Robin Benzing vor dem ACB-Finalturnier16. Juni 2020

Auch die spanische Basketballliga ACB (Liga Endedsa) hat sich entschieden, die Saison mit einem sogenannten Finalturnier (Fase Final) zu beenden. Ähnlich der BBL treten in Spanien die besten zwölf Teams in zwei Sechsergruppen gegeneinander an, Spielort ist Valencia. Von der Gruppenphase geht es dann direkt ins Halbfinale, das ebenso wie das anschließende Finale in nur einem Spiel entschieden wird. Mittendrin auch Robin Benzing, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Spieler von Casademont Zaragoza. Sein Team, bei der Unterbrechung der Saison auf einem starken dritten Rang platziert, trifft auf San Pablo Burgos, Gastgeber Valencia Basket, MoraBanc Andorra, Herbalife Gran Canaria und Top-Favorit Real Madrid. Mit uns hat Robin Benzing über das am Mittwoch beginnende Finalturnier der ACB gesprochen:

Wenn Du es mal mit eigenen Worten beschreibst: Wie waren die letzten Wochen aus Deiner Sicht, sportlich und privat?
Die Krise hat ja Spanien sehr, sehr hart getroffen. Wir hatten absolute Ausgangssperre. Sechs oder sieben Wochen lang, wo wir nur im Haus bleiben mussten, nur zum Einkaufen, Apotheke oder Arzt durften wir raus. Das war schon wirklich eine andere Zeit. Ich sage mal, man hatte viele Zeit für die Familie, das war wirklich schön, aber es ist schon auch eine schwierige Zeit für alle Beteiligten, wenn man nicht rausgehen kann. Vor allem für unsere Kleine (Ainhoa, fast 3 – Anm. d. Red.) war es extrem schwer, dass sie einfach nicht raus durfte. Ansonsten haben die Spanier sich wirklich sehr gut dran gehalten, waren sehr diszipliniert, muss man sagen. Dann hat sich nach und nach alles wieder ein bisschen eingependelt, wir konnten trainieren, wir konnten rausgehen. Jetzt sind wir wieder richtig im Training hier in Valencia, und jetzt spielen wir das Turnier hier.

Auch in Spanien gibt es ja ein Finalturnier, das am Mittwoch beginnt. Wie stehen Du und die Spieler dazu?
Eher ist die Stimmung ein bisschen negativer. Viele Spieler wollten die Saison nicht weitermachen. Es war ja auch in den News, dass es hier in Spanien von unserer Spielergewerkschaft eine anonyme Umfrage gab, nach der 60, 70 Prozent der Spieler nicht weitermachen wollten. Aber es ist jetzt so, wie es ist, und jetzt muss man das Turnier spielen. Wichtig ist, dass man gesund bleibt, ich glaube, das ist wirklich das Hauptanliegen vieler Spieler. Ich glaube, nicht so viele Spieler machen sich Sorgen wegen des Corona-Virus, sondern eher um das Verletzungsrisiko, das einfach besteht, wenn man so lange außer Gefecht war und nicht trainieren konnte.

Wie ist es vor Ort in Valencia? Wie sind die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften?
Es ist ein bisschen anders organisiert als in München. Wir haben drei Hotels hier mit jeweils vier Teams, es sind ja zwei Teams mehr als in Deutschland. Ich glaube, alles ist ein bisschen strikter hier. Gerade weil das Land extrem betroffen war von der Corona-Pandemie, Deutschland hatte es da wesentlich besser. Ich bin ein bisschen in Kontakt mit Andi (Obst – Anm. d. Red.), ich habe ihm geschrieben und gefragt, wie es ist, wie alles läuft. Er hat gesagt, dass alle positiv überrascht sind, dass es sehr gut organisiert ist, sie haben viele Möglichkeiten etwas zu machen, dürfen ja zum Beispiel auch Spazierengehen mit drei Leuten. Das ist für uns verboten, wir dürfen gar nicht raus zum Spazieren. In der ersten Woche hier war das echt extrem, da mussten wir auch Abstand halten von den anderen Teams, wirklich sehr, sehr rigoros. Aber jetzt wird es ein bisschen besser glaube ich, jetzt werden wohl auch ein paar Restaurants öffnen für uns. Und ich habe auch gehört, dass eventuell ein Stück Strand für uns geöffnet wird, wo wir dann mal hingehen können.

