U16-Bundestrainer Harald Stein im Interview10. Oktober 2011

“Die JBBL ist das ideale Bindeglied” – Stein über die Bedeutung der Jugend Basketball Bundesliga
Am 16. Oktober startet die dritte Spielzeit der Jugend Basketball Bundesliga (JBBL). Dann beginnt eine weitere spannende Saison, an deren Ende der Deutsche U16-Meister gekrönt wird. Vor dem offiziellen Start der Jagd auf den amtierenden Meister Team ALBA Urspring nahm sich U16-Bundestrainer Harald Stein (Foto) Zeit für ein ausführliches Interview, in dem er auf den Stellenwert der JBBL im deutschen Basketball, verlorene Spiele zugunsten der individuellen Entwicklung und die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen eingeht.

Herr Stein, die JBBL geht bald in ihre dritte Saison. Welche Bedeutung hat die U16-Liga Ihrer Meinung für den deutschen Basketball?

Harald Stein: „Ich halte die Jugend Basketball Bundesliga für einen ganz wichtigen Baustein in einem immer durchlässiger werdenden Konstrukt. Sie stellt aus meiner Sicht ein ideales Bindeglied zwischen den ersten Sichtungsmaßnahmen und der konkreten Förderung in der NBBL dar. Wir – damit meine ich den DBB, die Landesverbände und alle Basketballvereine mit Jugendabteilungen – unternehmen viele Bemühungen, um Kinder in jungen Jahren für unseren Sport zu begeistern. Doch wenn sie aus dem U14-Bereich ausscheiden, ist der Weg bis zur NBBL, geschweige denn zur zweiten oder ersten Liga noch unvorstellbar weit weg. Die Motivation und Energie, die wir diesen Kindern mit auf den Weg geben, können sie in der JBBL ideal ausleben und für sich nutzen. Wichtig ist, dass alle, die an der Liga beteiligt sind, kontinuierlich und qualitativ hochwertig arbeiten.“

Die Grundvoraussetzungen sind bei insgesamt 50 JBBL-Standorten sicher sehr verschieden…

„Natürlich, aber das zeigt auch, auf welch unterschiedliche Art und Weise eine solche Liga geprägt und innerhalb der Vereine gelebt werden kann. Besonders die kleinen Klubs, die sich im U16-Bereich engagieren, tun dies mit viel Hingabe und leisten tolle Arbeit.“

Wie macht sich das bemerkbar?

„Die Einstellung der Spieler gegenüber der Sache an sich schärft sich. Sie realisieren, dass sie nur durch Training besser werden. Was damit alles zusammenhängt, ist ihnen vielleicht noch gar nicht bewusst, aber es geht darum, ein Verständnis, ein Selbstverständnis für gutes Training zu entwickeln. Wer ein Jahr in der JBBL dabei ist, kann erkennen, was die Jahrgangsälteren erleben und Schritte nach vorne machen. Schritte, die sie nachleben wollen.“

Wo soll die Reise im Idealfall hingehen?

„Ich hoffe, dass die JBBL in ein paar Jahren so breit aufgestellt ist wie die Nachwuchs Basketball Bundesliga. Dort reicht ein Blick auf die Division Südost mit Mannschaften wie Urspring, Jena, Breitengüßbach oder auch Ludwigsburg… das bedeutet jedes Wochenende Wettbewerb auf hohem Niveau für die Nachwuchsspieler. Genau das wollen wir haben, denn nur dadurch werden die Spieler besser. Und genau so etwas wünsche ich mir eines Tages in der JBBL – das wäre das Beste überhaupt.“

Setzen Sie spieltechnisch und -taktisch von Seiten des Verbandes her Impulse, um einheitliche Strukturen zu begünstigen?

„Ja, und durch die verpflichtenden JBBL-Coach-Clinics passiert in diesem Bereich bereits sehr viel. Im Verlauf der ersten beiden Jahre hat sich abgezeichnet, dass sich die vermittelten Inhalte langsam durchsetzen. Gerade die Landestrainer sind in diesen Punkt eine wichtige Schnittstelle, da sie die Gegebenheiten in den jeweiligen Vereinen viel intensiver einschätzen und betreuen können, als es für mich als Bundestrainer überhaupt möglich ist. Im regen Austausch mit den Vereinen ist es so möglich, die von uns als DBB für wichtig erachteten Spielkonzeptionen zu vermitteln.“

Haben sie von alledem mit der U16-Nationalmannschaft schon jetzt profitieren können?

