Was machen eigentlich … die U18-Mädchen von 2018?13. August 2020

Über viele Wochen hinweg haben wir unsere Serie über die Spielerinnen der weiblichen U18-Nationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft 2018 in Udine/Italien die Goldmedaille holte, präsentiert. Zum heutigen Abschluss soll eine ganz wichtige Person zu Wort kommen, der Headcoach! Wir haben mit Stefan Mienack gesprochen, der auch weiterhin als DBB-Headcoach für den weiblichen Nachwuchsbereich fungiert.

Was war für Dich das Besondere an den U18-Mädchen 2018?
Das Besondere an den U18-Mädchen 2018 war, das hatte ich damals auch schon betont, dass es ein Team war, wo jederzeit einer für den anderen eingestanden ist. Also wenn jemand einen schlechten Tag hatte, dann hat der Rest der Mannschaft das aufgefangen. Die Mannschaft war immer füreinander da, gerade in der Vorbereitung, wo wir ja viele Dinge durchlebt haben und wir immer wieder geguckt haben, dass wir Leute pausieren lassen, um die Belastung besser zu steuern. Da sind immer alle füreinander eingesprungen und konnten diesen Entwicklungsprozess, der ja so wichtig war für das Team, auch zusammen durchlaufen. Es sind einfach alle zwölf Spielerinnen ganz besondere Athletinnen, die natürlich auch besondere Wettbewerbsfähigkeit haben, die einfach das Spiel lieben, die auch wissen, was es bedeutet, für etwas zu arbeiten. Deswegen war es am Ende auch so toll, dass sich die Mannschaft und dass sich alle Spielerinnen mit diesem Titel, mit der Goldmedaille, belohnt haben.

Welche Bedeutung hat die Goldmedaille für Dich als Coach?
Da muss ich aus verschiedenen Perspektiven rangehen. Erst einmal hat es natürlich für den Verband in meiner Position als Bundestrainer für den DBB eine sehr große Bedeutung, weil wir natürlich alle sehr stolz darauf sind, dass wir das erreichen konnten. Und dass wir auch den DBB und die anderen Nachwuchs-Nationalmannschaften so repräsentieren konnten in den letzten Jahren und dann mit dem Höhepunkt Goldmedaille, dass der internationale Basketball Deutschland auf dem Schirm hat. Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo große Nationen uns da mehr oder weniger als Kanonenfutter betrachtet haben und ich glaube, dass wir uns in den letzten Jahren ganz viel Respekt zurückerkämpft und erarbeitet haben. Deswegen war das natürlich ein toller Moment, wo wir mit so vielen talentierten Spielerinnen beweisen konnten, dass wir nach ganz oben gehören. Daher hat das schon auch eine besondere Bedeutung für mich, für unsere Arbeit und für die Stellung, die wir mit unseren Jugend-Nationalmannschaften in Europa haben. Privat für mich freue ich mich natürlich auch, dass die ganze Arbeit, die man sich im Hintergrund macht mit den Kollegen zusammen, und die ganzen Gedanken, wie man das Ganze angeht usw., dass sich das alles ausgezahlt hat, dass die Idee, die man dazu hatte, am Ende auch erfolgreich war. Da ist es natürlich schön, dass man dafür belohnt wird.

Wie beurteilst Du im Überblick die Entwicklung der Spieler seitdem? Hattest Du das in etwa so erwartet?
Das ist ja immer so eine Sache. Man weiß ja immer, dass nach dem Abitur ein neuer Abschnitt beginnt, ein neuer Lebensabschnitt, wo alle gucken müssen, wie sie in diesem nächsten Step ihr Talent nutzen können, was sie aus ihrem Talent machen können, was Basketball für eine Rolle spielt. Da freue ich mich natürlich, wenn der Basketball da weiter im Vordergrund steht. Ich kann aber auch rückblickend sagen, dass, so wie man die Leute die letzten Jahre alle kennengelernt hat, alle da sehr bodenständig und sehr klar damit sind, wo sie sich da im Basketball sehen. Das konnte man schon ein bisschen erahnen, da haben wir auch oft drüber gesprochen. Ich freue mich aber natürlich darüber, dass auch der Gewinn der EM einigen Leuten damals noch einmal einen extra Push gegeben hat und ein besonderes Selbstbewusstsein, mehr aus dem Basketballthema zu machen. Dass dann letztlich Leonie (Fiebich – Anm. d. Red.) und Luisa (Geiselsöder – Anm. d. Red.) jetzt auch im WNBA Draft gezogen werden, ist natürlich noch einmal eine ganz besondere Sache. Es hat sich ja auch für die ein oder andere Spielerin dadurch eine Tür geöffnet. Wenn ich jetzt schaue, wie viele Leute am College sind. Da freut es mich, dass Basketball vielen etwas zurückgeben konnte. Das ist auch das Wichtigste, dass man versteht, dass diese ganzen Teamprozesse, die im Sommer laufen, und diese ganzen Erlebnisse, die man mitnimmt, wenn man mit der Jugend-Nationalmannschaft unterwegs ist, einfach auch in der Persönlichkeit helfen, sich zu entwickeln oder Erfahrungen sammeln lassen, die auch außerhalb des Sports wichtig sind. Die einem so auch im Alltag oder für das weitere Berufsleben helfen können.

