Team Deutschland beim Supercup18. August 2004

Kurzportraits der einzelnen Spieler
Die Guards:

Der Neunationalspieler Steffen Hamann vom letzten Jahr reift in diesem Sommer langsam zum Leistungsträger im Nationalteam. So ließ er Allen Iverson im Spiel Deutschland gegen USA mehrmals blass aussehen. Der 23-jährige „Terrier“ verkörpert die Spielphilosophie von Dirk Bauermann: Er fühlt sich in der Defense und beim Fast Break am wohlsten. Mit seinem Heimverein GHP Bamberg und unter Anleitung von Dirk Bauermann errang er so 2003 und 2004 die Vizemeisterschaft. Für den gebürtigen Bamberger wird es also im Forum zu einem Heimspiel der besonderen Art kommen, denn er wird dort beweisen wollen, dass er auch ein Nationalteam führen kann.
Die Karriere von Misan Nikagbatse im Nationalteam begann bei der WM 2002, als er ob seiner spektakulären Spielweise und der damit verbundenen Punktausbeute auffiel. Danach fiel der 22-Jährige in ein z.T. verletzungsbedingtes Leistungstief, aus dem er sich nun langsam wieder herausarbeitet. Die letzte Saison verbrachte er mit Stephen Arigbabu zusammen beim MBC; dort kam er auf knapp zehn Punkte pro Spiel. Diese beiden Spieler zieht es nun nach Italien, sie fanden in „Roseto Basket“ ihren neuen Verein. Anfang des Sommers litt er noch an einer Knöchelverletzung, die nun aber auskuriert scheint, so dass er wieder für die Deutschen auflaufen kann.
Mit Denis Wucherer fand ein „alter Bekannter“ von Dirk Bauermann den Weg zurück ins Nationalteam. Die beiden errangen in gemeinsamen Leverkusener Zeiten zusammen vier Deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Letzte Saison führte der 31-Jährige die Bayer Giants mit durchschnittlich 20 Punkten, 4,7 Assists und 5,1 Rebounds wieder geradewegs in die Play Offs. Unter anderem diese Werte machen ihn zu einem der besten Spieler in der Bundesliga, in der ihm sein Ruf als knallharter Verteidiger mit gutem Schuss und starkem Zug zum Korb vorauseilt. Diese Eigenschaften konnte er mit in das Nationalteam einbringen, wo er in den letzten drei Spielen durch neun Punkte im Schnitt (10/11/6) bestach und seine Nominierung deutlich rechtfertigte.
Laut Teamkollegen Denis Wucherer befand sich Demond Greene die vollständige vorrangegangene Saison „in the zone“, sprich er überzeugte mit unglaublicher Leistung. Mit seinen 20,5 Punkten pro Spiel war er bester deutscher Scorer der gesamten BBL. Doch nicht nur mit diesen Qualitäten, sondern auch mit seinem außergewöhnlichen Spielverständnis weiß der athletische Spieler zu überzeugen. Unter Henrik Dettmann kam er nur auf drei Einsätze in der A-Nationalmannschaft, nun, wiedergenesen nach kurzweiliger Verletzung, nahm er gegen die USA einen erneuten Anlauf und steuerte sogleich fünf Punkte bei. Zwar kam er nur auf einen zehnminütigen Einsatz, nutzte diese Minuten aber effektiv, um Dirk Bauermann diverse Argumente für eine andauernde Nominierung in das Nationalteam zu liefern.
Mit Robert Garrett findet sich ein aktueller Deutscher Meister in Reihen der Spieler, letzte Saison lief er noch für die Opel Skyliners in Frankfurt auf. Nach Erringen des Meisterschaftspokals verschlägt es ihn aber nach Italien, sein neuer Verein ist nun Pompea Neapel. Auch er entspringt den „jungen Wilden“ um Dirk Nowitzki, die 98/99 in Würzburg für Furore sorgten. Nach überzeugender Bundesligasaison (Topscorer der Skyliners), die für ihn auf Grund einer Verletzung beinahe tragisch endete, zeigte er in den drei bereits bestrittenen Spielen seinen großen Einsatz und Siegeswillen.
Für Stefano „Nino“ Garris wird die Rückkehr nach Bamberg mit schmerzlichen Erinnerungen verbunden sein. Dort ist das Team beheimatet, das ihn zum ersten Mal seit seinem Engagement in der BBL daran hinderte, am Ende der Saison die Meisterschaft zu feiern. Letztes Jahr noch war der „ewige Albatros“ bei der EM 2003 einer der Wenigen, die eine konstante Leistung aufweisen konnten. Gegen Estland, Italien und die USA wurde der 25-Jährige diesem Ruf nicht ganz gerecht (Punktausbeute: 11/8/2). Trotzdem erkannte man gut, dass er auch im Nationalteam unter Bauermann eine wichtige Rolle spielt.
In der 26. Minute des Spiels Deutschland-Estland (30. Juli) kam es für Johannes Herber zum Länderspiel-Debüt, in dem er sogleich drei Punkte zum Sieg beisteuerte. Der „Rookie“ verbrachte die letzte Saison in den Staaten, wo er sich für die West Virginia University zum Leistungsträger mauserte. Mit seinen 21 Jahren ist er noch recht jung und soll nun von Dirk Bauermann langsam an das Nationalteam herangeführt werden.

