Interview mit Daniel Theis2. August 2019

Für die Nationalmannschaft rücken die WM-Vorbereitung und das Turnier selbst immer näher. Daniel Theis hat sich Zeit genommen, um über seine Free Agency und den neuen Vertrag bei den Boston Celtics sowie seine Teamkollegen und Coaches vor Ort zu sprechen. Außerdem geht es natürlich um die Nationalmannschaft und seine Ziele bei der WM.

Erstmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Vertrag. Hattest Du während der Free Agency auch den Gedanken, dass Du woanders landen könntest?
Klar denkt man nach, was alles passieren könnte, aber dadurch, dass bei uns so viele gegangen sind, war schnell klar, dass ich in Boston bleibe.

Wie hast Du die Zeit nach dem Playoffaus genutzt? Erstmal Urlaub und abschalten oder wie hast Du dir den Ausgleich nach der Saison gesucht?
Ich habe eineinhalb Wochen erstmal gar nichts gemacht. Dann hab ich relativ schnell wieder mit Krafttraining und Athletik angefangen. Ich wollte einfach schnell wieder fit sein und aufarbeiten, da ich durch die Knieverletzung noch nicht ganz bei 100 Prozent war. Ende Juni sind wir dann für zehn Tage in den Urlaub gegangen.

Du hast jetzt dein zweites Jahr in den Staaten hinter dir. Hast Du langsam das Gefühl, dass Du komplett angekommen bist?
Ich denke schon, dass ich komplett angekommen bin. Ich meine, klar, das Spiel ist anders als in Europa. Einfach schneller und ein bisschen mehr 1-gegen-1. Ich denke schon, dass ich jetzt zu 100 Prozent angekommen bin, vor allem im System in Boston. Ich glaube, es ist sehr vorteilhaft, dass ich da noch zwei weitere Jahre bleibe und mich in dem System von Brad Stevens noch weiterentwickeln kann.

Brad Stevens genießt trotz seines für einen Coach niedrigen Alters ein sehr hohes Ansehen in der Liga. Wie unterscheidet er sich von deinen vorherigen Coaches?
Er macht sich über alle möglichen Sachen Gedanken, ist auch motiviert von anderen Coaches immer wieder Sachen zu lernen, die er in sein System reinpacken kann. Er probiert sich auf jede Art weiterzuentwickeln und sagt nicht einfach: „Das ist mein Stil und ich nehme von niemandem etwas auf.“ Er holt sich auch immer wieder neue Ideen aus jeder Art von Basketball. Zum Beispiel aus dem College. Oder auch aus der Euroleague. Letztes Jahr hat er zum Beispiel Teile vom System von Fenerbahce bei uns reingepackt. Ich glaube, das ist seine große Stärke. Dass er nie ruht und sich auf seinem System ausruht, sondern immer probiert sich weiterzuentwickeln.

Versatility ist für ihn auf dem Feld wichtig, das hat er öffentlich auch immer wieder betont. Wie wirkt sich das auf deine Workouts aus? Wie schwer ist es, die Balance zu halten zwischen „Ich muss draufpacken, damit ich gegen Big Men dagegenhalten kann“ und „ich muss beweglich bleiben, um schnellere Spieler am Perimeter vor mir halten zu können“?
Naja, ich denke, dass sich die NBA weiter in die Richtung entwickelt, dass es immer mehr Pick-and-Roll Switches geben wird, dass Große einfach auch Kleine verteidigen müssen. Es gibt nicht mehr so viele Fünfer, die unter’m Korb stehen. Klar gibt es noch ein paar Ausnahmen. Eine gute Balance zu finden ist schon nötig, aber gleichzeitig auch sehr schwierig. Wir haben jetzt zum Beispiel Enes Kanter, der für die Brocken eher zuständig ist als zum Beispiel ich. Dafür bin ich dann mehr gefragt, wenn wir viel switchen werden und defensiv einfach variabler und beweglicher sein müssen.

Kemba Walker ist dein neuer Teammate. Er gilt als super Typ und ist einer der besten Point Guards der Liga. Freust Du dich schon auf die ganzen freien Dreier und Alley-Oops, die er dir zuspielen wird?
Gefreut habe ich mich auf jeden Fall. Sein Ruf ist es, ein guter Teammate zu sein und auch vor allem ehrgeizig zu sein. Er ist nicht der Größte und musste immer ein bisschen härter arbeiten als andere. Für ihn wird es auch noch ein größerer Ansporn sein, allen zu beweisen, dass er nach acht Jahren in Charlotte auch woanders spielen kann. Ich glaube, das wird gut für alle im Team sein, denn er will sich immer verbessern und macht die Leute um ihn herum besser. Neben ihm sind mehr Freiräume für alle anderen da, denn er kann den Fokus der Defense auf sich ziehen, gerade weil er auch so ein begnadeter Scorer ist. Dadurch werden auch seine Assistwerte hochgehen. Brad Stevens‘ System ist ja viel Ballbewegung und offene Würfe finden und nicht immer nur 1-gegen-1 gehen.

