Supercup 2014 Team Deutschland

Der Weg nach Rio hat begonnen!

DBB-Herren im Sommer 2014

Der Sommer 2014 ist für die deutsche Herren-Nationalmannschaft nicht etwa der Sommer nach der verunglückten EuroBasket 2013 in Slowenien, sondern der Sommer vor der EuroBasket 2015. Und der Sommer zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Der Fokus ist natürlich auf eine erfolgreiche Qualifikation 2014 ausgerichtet, aber im Blick bleibt immer auch der Traum von einer Olympia-Teilnahme 2016.

Dies hat der neue Bundestrainer Emir Mutapcic (re.) in seinen Interviews und Pressekonferenzen klargestellt: „In diesem Sommer wird die Mannschaft für die kommenden Jahre  gebaut!“ Und daher nur knurrend die Probleme mit der Abstellung einiger Spiele zum Vorbereitungsbeginn hingenommen: „Es gibt für mich eine Grenze für Kompromisse, denn Identifikation mit der Nationalmannschaft ist das Allerwichtigste. Ich kämpfe jeden Tag um die Spieler und möchte, dass sie mit deutschem Basketball infiziert sind.”

So musste der Bundestrainer zu Beginn der Vorrunde im Bundesleistungszentrum Kienbaum auf eine Vielzahl an Spielern verzichten, die eigentlich fest in seinen Planungen  vorgesehen waren. Die Gründe dafür waren vielschichtig: „Wir haben einige verletzte Spieler und damit insgesamt keine optimale Vorbereitung. Aber ich bin wie immer optimistisch, dass wir die Qualifikation schaffen. Das Thema ´Summer League´ werden wir in den kommenden Jahren aggressiver angehen, um im Interesse des DBB, der Liga und der Vereine eine feste Regelung zu finden“, spricht der Headcoach auch ein Thema an, das ihn besonders umtreibt.

Zu Beginn der Vorbereitung machte Mutapcic klar, wie seine Vorstellungen vom Basketball aussehen: „Wir müssen zu einer Identität kommen, die die Mannschaft auszeichnet. Dazu gehören zunächst einmal fünf Basics: 1. Defense spielen: Jedem Spieler muss ganz klar sein, dass Defense das Wichtigste ist, 2. Rebounding: Wir wollen die Reboundbilanz in jedem Spiel gewinnen, 3. Extra Pass: Wir müssen als Team und nicht als Einzelspieler auftreten, 4. Gute Wurfposition: Wir wollen immer mit Balance werfen und den Ball zu den besten Positionen bringen und 5. Weniger Fehler: Immer weniger Ballverluste haben als unsere Gegner.“

Genau an diesen Punkten wurde vor den ersten Testspielen im italienischen Trento gearbeitet. Dort waren dann zumindest Robin Benzing und Lucca Staiger schon mit dabei. Letzterer ist ein gutes Beispiel für einen Spieler, den Mutapcic unbedingt weiter entwickeln möchte: „Als zweiten Hauptpunkt wünsche ich mir sogenannte ´two ways´- Spieler, die nicht eindimensional sind. Das heißt, ich brauche Spieler, die sowohl in der Defense als auch in der Offense die gleiche Intensität bringen. Oder die bereit sind, zwei Positionen zu spielen. Das ist das, was ich unter modernem Basketball verstehe. Ich möchte die Spieler vielseitiger machen, zum Beispiel soll ein Werfer wie Lucca Staiger auch ´pick ´n roll´ spielen und so weiter. Jeder Spieler soll sich individuell verbessern und in eine andere Richtung entwickeln. Das ist die „two ways“-Philosophie.“

Turnier in Trento mit stetiger Steigerung
Mutapcic, der die einzelnen Spieler, die in der Woche vor dem ersten Heimtest gegen Finnland in Leipzig erstmals vollzählig versammelt sein sollen, bestens kennt, feierte seine Premiere als verantwortlicher Bundestrainer der DBB-Herren beim Turnier in Trento gegen Italien. Ein vorsichtig ausgedrückt „durchwachsener“ Start, denn sein Team mit insgesamt sechs Debütanten kam beim 59:91 (Maik Zirbes 20, Maximilian Kleber 14, li.) doch ordentlich unter die Räder. Nach ordentlichem Start ging es ab Mitte des ersten  Viertels bis zur Pause gewaltig abwärts (30:54).

Das dritte Viertel wurde dann sogar gewonnen, ehe es im Schlussabschnitt wieder richtig deutlich wurde. “Wir haben gegen eine sehr gute, erfahrene Mannschaft gespielt, die im Moment noch zu stark für uns ist. Insgesamt haben uns die 14 italienischen Offensivrebounds und die dadurch entstandenen 25 Punkte und die 19 Ballverluste sehr wehgetan. Für das erste Spiel bin ich aber auch mit einigen Sachen zufrieden“, meinte Mutapcic und hoffte auf Besserung.

