergrund
Mithat Demirel wurde am 10. Mai 1978 in Berlin geboren und wuchs im Stadtteil Steglitz auf. Seine basketballerische Ausbildung absolvierte er bei SSC Südwest Berlin, TuS Neukölln und TuS Lichterfelde.

Sportliche Laufbahn
Demirel begann seine Profikarriere 1995 bei ALBA Berlin. Im Verlauf seiner aktiven Laufbahn spielte er unter anderem für den Mitteldeutschen BC, Beşiktaş Istanbul, Galatasaray Istanbul, Scafati Basket, Brose Baskets Bamberg und Erdemirspor. Mit ALBA Berlin gewann er mehrere deutsche Meisterschaften und Pokalsiege. 2003 wurde er zum Spieler des Jahres der Basketball-Bundesliga gewählt.

Nationalmannschaft
Zwischen 1999 und 2007 absolvierte Mithat Demirel 100 A-Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Zu den größten Erfolgen zählen die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2002 sowie die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2005.

Management und Nachwuchsarbeit
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere wechselte Demirel in den Managementbereich von ALBA Berlin. Von 2010 bis 2015 war er dort als Teammanager und Sportdirektor tätig. In dieser Zeit beschäftigte er sich insbesondere mit Nachwuchsförderung, der Weiterentwicklung sportlicher Strukturen sowie der Verzahnung von Schule und Leistungssport. Zu seinen Aufgaben gehörten außerdem Talentförderung, Scouting und die Weiterentwicklung des Jugend-Leistungsbereichs.

Internationale Erfahrung
2015 wechselte Demirel zur Dogus Holding und betreute für sie u.a. als General Manager von Darüşşafaka Istanbul das ambitioniertes EuroLeague-Projekt. Während seiner Tätigkeit entwickelte sich der Club zu einem regelmäßigen Teilnehmer europäischer Wettbewerbe und nahm u.a. an den EuroLeague-Playoffs teil. In diese Zeit fällt auch der Gewinn des EuroCup 2018. Dort arbeitete Demirel eng mit der herausragenden Basketballl-Persönlichkeit David Blatt zusammen.

Aktuelle Tätigkeit
Nach seiner Zeit in Istanbul kehrte Mithat Demirel nach Berlin zurück. Seitdem ist er unter anderem beratend im Basketballumfeld sowie im Nachwuchs- und Amateurbasketball tätig. Außerdem ist er aktuell als SKY-Experte bei NBA-Übertragungen am Mikrofon.

Carsten Straube

Persönlicher Hintergrund
Carsten Straube wurde am 10. Februar 1984 in Zerbst/Anhalt (Sachsen-Anhalt) geboren. Er legte sein Abitur im Jahr 2003 am historischen Francisceum in Zerbst ab und studierte von 2005 bis 2010 Förderschulpädagogik (Geistig- und Körperbehindetenpädagogik) in Leipzig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Berufliches
Straube war von 2010 bis 2020 Lehrer an einer Förderschule für Geistigbehinderte und ist seit 2020 Landesschulsportkoordinator im Ministerium für Bildung in Sachsen-Anhalt, dort zuständig für alle außerunterrichtlichen Schulsportangebote.

Basketball
Seit 1995 (11 Jahre alt) spielt Carsten Straube Basketball in Zerbst beim TV „Gut Heil“ Zerbst. Dort ist/war er Spieler, Trainer, Vereinsfunktionär und Schiedsrichter und führte bis 2020 diverse Schul-AGs durch.

Straube ist Inhaber der Trainer-C-Lizenz Basketball und Bundesligaschiedsrichter seit 2005 (davon 17 Saisons BBL). Seit zehn Jahren fungiert er zudem als FIBA Schiedsrichter – u.a. in der BCL, bei den EuroBaskets 2022 und 2025, beim World Cup 2019, bei unzähligen Jugend-WMs (Finale U17-WM 2022).

Straube hat über 260 offizielle, internationale FIBA-Spiele und über 570 BBL-Spiele geleitet und in unterschiedlichen Kommissionen im Landesverband und im DBB mitgearbeitet. Im Vorstand des BVSA ist er seit 2014 und seit 06/2022 dessen Vorsitzender. Im Schiedsrichterwesen ist der neue Vizepräsident seit 2025 verantwortlich für den B- und C-Kader und auf allen Ebenen als SR-Ausbilder tätig.