Ihr wart vor der Unterbrechung, das absolute Überraschungsteam der ACB auf Platz drei, das hätte kaum jemand erwartet vorher. Was habt ihr jetzt für Erwartungen an das Finalturnier? Was ist das Ziel?
Es ist schwierig für uns, das muss man ganz ehrlich sagen. Das kann man ein bisschen vergleichen mit Crailsheim, die auch eine unglaublich gute Saison gespielt haben und eine extreme Überraschung waren. Dann haben sie durch die Krise und durch die abgebrochene Saison Spieler verloren. Bei uns ist es sehr ähnlich. Wir haben unsere zwei wichtigen Amerikaner verloren mit Jason Thompson und DJ Seeley, die sind nicht mehr dabei. Fran Vazquez hat aufgehört und unser anderer Fünfer, der Kubaner Javier Hustiz, ist verletzt. Also haben wir vier Spieler, die wirklich auf hohem Niveau und extrem wichtig für uns sind, nicht mehr dabei. Das ist schon was, und mal sehen, wie wir das kompensieren können. Relativ viele Mannschaften hier sind noch komplett. Also, es wird schon sehr tough. Wir haben sehr viele junge Spieler dabei, die wir aus den unteren Ligen und Mannschaften mitgenommen haben, die sind hungrig. Wir werden frei aufspielen können, das ist das Gute daran. Wir haben in der Saison sehr stark gespielt, jetzt haben wir einfach etwas Pech gehabt durch die Krise, aber so ist es halt. Es ist einfach eine Sache, die größer ist als Basketball. Damit müssen wir leben, damit müssen auch die anderen Teams leben und wir haben jetzt nicht soo viel zu verlieren in dem Turnier, mal schau´n, was geht.

Du hast ja schon eine ganze Reihe an großen Turnieren wie Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften gespielt. Hilft Dir das jetzt, denn das Finalturnier ist ja zumindest vom Spielrhythmus und vom längeren Aufenthalt im Hotel her vergleichbar?
Ich denke, dass ich eigentlich einen Vorteil durch meine Erfahrung habe , deshalb würde ich das normalerweise auch bejahen. Aber durch die gesamte Situation, die vorher war und mit der zweimonatigen Pause, wo man wirklich auch keinen Ball in der Hand hatte, wirklich gar nicht in der Halle trainieren konnte, ist es schon was anderes. Klar, im Sommer ist auch immer etwas Pause, aber du kommst aus einer frischen Saison, hast immer die Möglichkeit zu trainieren, hast Möglichkeiten den Ball anzufassen, das war halt wirklich nicht gegeben. Bei uns war die Situation so, dass wir zwei Monate lang keinen Ball in der Hand hatten, das ist schon enorm, nicht auf den Korb geworfen, wir konnten nicht in die Hallen, weil alles geschlossen war. Das ist schon etwas Anderes und extrem schwierig.

Jetzt hört man in diesen Wochen eher selten etwas von Vertragsgesprächen oder -verlängerungen. Du hast jetzt aber Deinen Vertrag in Saragossa um ein Jahr verlängert. Wie kam es dazu?

Saragossa ist für mich und meine Familie ein absolut super Pflaster. Wir fühlen uns sehr wohl, wir kennen die Stadt schon seit Längerem. Das Projekt, das hier läuft, der Verein wird immer besser und steigt stetig. Die Saison hat gezeigt, wie gut wir sind, schade, dass es uns so ein bisschen geklaut worden ist. Durch die Zeit der Corona-Krise, in der wir uns befinden, gibt es in der gesamte Sportwelt eine neue, schwierige Situation . Die Budgets werden gekürzt, es wird weniger Geld vorhanden sein und es ist nicht sicher, dass man einen Arbeitsplatz hat. Deswegen war es für mich auch ein No-Brainer, dass ich mich da schnell entscheide und frühzeitig mit dem Klub verlängere, weil wir hier eine sehr gute Perspektive haben, privat und sportlich. Wir versuchen das Team soweit es geht zusammenzuhalten, den gleichen Trainer zu behalten und dann wollen wir einfach daran anknüpfen, was wir jetzt gemacht haben und hoffen, dass es klappt.

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