Interview mit U15/U16-Bundestrainer Harald Stein29. November 2011

„Es ist ein offenes System“

Herr Stein, was macht ein Jugend-Bundestrainer abseits der Sommermonate ohne die Nationalmannschaften?

Die Nationalmannschaften sind immer präsent. Nach der Europameisterschaft ging es gleich mit der U15 beim Nordseecup in Kiel weiter und danach sofort in die Saisonvorbereitung in Frankfurt. Ich bin Leiter der Nachwuchs- und Schulförderung bei den FRAPORT SKYLINERS. Mein Verantwortungsbereich geht von 90 Schul-AGs bis zur ProB-Mannschaft und ich coache zwei Mannschaften – NBBL und Regionalliga – selbst. Schon über den Austausch mit vielen Trainern in dieser Tätigkeit bekomme ich viele Informationen über die potenziellen Nationalspieler im U15/U16-Bereich.
Außerdem bin ich eng mit meinen Bundestrainerkollegen Frank Menz, Kay Blümel, Marvin Willoughby und Sebastian Gleim (Physiotherapeut, Athletiktrainer und Assistenztrainer in einer Person) sowie mit den Landestrainern vernetzt und erhalte von dort eine Menge Input. Das ist bei 48 JBBL-Teams natürlich nicht ganz einfach, ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Insofern bin ich auch für Information direkt aus den Vereinen sehr dankbar. Es ist schon eine große Hilfe, wenn die Daten, z.B. die korrekte Körpergröße, und die Fotos der Spieler auf den Websites aktuell gehalten werden. Durch das Projekt “Talente mit Perspektive” der ING-DiBa kenne ich viele Spieler schon mehr als ein Jahr, bevor sie zur ersten Sichtung, dem Bundesjugendlager in Heidelberg, kommen.

Sie haben bereits vor der Sichtung Mitte Dezember in Kienbaum 16 Spieler für ein Turnier am Jahresende in Genf vornominiert, von denen zwölf in die Schweiz fahren werden. Wie ist das zu erklären?

Das Camp in Kienbaum ist in erster Linie dazu da, im Anschluss 24 Spieler für die offizielle Kaderliste für das Kalenderjahr 2012 zu nominieren. Darüber hinaus stelle ich mir als Trainer viele weitere Fragen: Wer kommt als Spieler für das wichtige Turnier in der Türkei Ende Januar 2012 in Frage? Wie schaffe ich es, möglichst vielen Spielern internationale Erfahrung zu geben? Wie kann ich nominieren, so dass es für die Planungen von Familien, Eltern etc. so verträglich wie möglich ist?
Unser Trainerteam hat immer das Gesamtprogramm im Auge, in dem viele verschiedene Maßnahmen getroffen werden. Es ist zum Beispiel bereits jetzt ganz klar, dass wir in Genf und in der Türkei nicht mit der gleichen Mannschaft spielen werden, das Auswechseln von Spielern in dieser Vorbereitungsphase ist völlig normal. Genauso wie die Tatsache, dass die jetzige Nominierung der 16 in Frage kommenden Spieler für Genf keine Garantie bietet, dass alle diese Spieler auch auf der Kaderliste auftauchen werden. Unser Ziel während der Vorbereitung ist nicht immer, die besten Spieler und die beste Mannschaft in der Einzelmaßnahme zu nominieren.

Wie lautet denn die Zielsetzung für die U16-EM 2012?

Wir arbeiten konkret auf das erste Spiel der EM hin, da wollen wir in der Lage sein, jeden Gegner zu schlagen, der kommt. Unser Ziel ist es, bei der EM eine möglichst starke Mannschaft zu haben und gleichzeitig Spieler, die aus unserer Sicht die größten Perspektiven haben, bestmöglich zu fördern. Alles, was wir davor tun, dient diesem Ziel. Jeder Spieler hat es selbst in der Hand, sich uns aufzudrängen, dass wir nicht an ihm vorbeikommen. Es ist ein offenes System, niemals ist man auf jeden Fall drin oder draußen. Natürlich besteht die Hoffnung, die tolle EM aus diesem Jahr vom Ergebnis her (8. Platz – Anm. d. Red.) zu wiederholen oder vielleicht sogar zu toppen.

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