„Ohne die JBBL könnten wir international nicht mithalten. Früher wurde der Wettbewerb erst ab dem Frühjahr interessant und anspruchsvoll, als es um die Meisterschaften ging. Jetzt werden die jungen Spieler schon ab Oktober gefordert und gefördert. Für mich persönlich ist die Liga, so wie sie aufgestellt ist, ideal, um die Kaderspieler immer im Auge zu haben oder Entwicklungen besser abschätzen zu können. Dabei kommt es nicht immer vordergründig darauf an, wie viele Punkte jemand erzielt hat. Manchmal ist es viel wichtiger zu sehen, ob jemand konstant Minuten sammelt.“

Mit der IBBA (Meister 2010) und dem Team ALBA Urspring (Meister 2011) waren zwei JBBL-Mannschaften an beiden TOP4-Turnieren beteiligt, während ALBA Berlin, Breitengüßbach, Ludwigsburg und Leverkusen ein Mal dabei waren. Wie wichtig ist der mannschaftliche Erfolg in dieser Altersstufe?

„Erst einmal ist es immer eine gute Erfahrung, ein Spiel, eine Playoff-Serie oder gar die Meisterschaft zu gewinnen. Es kommt immer darauf an, wie Spieler und Trainer das Geschehene reflektieren und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Von daher ist es manchmal vielleicht gar nicht so schlecht, auch einmal ein Spiel zugunsten der Entwicklung der Spieler zu verlieren – vielleicht helfen sogar verpasste Playoffs oder eine abgegebene Meisterschaft. Wirklich sagen lässt sich das immer erst im Nachhinein, und eine Garantie für die eingeschlagene Route gibt es nicht. Einen solchen Mittelweg bestreiten wir auch mit der Nationalmannschaft, wo wir teilweise auf in diesem Alter stärkere Spieler verzichten, um langfristig talentiertere Youngster mitzunehmen – damit sie ihre Erfahrungen machen können. Patrick Heckmann ist so ein Fall gewesen: 2010 wird er NBBL MVP und trägt dieses Jahr zum 5. Platz bei der U20-Europameisterschaft ganz entscheidend bei.“

Mit Mauricio Marin (Jahrgang 1994, ALBA Berlin) und dem amtierenden JBBL-MVP Ismet Akpinar (´95, SC Rist Wedel) spielen beispielsweise zwei sehr junge Spieler auch schon in der ProB. Sind dies Einzelfälle oder sollten noch mehr Vereine auf Talente wie diese setzen?

„Vorweg: Die Spieler müssen sich eine solche Berufung verdienen. Das bedeutet, dass sie auf niedrigerem Level bereits dominiert haben sollten, um sich dann in der `Jungen Liga´ ihre Nische zu suchen. Mein Verständnis ist, dass die Zweite Liga, besonders hinsichtlich der physischen Herausforderung, für junge Spieler genau in die richtige Richtung geht. Grundsätzlich finde ich es toll, wenn Standorte in der `Jungen Liga´ ihre Talente sehr früh mit einbinden. Allerdings muss auch bedacht werden, dass die Vereine unterschiedliche Verpflichtungen und Ausrichtungen verfolgen. Wenn viele Sponsoren und Erfolgspläne involviert sind, dann wird es für junge Talente selbstverständlich schwieriger. Aber an Standorten wie Berlin oder Breitengüßbach ist es schlichtweg Teil des Konzeptes, dass der Nachwuchs ins kalte Wasser geworfen wird, um sich dort freizuschwimmen.“

Alle Informationen zur JBBL finden Sie auf der JBBL-Website.

Weitere News

22. September 2016

Bundesjugendlager 2016

Alle Teams mit Kader und Foto

BessoirHukporti2016-500

21. September 2016

“Mädels”-Tag im Saarland

Bundestrainer Stefan Mienack dabei

MaedelsdaySaar20016-500

21. September 2016

BIG zum Start der Bundesligen

196 Seiten voller spannender Infos - Auch ProA, ProB und DBBL

BIG-Cover-Saisonheft2016-500

DBB auf Flickr

Bitte anklicken, um die Slideshow zu öffnen.