Es ist vollbracht. Die 16. WNBL-Saison konkludierte vor knapp zwei Wochen in Berlin. Im Rahmen des RSM Ebner Stolz Jugend-TOP4 kürte sich ALBA Berlin zum zweiten Mal in der WNBL-Historie zum deutschen Meister und bezwang den Titelverteidiger aus Würzburg. Die beiden dritten Plätze gingen an die TS Jahn München und Phoenix-TSV Hagen. Eine Besonderheit gab es beim Award der „Finals-MVP“, den Berlins Carolina Heymann verliehen bekam. Noch nie wurde dieser Award an eine Rookie-Spielerin vergeben. Die weiteren Awards „MVP“ (Darina Zraychenko), „ROTY“ (Karla Paradzik) und „COTY“ (Michael Wiegand) wurden bereits im Vorfeld des TOP4 bekanntgegeben. Nun schauen wir zurück auf die einzelnen Teams und wollen ein kurzes sportliches Fazit ziehen, eine erste Frühprognose auf die kommende Saison geben sowie unsere Awards an das „Team der Saison“, „Rookie-Team der Saison“ und „Defense-Team der Saison“ vergeben.
Halbfinalisten
ALBA Berlin
Eine überragende Rookie-Class um Finals-MVP Carolina Heymann bringt den zweiten Titel der Geschichte. Einer souveränen Hauptrunde mit zehn Siegen folgt ein umkämpftes Viertelfinale mit Freiburg, welches ALBA am Ende auch dank Joker Lilli Schultze, die aufgrund vieler Einsätze in der DBBL nur selten für Coach Canamero zur Verfügung stand, für sich entscheidet. Das Team spielte dann im Finale seinen wohlmöglich besten Basketball und überzeugte mit einer enorm starken Defense. Wichtigste Personalie neben Heymann ist Neuzugang Helene Lehmann, die als Organisatorin und pestige Verteidigerin brillierte und Rosalie Essers Abgang in Teilen kompensieren konnte.
Prognose: ALBA ist im Aufwind. Ein junger Kader, der weite Strecken dieser Saison bereits ohne Lilli Schultze und Ella Panke (beide 2008) auskam und mit vielen interessanten Perspektivspielerinnen ausgestattet ist. Mission Titelverteidigung kann kommen!
TG Main Sharks Würzburg
Die Saison startete und endete mit einer Niederlage. Dazwischen sahen wir das bekannte Würzburg, das unter „Trainer des Jahres“ Michael Wiegand nur schwer zu schlagen war. Tochter Mia Wiegand lief auch in dieser Saison wieder zu absoluter Bestform auf und hat zumindest theoretisch noch ein Jahr WNBL vor sich. Hier lassen wir uns überraschen. Die Main Sharks dominierten ihre Gruppe und blieben in den Playoffs bis ins Finale makellos. Gegen Berlins Defense hätte ihnen wohlmöglich Elina Timoschenkos Physis gut getan, aber trotzdem waren sie drauf und dran den Titel als erst zweite Mannschaft in der WNBL-Geschichte zu verteidigen. Mit Moesha Bakam steht ein großes Talent noch vor einem weiteren Jahr WNBL, was Würzburg ein stabiles Gerüst bietet. Zudem zeigte sich die Talente-Flut aus dem U16- und U14-Unterbau zuletzt sehr ergiebig.
Prognose: Wiegand-Ära zu Ende? Eine Frage, die wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten können. Es könnte zu einem großen und nur geringfügigen Umbruch kommen. Aber mit Würzburg wird im Bezug auf die Playoffs auch ohne Familie Wiegand zu rechnen sein.
TS Jahn München
Es ist ein kleines Mysterium, wie die TS Jahn es mit diesem starken Roster in den letzten Jahren nicht einmal ins Finale geschafft hat. Die Wahrheit ist aber auch, dass die erste Niederlage der Saison und das vielleicht einzig schwächere Spiel im Halbfinale gegen ALBA kam. Trotzdem wollen wir den Hut vor Headcoach Stavros Tsoraklidis und seiner Mannschaft ziehen, die diese Saison durch die gesamte Liga marschierten und keinen Zweifel an der eigenen Qualität ließen. Anna Matic und Emma Steinbicker hätten für ihre Leistungen mehr als nur Bronze verdient, aber so ist der Sport. Großen Anklang fand die Leistung von Rookie Matilda Blanarik, die als Jahrgang 2011 die Liga aufmischte und im Halbfinale 18 Punkte und elf Rebounds erzielte. Ihre Rolle dürfte mit Hinblick auf den schwindenden Backcourt kommende Saison noch größer werden.
Prognose: München schließt ein Kapitel ab. Matic, Steinbicker, Galster und Grüner werden Lücken hinterlassen, obgleich auch Jahn aus den jüngeren Jahrgängen schöpfen kann. Vielleicht sind sie keine 14-0 Mannschaft mehr, aber Playoffs sollten nach wie vor das Minimalziel sein.
Phoenix-TSV Hagen
Zwei Jahre WNBL und zwei Medaillen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, auch wenn man nach eigenen Aussagen mit dem Halbfinalergebnis unzufrieden war. Hagen bewies auch in dieser Saison seine Qualität und stellte mit Darina Zraychenko nicht nur den MVP, sondern auch eine der besten Offensiven der Liga, die sich ausgerechnet im Halbfinale einen Offday erlaubte. In den Playoffs wackelte man nur gegen MTV Stuttgart, blieb ansonsten tadellos. Nun steht das Team aus dem Sauerland aber vor einem größeren Umbruch. Abramowski, Sohit, Schlegel, Erfeld, Springer und Wasielewski sind nur einige Namen, die aufgrund der Altersgrenze ausscheiden. Ein Verbleib von Zraychenko wäre im Umkehrschluss Gold wert.
Prognose: Hagen wird sich neu aufstellen müssen. Das Team, welches die letzten zwei Jahre so erfolgreich gestalten konnte, wird entkernt. Aktuell vermerken wir Phoenix mit einem Fragezeichen, da bei nur fünf verbleibenden Spielerinnen zu viel Unklarheit über den Kader herrscht.