Bei der WM hast Du mit Dennis einen ähnlichen Spielertyp neben dir. Ihr kennt euch ja sowieso in- und auswendig. Ihr habt auch beide schon gesagt, dass ihr als Team in China für Furore sorgen wollt. Hast Du ein Minimalziel für die WM?
Erstmal freue ich mich wieder, einfach mit den Jungs Nationalmannschaft zu spielen. Es wird wichtig sein, dass wir die wenigen Spiele, die wir davor haben, nutzen und schnell zusammenfinden. Wir haben nicht den leichtesten Weg bekommen, aber wenn wir die erste Gruppenphase überstehen, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken. Wir wollen so weit wie möglich kommen.

Im ersten Spiel geht es zum Auftakt gegen Frankreich, den vermeintlich stärksten Gegner der Gruppenphase. Ich erinnere mich noch an deinen Dunk über Boris Diaw. Wer wird in diesem Spiel aufs Poster gepackt? Vielleicht Vincent Poirier, dein neuer Teamkollege in Boston, damit er Bescheid weiß, was ihn im Training so auf ihn zukommt?
(lacht) Die Franzosen werden das auf jeden Fall als Revanche sehen. Dass sie das EM-Spiel verloren haben, sitzt wahrscheinlich immer noch tief. Aber natürlich ist Frankreich jetzt ein anderes Team. Allein, wenn Rudy Gobert dabei ist, ist das nochmal eine andere Geschichte.
Ich glaube aber, es ist gut, dass wir mit Frankreich ins Turnier starten, mit einem schweren Brocken. Da siehst du halt wirklich, auf welchem Stand du bist. Das wird ein guter Test für uns.
Gegen meinen neuen Teammate Vincent zu spielen ist natürlich nochmal extra Motivation. Vielleicht kann ich ihm zeigen, dass er sich erstmal hinten anstellen kann (lacht). Er kommt ja in meine Stadt, in mein Team (lacht.)

Ihr habt bei der Nationalmannschaft in diesem Jahr ein sehr talentiertes Team zusammen. Gerade auf den großen Positionen ist unheimlich viel Qualität da. Hilft euch das in der Vorbereitung, dass wirklich jeder Vollgas gibt und um die Minuten kämpfen will?
Das auf jeden Fall. Die Trainingseinheiten werden schon sehr intensiv. Wir werden viel 5-gegen-5 oder auch andere Sachen machen können, dass der Konkurrenzkampf auch wirklich da ist. Vor allem auf Groß sind wir wirklich tief besetzt. Jeder Große kann werfen. Das ist natürlich gut dafür, dass wir es Gegnern schwer machen uns zu verteidigen. Alle die dabei sind haben hart dafür gearbeitet. Wenn es dann nächste Woche losgeht, freue ich mich, dass es zur Sache gehen wird. Das wird Spaß machen!

Du bist ja bekanntlich großer Deutschrap-Fan. Welches Album oder welcher Song läuft bei dir hoch und runter zurzeit?
Es ist immer noch Bushido.

Nimmst Du dir bewusst Zeit, um Musik zuhören, oder ist das eher so ein Workout-Ding oder, wenn du von A nach B kommen musst?
Eher Workout und von A nach B. Mit einer kleinen Tochter ist es schwierig, sich einfach auf die Couch zu setzen und Musik anzumachen (lacht). Aber beim Workout, beim Training in der Halle oder im Auto, dann läuft das die ganze Zeit. Da ist es mir schon wichtig, dass ich meine Musik haben kann.

Mit deinem Teamkollegen Guerschon Yabusele hast Du in der vergangenen Saison immer mal wieder gekickt. Er ist jetzt nicht mehr im Kader. Mit wem kickst Du jetzt?
Ich weiß es nicht. Muss ich mal schauen. Ich weiß, dass Semi (Ojeleye) gut Fußballspielen kann. Die Amerikaner haben es ja nicht so ganz mit dem Fußball. Deswegen muss ich irgendwie jemanden finden, der mit mir bisschen kickt. Wir haben aber immer zwei, drei Fußbälle rumfliegen. Beim ersten Training, wenn alle da sind, fange ich einfach Mal an, mit dem Fußball nach dem Team zu schießen und seh‘ dann, was los ist (lacht).

Vielleicht musst Du einfach umdisponieren und mehr FIFA zocken. Hast Du da einen Teamkollegen oder ehemaligen Teamkollegen, mit dem Du regelmäßig spielst und den Du vielleicht auch Mal abgefahren hast, obwohl er das selbst nicht wahrhaben will?
Während der Saison haben wir schon, zum Beispiel auch bei Auswärtsspielen, immer mal wieder FIFA gespielt. Die meisten sind dann aber auf Fortnite gegangen und da bin ich halt nicht angekommen (lacht).

Ich habe es Johannes (Voigtmann) auch schon gefragt: Popcorn süß oder salzig?
Gute Frage. Vor zwei Jahren hätte ich wahrscheinlich gesagt: „Zu Tausend Prozent süß!“ Aber durch die USA habe ich mich ein bisschen an das salzige gewöhnt. Deswegen ist es tagesabhängig. Ich esse beides gerne.

Johannes meinte, das seien für ihn keine Menschen, die salziges Popcorn essen.
So war es vorher bei mir auch! Hier gibt es halt fast nur salziges Popcorn. Das wird dann irgendwann zur Gewohnheit. Aber da muss ich mich mal mit ihm unterhalten! (lacht)

 

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