Mathis Mönninghoff und Daniel Theis im Porträt23. Juni 2010

Ungleiche Seelenverwandte

Auf der einen Seite schlägt ein Dreier ein – und das, obwohl der Verteidiger dem Schützen scheinbar auf den Füßen stand und mit der Hand das Sichtfeld beschränkte. Das alles nutzt nichts, denn der Ball rauscht mit betörender Leichtigkeit durch das Netz. Gleich im nächsten Angriff rappelt es am anderen Ende des Felde – und zwar so heftig, dass die Korbanlage am liebsten gleich den nächstbesten Physiotherapeuten aufsuchen möchte, um das Knarzen im Gebälk abstellen zu lassen. Wo es so viel Unterhaltungswert gibt? In der Basketballwelt von Mathis Mönninghoff (Foto rechts) und Daniel Theis (Foto unten), deren Wege sich im vergangen Jahr nicht nur kreuzten, sondern streckenweise parallel verliefen.

Die NBBL-Saison 2009/2010 hat für Mathis Mönninghoff und Daniel Theis einen bitteren Nachgeschmack. Beide konnten mit ihren Mannschaften nicht das erreichen, was sie sich so sehr vorgenommen hatten. Im Falle von Mathis und den Bayer Giants Leverkusen war es der Einzug ins NBBL TOP4, der im Viertelfinale vom späteren Vizemeister ALBA Berlin jäh unterbunden wurde. Für Daniel und die Junior Phantoms Braunschweig war schon im Achtelfinale Endstation – genau wie eine Saison zuvor mit 1:2, obwohl sie gegen ein favorisiertes Team die erste Begegnung der Serie hatten klauen können. Das favorisierte Team kam 2010 nicht wie einst aus Paderborn, sondern aus der rheinischen Farbenstadt, und so kreuzten sich die Wege von Mathis und Daniel einmal mehr…

Zuvor trafen sie bereits in der ProB aufeinander. Beim 90:85-Sieg der Niedersachsen kommt Mathis in 30 Minuten Einsatzzeit auf sieben Zähler, Daniel markiert in knapp sechs Minuten auf dem Feld derer drei. Auch das Rückspiel in der „Jungen Liga“ geht mit 101:94 an Braunschweig, Daniel rockt mit zehn Punkten und sieben Rebounds gegen Leverkusens Frontcourt, während Mathis wegen eines NBBL-Einsatzes gar nicht erst auflaufen kann. Beide nehmen im Lauf der Zweitliga-Saison immer wichtigere Positionen in ihren Teams ein, doch in der NBBL sind sie ganz klar die Alphatiere im jeweiligen Kader. So ist auch klar, dass der Ausgang der Viertelfinalserie zwischen Leverkusen und Braunschweig ganz eng mit ihren Personalien verknüpft ist. „Wir haben uns vor der Serie sehr auf Mathis konzentriert, wir wussten, dass er der Dreh- und Angelpunkt im ganzen Leverkusener Spiel ist“, blickt der Phantoms-Center zurück.

In der Tat geht die Defensiv-Strategie der Okerstädter voll auf. Mathis wird keinerlei Freiraum gelassen, nur drei seiner zehn Würfe finden ihr Ziel, am Ende der Partie stehen für ihn magere acht Punkte zu Buche. Daniel dagegen ist am Brett überhaupt nicht zu halten, macht mit seinen Gegenspielern, was er will und führt seine Farben mit einem Double-Double (21 Punkte, zehn Rebounds) zum wohlverdienten 77:67-Sieg. Spiel zwei in Braunschweig wird zur Nervenschlacht, an deren Ende Leverkusen knapp (73:70) als Sieger hervorgeht – auch weil Mathis nicht nur den Wurf von außen, sondern vermehrt den Zug zum Korb sucht und dafür mit Freiwürfen belohnt wird. Acht Boni ohne Fehlversuch netzt er ein, schreibt sich insgesamt 21 Punkte ins Boxscore, während Daniels 17 Punkte und fünf Rebounds diesmal nicht für eine neuerliche Überraschung reichen.

