„Mussten auch mal bei den Älteren mitmachen“10. März 2020

Er ist deutscher Nationalspieler, mit 28 Jahren Kapitän des FC Bayern München, zweifacher deutscher Meister (1x Finals MVP), deutscher Pokalsieger und hat mit den FRAPORT SKYLINERS den FIBA Europe Cup gewonnen. Danilo Barthel hat in seiner Karriere bereits einiges erreicht, dennoch hat er auch jetzt noch neue Ziele. Wie er mit Social Media umgeht und welche Träume er noch hat, hat er uns im Interview verraten.

Es gab auch für dich den Traum vom Ausland – vor allem natürlich der NBA: Welchen Stellenwert hat das noch für dich?
Klar, es ist ein Traum, aber damit beschäftige ich mich aktuell nicht. Es ist nichts konkretes, auch die NBA ist nicht mein Ziel, komme was wolle. Ich bin immer ein Freund von einer passenden Situation und versuche mich so wenig wie möglich mit Dingen abseits des Feldes zu beschäftigen.

Den einen oder anderen Titel hast du bereits gewonnen, was treibt dich trotzdem jeden Tag weiter an?
Ich will am Ende auf meine Karriere zurückblicken und sagen können, ich habe alles aus mir herausgeholt, was möglich war. Gleichzeitig bin ich ein Teamspieler und trage eine Verantwortung meinen Mitspielern und dem Verein gegenüber, auf meinem bestmöglichen Niveau zu spielen. Dem gerecht zu werden ist für mich jeden Tag Ansporn, alles zu geben.

Wie sieht ein „normales“ Workout bei dir aus und hat sich das im Laufe deiner Karriere verändert?
Das kann man schwer verallgemeinern. Es kommt auf die Situation an: Ist es während der Saison? Eine Phase, in der viele Spiele sind oder wenige? Ich versuche schon Extraschichten einzulegen, wenn es der Körper zulässt. Durch das Pensum mit dem neuen Format in der EuroLeague ist das allerdings schon weniger geworden. In Frankfurt mit einem oder zwei Spielen in der Woche war das noch häufiger möglich. Ein paar Minuten vor dem Training zu kommen und hinterher etwas länger zu bleiben, versuche ich aber nach wie vor. Man muss bei dieser hohen Belastung mit den vielen Spielen aber in erster Linie auf seinen Körper hören.

Machst du einen Sport als Ausgleich zum Basketball? Turnst du z.B. noch?
Während der Saison ist dafür keine Zeit. In der Off-Season mache ich gerne auch andere Sachen, Turnen allerdings auf keinen Fall mehr. Yoga mache ich hin und wieder, gehe schwimmen oder in den Bergen wandern, fahre Fahrrad. Das ist so der Ausgleich für mich im Sommer. Die letzten Jahre war aber auch nicht viel Zeit für Alternativprogramm, da habe ich immer recht früh wieder mit Basketball angefangen.

Gibt es jemanden, bei dem du abguckst? Vielleicht auch außerhalb des Basketballs?
Ich analysiere viel von meinem eigenen Spiel im Nachhinein und höre auf meine Trainer. Aber, dass ich konkret bei anderen Leuten hinschaue und gucke, was die so machen, kommt im Basketball eigentlich nicht vor. Der Footballspieler Larry Fitzgerald ist jemand, den ich da aber nennen könnte. Weil er auf und neben dem Feld ein wahrer Sportsmann ist und eine lange und erfolgreiche Karriere hingelegt hat und noch hinlegt. Da kann man sich schon das eine oder andere abschauen, wie er mit der ganzen Atmosphäre und Umgebung im Profisport umgeht.

Wenn du zurückdenkst an deine Anfänge, gab es da Dinge, die du als hinderlich empfunden hast?
Ich habe relativ schnell mit Vereinsbasketball angefangen und hatte dadurch geregelte Trainingszeiten. Natürlich gab es damals noch nicht die heutigen Strukturen in Deutschland. Wir mussten auch mal bei den Älteren mitmachen. Ich glaube aber, dass sich da in den letzten Jahren einiges getan hat, auch in der Ausbildung der Trainer. In Heidelberg als Traditionsstandort ging das auch damals schon ganz gut, heute ist das auch flächendeckender der Fall. Die Vereine sind damals auch mit Schul-AGs aktiv geworden, um Kinder zum Basketball zu bringen. Und Freiplätze hatten wir auch zur Verfügung, auf denen wir dann mit Freunden und Geschwistern spielen konnten.

Kommen wir zu deinem Verein, dem FC Bayern: Sportlich läuft es aktuell nicht immer rund bei euch, die Fans werden teilweise auch unruhiger. Verfolgst du so etwas auf Social Media, oder ist das für dich Ablenkung vom Wesentlichen?
Danach schaue ich gar nicht. Das ist tatsächlich Ablenkung. Klar möchte man die Fans und Zuschauer glücklich machen mit der Saison. Aber dafür ist für mich vor allem wichtig, was die Verantwortlichen und die Mannschaft sagen und wie da die Stimmung aussieht.

In der BBL seid ihr wieder ganz oben, in der EuroLeague ist es quasi das komplette Gegenteil. Fehlt dem deutschen Basketball aus deiner Sicht aktuell etwas, um international ganz oben mitzuspielen?
Ich denke schon, dass die deutschen Mannschaften auch das Potenzial haben, in der EuroLeague oben mitzuspielen. Klar gibt es auch diverse Gründe, warum es dieses Jahr nicht so läuft. Für ALBA Berlin ist es das erste Jahr, wir haben in einigen Spielen Probleme gehabt, uns durchzusetzen. Ich denke aber, man ist in Deutschland solide aufgestellt, um da in den nächsten Jahren eine größere Rolle zu spielen.

Mit der DBB-Auswahl steht dieses Jahr noch die Olympia-Quali an. Welchen Stellenwert hätte eine Olympia-Teilnahme für dich persönlich?
Ein Riesen-Event. Seitdem ich bei der Nationalmannschaft bin, war es eigentlich mehr oder weniger das Ziel, Tokio zu erreichen. Da steckt bereits jahrelange Arbeit hinter. Wenn das noch klappt, wäre das natürlich ein großer Traum, der da in Erfüllung geht.

Wie sehr hängt dir die WM noch nach? Habt ihr das Gefühl, vielleicht auch ein wenig Revanche dafür nehmen zu wollen?
Es ist schwierig in der aktuellen Situation solche Gefühl zu hegen, weil man sich momentan auf den Verein konzentriert. Aber natürlich sind wir alle mit einem schlechten Gefühl aus China abgereist. Der Kern dieser Mannschaft ist auch schon lange zusammen und weiß, dass wir mehr Potenzial haben. Wir müssen es aber umsetzen und werden im Sommer angreifen, um ein besseres Bild auf dem Feld abzugeben.

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