Gibt es auch heute noch eine Teamgruppe oder einen bleibenden Kontakt innerhalb des Teams inkl. der Coaches?
Natürlich existieren noch diverse WhatsApp-Gruppen, es ist aber nicht so, dass da jemand regelmäßig was reinschreibt, die gibt es aber tatsächlich noch. Wir innerhalb des Trainerteams haben natürlich unterschiedlich Kontakt. Jo (Teamarzt Johannes Schlüter – Anm. d. Red.) ist natürlich auf der Landkarte am weitesten entfernt am Bodensee, da hat man dementsprechend nicht so täglich Kontakt, mit Harti (Delegationsleiter Hartmut Großmann – Anm. d. Red.) in regelmäßigen Abständen, mit Anke (Physiotherapeutin Anke Nau – Anm. d. Red.). Den meisten Kontakt habe ich natürlich mit Imre (Assistant Coach Imre Szittya – Anm. d. Red.) und mit Alex (Assistant Coach Aleksandra Heuser – Anm. d. Red.), weil die an meiner Arbeit ganz nah dran sind, Imre durch seine Position als Landestrainer in Bayern und Alex am DBB-Stützpunkt in Grünberg. Das Verhältnis und die Freundschaft, die sich da in den letzten Jahren zwischen allen entwickelt hat, hält natürlich unabhängig davon, wie oft man Kontakt hat. Wir blicken auf eine tolle Zeit, die man gemeinsam in verschiedenen Sommern erlebt hat, zurück. Ich glaube, dass die Spielerinnen untereinander sehr viel in Kontakt sind, immer so phasenweise, kommt darauf an, wer mit wem wann wie wo spricht, da ist schon noch etwas übriggeblieben aus den Sommern, wo man sehr viele gemeinsame Erlebnisse hat und auch über viele andere Dinge außerhalb der Nationalmannschaft spricht, Privatleben, Verein oder Schule und Studium.

Was Du gerne sonst noch sagen möchtest:
Es hat einen sehr positiven Effekt gehabt, dass dieses Team, dass diese Spielerinnen diese Goldmedaille gewinnen konnten, für sich, für den Verband, für alle, und dass es einfach geholfen hat, auch für die Talente, die jetzt nachkommen. Wenn ich mit den 2003ern, 2004ern, 2005ern, 2006ern spreche, dann können die natürlich auch ganz anders auf diese Generation hinaufschauen, die so eine Art Vorbildfunktion für die Jüngeren hat. Das ist schön, weil ich auch immer wieder höre von allen, mit denen man sich so unterhält, dass es hilft, jemanden zu haben, an dem man sich orientieren kann, und dass es hilft, Vorbilder zu haben in der eigenen Sportart. Man sieht dann, was man aus Basketball alles machen kann, wo einen Basketball hinbringen kann, welche Erlebnisse darüber man auch mitnimmt. Das hat allen weiteren Jahrgängen, die danach gekommen sind, enorm geholfen. Das wird auch immer so sein, dass die als Vorbilder gelten für die Generation, die da jetzt nachkommt. Es ist auch nicht so, dass sich die neue Generation daran messen wollen, sondern es ist einfach inspirierend für sie und das ist etwas Gutes, etwas sehr Besonderes. Jeder Jahrgang hat seine eigene Identität, und von dem Charakter und von der Identität dieser beiden Gold-Jahrgänge können die anderen sehr viel lernen. Ich freue mich darauf, so viele Spielerinnen aus dem damaligen Team wie möglich dann auch in der Damen-Nationalmannschaft zu sehen. Leonie und Luisa haben das vorgemacht und ich hoffe, dass da noch viele weitere Spielerinnen folgen werden. Sie haben das Potenzial dazu, die Nationalmannschaft in den nächsten Jahren zu unterstützen, und ich glaube, dass die Mischung aus den etablierten Spielerinnen und Leuten, die von unten nachkommen, sehr gesund sein kann für die nächsten Jahre.

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