Und die kam auch, denn schon am  nächsten Tag gab es den ersten Erfolg des  Sommers. Belgien wurde nach großem Kampf mit 74:71 bezwungen (Robin Benzing 18, Kleber 12, Karsten Tadda 11), ehe es dann gegen die Niederlande (73:42, Lucca Staiger 15, Kleber 15, Bogdan Radosavljevic 11) noch besser werden sollte: „Das war das dritte Spiel hintereinander ohne Pause. Aber unsere Energie, Aggressivität und Motivation waren sehr hoch, das ist ein gutes Zeichen. Ich bin sehr, sehr zufrieden mit unserer Defense. Wir haben eine komplette niederländische Nationalmannschaft von der ersten bis zur letzten Sekunde dominiert. Ein Problem haben wir noch mit Ballverlusten, das ist zusammen mit den Fastbreaks die zweite Dimension, an der wir arbeiten müssen. Gegen Italien haben wir zehn Minuten gut gespielt, gegen Belgien 25, heute 35 Minuten. Eine Entwicklung ist zu erkennen, das ist gut”, lautete die Bilanz des Bundestrainers nach dem Turnier.

Vor allem Kleber und Maodo Lo hatten von den Neulingen einen guten Eindruck hinterlassen. Wie aber die Kaderzusammensetzung vor den anschließenden Spielen gegen Finnland und beim Supercup aussehen würde, wusste auch Sportdirektor Peter Radegast nicht zu sagen: „Da muss man abwarten. Einige der Debütanten haben aber  vielversprechende Leistungen gezeigt. Es ist kein Automatismus, dass die Spieler, die später zum Team stoßen, gleich einen Platz sicher haben, auch sie müssen sich beweisen.“

Zwei Spiele in Portugal
Es folgte eine Trainingsreise in die portugiesische Hauptstadt Lissabon, hier der Kurzbericht: Die deutsche Herren-Nationalmannschaft hat sich für die eigenen Fans warm geworfen. Bevor sich das Team von DBB-Bundestrainer Emir Mutapcic in Leipzig erstmalig den heimischen Basketball-Fans präsentiert, absolvierten die ING-DiBa-Korbjäger noch einen erfolgreichen Kurztrip nach Portugal. Gleich zwei Mal trafen die DBB-Herren, zu denen inzwischen auch Kapitän Heiko Schaffartzik gestoßen war, in Lissabon auf das portugiesische Nationalteam und behielten in beiden Partien recht souverän die Oberhand.

War es im ersten Spiel vorrangig der Münchener Lucca Staiger, der das Team mit seiner guten Trefferquote (22 Punkte) trug, überzeugte in der zweiten Begegnung Maik Zirbes (14 Punkte) als bester Werfer. Trefflich unterstützt wurden die beiden von Maximilian Kleber, der mit 19 Punkten im ersten Spiel und elf Zählern im zweiten Duell nach Lucca Staiger zum zweitbesten Scorer der Portugal-Reise avancierte.

Da zudem Bogdan Radosavljevic (13 Punkte) und Andreas Seiferth (12) Zielwasser getrunken hatten, fiel der zweite Sieg mit 86:56 (17:16, 15:18, 32:13, 22:10) noch deutlicher aus. Entsprechend zufrieden zeigte sich der Bundestrainer: “Die Reise nach Portugal hat sich gelohnt: viel hartes Training und dann noch zwei intensive und am Ende erfolgreiche Spiele. Das beweist den guten Charakter der Mannschaft.”

„Zuhause“ gegen Finnland
Am 27. Juli war es dann in der Arena Leipzig so weit: Erstmals in diesem Jahr präsentierten sich die ING-DiBa-Korbjäger dem eigenem Publikum. Gegner war kein Geringerer als WM-Teilnehmer Finnland, der mit dem ehemaligen Bundestrainer Henrik Dettmann und einer bärenstarken Mannschaft nach Ostdeutschland gereist war. Wie erwartet war es eine enge Partie, die den 2.000 Zschauern geboten wurde. Beim 74:67 (22:19, 15:20,17:10, 20:18)-Erfolg  debütierten mit Dennis Schröder, Daniel Theis und Danilo Barthel weitere drei Spieler im Team von Bundestrainer Emir Mutapcic. Elias Harris der erfolgreichste deutsche Werfer (13 Punkte), dicht “gefolgt” von Robin Benzing (12) und Daniel Theis (11). Schröder steuerte in einem ordentlichen Debüt sieben Punkte und sieben Assists bei.

“Das war unser erstes Spiel als komplettes Team. Erstens war es sehr wichtig heute zu gewinnen. Und zweitens war es sehr gut, dass wir uns in der zweiten Halbzeit steigern konnten, besonders in der Defense. Für die Umstände der vergangenen Tage bin ich mit der heutigen Leistung zufrieden. Wir haben aber noch viel Potenzial nach oben. Unzufrieden bin ich mit der ersten Halbzeit, als wir viel zu viele Dreier geworfen haben. Außerdem hatten wir Probleme beim “pick and roll”. Dennis ist erst Mittwoch zum Team gestoßen, hat aber bereits gezeigt, wie wertvoll er für uns sein kann”, meinte der Bundestrainer nach dem Spiel.