Die Forwards:

Ademola Okulaja ist schon weit rumgekommen. Er spielte bei Vereinen in Deutschland, Italien, Spanien und am College in den USA. Eins war überall gleich: sein Ruf als Kämpfer, der durch seinen Einsatz nahezu jedes Team besser macht. Der 29-Jährige markiert zwar 10,3 Punkte im Schnitt für die deutsche Auswahl, doch ist es nicht nur das, was ihn so unverzichtbar macht. Seine Reboundarbeit, sein Kampf um jeden Ball und sein unglaublich physisches Spiel machen ihn wichtig und gaben ihm den Beinamen „The Warrior“. Auch diesen Sommer scheint er wieder bereit mit den Deutschen zu „kämpfen“, die bisher 13 Punkte im Schnitt deuten dieses an. Vor allem da Dirk Nowitzki beim Supercup nicht auflaufen wird, trägt er mit seiner großen internationalen Erfahrung viel Verantwortung.
Mit Branko Klepac und Jan Henrik Jagla hat Bundestrainer Dirk Bauermann zwei hoffnungsvolle Ergänzungsspieler nominiert. Der 23-jährige Jagla ist der Prototyp eines modernen Forwards: groß, beweglich und technisch versiert. Die letzten Jahre verbrachte er am College in den USA, spielte für die Penn State Nittany Lions, ist dort sogar „go-to-guy“ gewesen. Nach eigenen Aussagen will er sein Glück aber nun in Europa versuchen, die College-Zeiten seien für ihn beendet. Branko Klepac gehört nach zwei Jahren erstmalig wieder zum Kader der deutschen Nationalmannschaft. Der 2,07m große Flügelcenter hatte in der Vergangenheit öfters mit Verletzungen zu tun, sein Nasenbruch machte ihn bei seinem Verein, den Telekom Baskets Bonn, als „der Mann mit der Maske“ bekannt. Trotz dieser Verletzungen kam der 24-Jährige letzte Saison auf 5,5 Punkte und 3,4 Rebounds pro Spiel.
Wenn er gesund bleibt, können sowohl er als auch Jan Jagla zu guten Alternativen auf ihrer Position werden. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind durch die Einsätze in den Spielen dieses Sommers schon getan.

Die Center:

Nach wie vor der dominierentste und erfahrenste Center im Team ist Patrick Femerling (Foto). Der „old school“-Spieler besitzt unter anderem auf Grund seiner letzten zwei Jahre in Barcelona viel internationale Erfahrung, mit der er den Deutschen immer wieder weiter hilft. Der frisch Verheiratete ist mit seinen 2,15m und 115kg oftmals nur schwer zu stoppen; zusammen mit Dirk Nowitzki und Ademola Okulaja bildet der 29-jährige das auffälligste Trio der Nationalmannschaft. Zwar blieb er diesen Sommer noch unter seinen Möglichkeiten, ist aber trotzdem nicht aus dem Team wegzudenken.
Auch Stephen Arigbabu wartet mit seinen 32 Jahren mit viel Erfahrung unterm Korb auf. Er ist ein variabler Spieler, der sowohl unterm Korb als auch auf der Power Forward Position eingesetzt werden kann. Sowohl die vorherige Saison als auch die kommende verbringt er mit Misan Nikagbatse, zusammen mit dem MBC erlitten sie ein Wechselbad der Gefühle: sie gewannen den FIBA Europe Cup und mussten die Insolvenz des Vereins miterleben. Trotz dieser verworrenen Saison glänzte er mit 11,5 Punkten und 6,9 Rebounds pro Spiel. Für die kommende Saison wird er sein Lager in Italien bei Roseto Basket aufschlagen. Insgesamt erzielte der langjährige Nationalspieler (seit 1990) diesen Sommer zwar nur zehn Punkte, doch sind es bei ihm die „Kleinigkeiten“, die ihn sehr wertvoll machen.
Nach der Langzeitverletzung von Robert Maras (Kreuzbandriss) musste sich Dirk Bauermann einen neuen Center suchen, der diese Lücke zumindest ansatzweise füllen kann. Er fand ihn im 21jährigen Nachwuchstalent Dirk Mädrich, der zuvor nur in der zweiten Bundesliga bei SG Braunschweig aufgefallen war. Bauermann hält offensichtlich große Stücke auf ihn, er steht für die kommende Saison auch bei GHP Bamberg unter Vertrag. Mädrich kam seit seiner Erstnominierung diesen Sommer zu einem Länderspiel-Einsatz, gegen Estland erzielte er zwei Punkte. Die Idee hinter der Nominierung ist sicherlich deutlich: Neue Center braucht das Land.

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