Interview mit Johannes Voigtmann3. April 2020

Johannes Voigtmann ist zurück in Deutschland. Bei ZSKA Moskau hat er bis zur Aussetzung des Spielbetriebs eine extrem erfolgreiche Saison gespielt. Zehn Punkte, sieben Rebounds und fast zwei Assists legte er in der Euroleague durchschnittlich auf. Mit ZSKA schielte Voigtmann bereits auf die Playoffs und hatte großen Anteil an der vom russischen Klub zurecht angestrebten Titelverteidigung. Der DBB-Center hat sich für uns Zeit genommen, um darüber zu sprechen, wie er die Krise erlebt, die Zeit mit der Familie verbringt und sich fit hält.

Wie geht es Dir und Deiner Familie aktuell?
Meiner Familie und mir geht es gut. Wir sind alle wohlauf und gesund. Wir sind jetzt bei mir zu Hause in der Nähe von Eisenach und warten jetzt, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wir sind vor knapp einer Woche angekommen und haben Russland ein bisschen fluchtartig verlassen müssen, weil wir letzten Donnerstag Bescheid bekommen haben, dass wir doch nach Deutschland dürfen.

Wie ist die Situation bezüglich des Corona-Virus in Russland gewesen? Wie lange habt ihr noch trainiert?
Zwischen Heimreise und abgesagtem Wettbewerb haben wir ganz normal trainiert. Da gab es auch in Russland so gut wie keinerlei Einschränkungen, bis auf größere Veranstaltungen, die abgesagt wurden. Man hat deutlich gemerkt, dass Russland im Vergleich zu Deutschland hinterher war mit den Einschränkungen. Man hat so gut wie gar nichts auf den Straßen gemerkt. Das war ein ganz normales Leben, die Leute sind ganz normal ins Restaurant gegangen. Von einem auf den anderen Tag wurde das Aussetzen der Euroleague auf unbestimmte Zeit verlängert und dann hat der Verein gesagt: „OK, es macht jetzt für uns keinen Sinn mehr zu trainieren.“ Dann durften wir nach Hause. Das war der letzte Tag, an dem man ausreisen konnte. Russland hat dann überfallartig die Einschränkungen auch eingeführt, keine Ausländer mehr ins Land gelassen und alle Flüge gestrichen. Wir haben dann Glück gehabt, am nächsten Tag noch mit einem Flugzeug rausgekommen zu sein. Das war aber pures Glück, sonst würden wir jetzt auch dort festsitzen. Jetzt sind die Einschränkungen noch eine Spur härter als hier. Du darfst mit deinem Hund nur noch ganz kurz vor die Tür gehen und dich nicht mehr als 100 Meter von deinem Haus entfernen. Es ist dann relativ schnell relativ strikt geworden. Ich kann das jetzt aber auch nur aus der Ferne beurteilen.

Wie ist Dein Tagesablauf jetzt?
Es wird viel Zeit mit meinem Sohn verbracht, meinem Bruder, meinem Vater, die jetzt hier sind. Ihn haben wir auch lange nicht gesehen. Wir genießen alle die Zeit, die wir haben. Es ist schönes Wetter, wir haben einen großen Garten, wissen uns also die Zeit zu vertreiben. Wir kochen viel und trinken gemütlich in der Sonne Kaffee.
Ich glaube, dass die Situation überall auf der Welt sehr angespannt ist, aber wenn man in seinem kleinen Kreis ein bisschen genießen kann, kann man auch mal runterkommen. Gerade für uns als Basketballer ist das natürlich eine komplett neue Situation. Normalerweise ist der Terminkalender voll und wenn du mal abspannen kannst, weißt du: „OK, in zwei Wochen fängt die Nationalmannschaft wieder an.“ Du hast immer was im Hinterkopf und jetzt hast du halt keine Termine und das ist auch mal schön. Aber natürlich gibt es auch erhebliche Nachteile und ich hoffe, dass sich das alles so schnell wie möglich klärt. Ich glaube aber, dass wir da noch ein bisschen Geduld brauchen werden.

Kannst Du irgendwie trainieren?
Mein Bruder und ich trainieren morgens und mittags relativ intensiv. Wir müssen ja darauf vorbereitet sein, dass es eventuell weitergeht. Deshalb können wir uns jetzt nicht gehen lassen, aber es ist natürlich schwierig, sich da jetzt ohne bestimmtes Ziel vor Augen zu fokussieren. Das ist schon anstrengend, sich da bei Laune zu halten. Wenn man zu zweit trainiert, ist das aber schon besser. Wir haben hier ein paar Gewichte, ein paar Gerätschaften. Wir kriegen unser Home Workout also hin, gehen ein bisschen laufen, aber den Ball hab ich noch nicht wieder angefasst.

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