“In der zweiten Halbzeit lief es gut. Ich bin gezogen und habe die offenen Positionen gesucht und gefunden. Mein Ziel ist ganz klar Olympia 2016. Bis dahin geht es Tag für Tag und Schritt für Schritt. Ich werde der Nationalmannschaft immer zur Verfügung stehen und freue mich, dass das Debüt mit einem Sieg zuende gegangen ist”, so Dennis Schröder.

Einen Tag später lieferte man sich ein sogenanntes “Scrimmage” unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es wurden fünf Abschnitte zu je zehn Minuten gespielt, jedes Fünftel wurde einzeln gescort. Hätte man ein Gesamtergebnis ermittelt, wäre Deutschland als 112:102-Sieger von Feld gegangen. Schröder glänzte mit 23 Punkten und einer guten Regie.

Ewig jung: Der Supercup
Der Supercup kehrt in diesem Jahr in die brose Arena zurück und ist, wie so oft, die letzte Gelegenheit für den Bundestrainer, sein Team unter Wettkampfbedingungen zu testen, ehe die EM-Qualifikationsspiele beginnen. Deutschland trifft beim Traditionsturnier auf Lettland, Israel und Russland und möchte den „Pott“ nach 2004 und 2012 gerne zum dritten Mal daheim behalten.

Am 10. August wird es dann ernst für die DBB-Auswahl. Mit Polen, Luxemburg und Österreich wartet eine attraktive, wenngleich auch lösbare Aufgabe auf die ING-DiBa-Korbjäger. Der Gruppenerste qualifiziert sich sicher für die Europameisterschaft, ebenso dabei sind die sechs besten Gruppenzweiten (aus insgesamt sieben Gruppen). Emir „Muki“ Mutapcic fällt zu den Gegnern folgendes ein: „Wir haben eine interessante und starke Gruppe. Ich habe in Polen gearbeitet, kenne viele Spieler und finde, dass die Polen
eine sehr gute Mannschaft haben. Das werden zwei richtig schwierige Spiele. Vom Spielplan her hätte ich sie lieber eine Woche später gespielt, aber wir werden auch so bereit sein. Die Österreicher sind zu Hause stark und nicht zu unterschätzen, das habe ich mit der Nationalmannschaft im Sommer 2012 erlebt, als wir zwei Mal in Österreich gegen Österreich gespielt haben. Gegen Luxemburg müssen wir beide Spiele ungefährdet gewinnen. Wichtig ist, dass wir komplett und gesund sind.“

Abschließend kommt der Bundestrainer noch auf den wesentlichen Unterschied zwischen der Verantwortung für eine Vereins- oder für eine Nationalmannschaft zu sprechen: „Man muss sich von Beginn an mit entscheidenden Dingen beschäftigen, eine Improvisation ist nicht möglich. Die Herausforderung bei einer Nationalmannschaft ist, dass man
aus den besten Spielern des Landes eine funktionierende Mannschaft bilden muss. Dazu müssen manche Spieler andere Rollen als in ihren Vereinen einnehmen und diese auch akzeptieren. Ich muss den Spielern vermitteln, dass jeder Spieler durch die Zeit bei der Nationalmannschaft besser wird, das ist ganz wichtig!“

Insgesamt geht es für die Herren-Nationalmannschaft in diesem Sommer darum, die Zuschauer insbesondere bei den Heimspielen mit gutem und erfolgreichem Basketball zu begeistern – an oberster Stelle steht natürlich die Qualifikation für die EuroBasket 2015. Und dann den Blick nach Rio nicht vergessen ….

Stand: 30. Juli 2014

Nameletzter bekannter VereinPositiongeb. amGröße
Robin BenzingFC Bayern MünchenForward25.01.19892,08 m
Bastian DorethArtland DragonsGuard08.06.19891,83 m
Elias HarrisBrose Baskets BambergForward06.07.19892,03 m
Maximilian KleberRio Natura Monbus Obradoiro/ESPForward29.01.19922,07 m
Heiko SchaffartzikFC Bayern MünchenGuard03.01.19841,83 m
Dennis SchröderAtlanta Hawks/NBAPoint Guard15.09.19931,88 m
Andreas SeiferthArtland DragonsCenter23.06.19892,06 m
Lucca StaigerFC Bayern MünchenGuard14.06.19881,95 m
Karsten TaddaBrose Baskets BambergGuard02.11.19881,90 m
Daniel TheisBrose Baskets BambergPower Forward04.04.19922,04 m
Akeem VargasALBA BerlinShooting Guard29.04.19901,92 m
Johannes VoigtmannFRAPORT SKYLINERSCenter30.09.19922,09 m
Maik ZirbesRoter Stern BelgradCenter29.01.19902,07 m

 

 

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