Dass Leverkusen durch ein 79:63 im dritten Spiel die Serie scheinbar leicht für sich entscheidet, hat sicherlich auch mit dem verletzungsbedingten Ausfall zu tun. Der Center pausiert ob einer Patellasehnenentzündung und geht – vor allem mit Blick auf anstehende Aufgaben mit der U18-Nationalmannschaft – auf Nummer sicher. „ Es war echt schwer für mich, 40 Minuten auf der Bank zu sitzen und zu wissen, dass ich nix machen kann außer meine Mitspieler zu motivieren“, so der Junior Phantom. „Im Großen und Ganzen war es einfach ein komisches Gefühl, weil es permanent in den Fingern gekribbelt hat.“ Kribbeln tut es auch bei den „Riesen vom Rhein“, die zunächst überhaupt nicht mit der Abwesenheit des Centers klarkommen. „ Auf einmal nicht gegen Daniel spielen zu müssen hat uns natürlich auch gefreut, aber deswegen mussten wir mehr auf die anderen schauen und probieren, diese zu kontrollieren“, erinnert sich Mathis an schwere drei Viertel, ehe Leverkusen im Schlussabschnitt endlich den Dreh raus hatte und den Viertelfinaleinzug perfekt machte.

Des einen Freud’ ist…

…noch lange nicht automatisch des anderen Leid, auch wenn eine landläufige Weisheit anderes behauptet. Die Genesungspause Daniels zahlt sich schon kurz darauf aus, als er gemeinsam mit Mathis für die U18-Nationalmannschaft mit dem Adler auf der Brust beim Albert-Schweitzer-Turnier aufläuft. Der eine (Mathis) als Mannschaftskapitän und verlängerter Arm von Coach Kay Blümel, der andere (Daniel) als offensiver Energizer und Defensiv-Monster von der Bank kommend. Die NBBL-Serie behindert die beiden im Zusammenspiel überhaupt nicht, immerhin tragen sie in Mannheim die gleichen Farben. „Es hat uns eher geholfen als behindert“, gibt Mathis unumwunden zu. „Ich wusste, was er gerne auf dem Feld macht und wo seine Stärken sind. Das hat dem Zusammenspiel zwischen uns auf jeden Fall geholfen.“ Auch Daniel schlägt schmunzelnd in die selbe Kerbe. „Nationalmannschaft und Verein kann man schon leicht trennen. Wenn man gegeneinander spielt, gibt es halt keine Freunde auf dem Feld. Durch die Serie wussten wir, wie der andere spielt, da war die Abstimmung viel leichter.“ Wie im Rausch stürmt die U18-Nationalmannschaft als erste deutsche Auswahl überhaupt bis ins Finale des Albert-Schweitzer-Turniers, wo gegen die homogen auftretenden Australier um Turnier-MVP Mitchell Creek am Ende nichts zu holen ist. Mathis, Daniel und Co. mögen das Endspiel verloren haben, aber sie gewinnen Silber und schreiben damit ein großes Stück germanische Basketball-Geschichte.

Der Weg der beiden ist damit aber noch lange nicht am Ende angelangt. Weder der individuelle, noch der gemeinsame. Im Sommer steht mit der U18-Nationalmannschaft noch die Europameisterschaft im litauischen Vilnius (20. Juli bis 2. August) auf dem Programm. Danach geht es auch schon in die Vorbereitung für die NBBL-Saison 2010/2011. Dem starken Jahrgang 1992 angehörig, gehören sie dann zu den Ältesten in der U19-Bundesliga. Es kann durchaus sein, dass sich ihre Wege dann erneut kreuzen – als Gegenspieler. Etwas, das Daniel sicher schon als Wunschgedanke im Hinterkopf hat. „Eine direkt Ansage für nächste Saison kam noch nicht von ihm, aber ich kann mir denken, dass das noch ein Nachspiel haben wird“, gibt Mathis zu Protokoll. „Und ich freu’ mich drauf.“

(NBBL / JB)

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