Tagebuch von DBB-Nationalspieler Tibor Pleiß30. April 2013

Hallo Basketball-Fans!

Mal wieder ist einiges passiert seit meinem letzten Tagebuch-Eintrag. Wo soll ich anfangen? Auf jeden Fall eine Info vorweg, bevor zu viele SPOX-Leser irritiert sind: Mein Verein hat mitten in der Saison den Klubnamen gewechselt. Seit letzter Woche heißen wir nicht mehr Caja Laboral, sondern Laboral Kutxa.

Das ist in Deutschland vielleicht etwas ungewöhnlich, aber das hängt damit zusammen, dass unser Eigentümer Caja Laboral mit Kutxa, einer Sparkasse, fusioniert ist und deswegen der Klubname angepasst wurde.

Leider ist uns allerdings kurz vor der Umbenennung der große Wurf verwehrt geblieben. Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, sind wir in der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen den großen Favoriten ZSKA Moskau mit 1-3 ausgeschieden. Uns hatten die ersten beiden Spiele das Genick gebrochen: Wir spielten ohne Energie, verteidigten nachlässig und verloren völlig zu Recht.

Der deutliche Sieg in Spiel 3 zum zwischenzeitlichen 1-2 hat uns aber für den Rest der Saison Mut gemacht. Wir liegen in der spanischen Liga hinter Real Madrid auf Rang zwei und werden mit viel Selbstvertrauen in die nationalen Playoffs gehen.

Ich selbst habe auch kein Grund zur Klage, ganz im Gegenteil: Ich stehe immer öfter in der Starting Five und liefere gute Stats ab, unter anderem gelang mir gegen Lagun Aro das erste Double-Double. Beim letzten Liga-Spiel in Fuenlabrada waren es 13 Punkte und 8 Rebounds.

Ich möchte jedoch nicht, dass die Leistungen auf die schnöden Zahlen reduziert werden. Die Medien machen das zwar ganz gerne, ich sehe mich trotzdem als echten Mannschaftsspieler, der einfach das erledigt, was nötig ist für den Teamerfolg. Ich weiß, ich klinge ein bisschen wie ein Politiker, aber das ist meine echte Überzeugung.

Im Basketball gibt es immer wieder Spieler, die nur an die eigenen Stats denken und als erstes nach der Schlusssirene den Boxscore checken. Doch in Bamberg lernte ich, wie erfolgreich man sein kann, wenn man als Kollektiv denkt. Wir waren drei Jahre das perfekte Team – das prägt einen.

Ich werde immer wieder auf die NBA und die Oklahoma City Thunder, die mich gedraftet haben, angesprochen. Und dass es nötig sei, tolle Zahlen abzuliefern, um Aufmerksamkeit zu erregen. Nur: Das stimmt überhaupt nicht. Ich stehe mit Thunder-GM Sam Presti in Kontakt, am häufigsten telefoniere ich mit Johnny Rogers, der in Barcelona lebt und als Scout von OKC den europäischen Markt abdeckt. Sie schauen sich jedes Spiel von mir an und sind sehr zufrieden.

Doch bevor der falsche Eindruck entsteht: Ich denke nur mittelfristig an die NBA und möchte nicht zu viel darüber reden. Ich besitze nach der Saison noch einen Vertrag über drei Jahre in Vitoria und ich bleibe nächste Saison bei Laboral Kutxa – mindestens. Ich spüre das Vertrauen von Trainer Zan Tabak und bekomme immer mehr Spielzeiten. Ich spüre, dass ich zwar schneller, beweglicher und muskulöser geworden bin – aber dass zugleich noch einiges in mir steckt. Ich kann in Vitoria zu einem besseren Basketballer werden, das ist entscheidend.

Gerade ist im deutschen Basketball einiges in Aufruhr, weil sich neben Elias Harris mit Dennis Schröder, Philipp Neumann und Daniel Theis vier Talente für den NBA-Draft angemeldet haben. Den Jungs einen Rat zu geben, fällt mir allerdings schwer, obwohl ich der letzte Deutsche bin, der gedraftet wurde.

Ich habe mich bewusst dazu entschlossen, mich Schritt für Schritt heranzutasten. Ich fing in Köln an, unterschrieb bei einem der besten deutschen Klubs in Bamberg, kam in die deutsche Nationalmannschaft und wechselte dann nach Spanien zu einem Top-Klub in die zweitbeste Liga der Welt. Einige wären in meiner Situation wohl gleich in die NBA gegangen, mir hingegen war es wichtig, dass ich erfahrener und selbstbewusster werde, um rüberzugehen.

Und das ist nach wie vor die richtige Entscheidung. Der Anfang in Vitora war hart. Neues Land, neue Sprache, komplett neue Situation – und dann saß ich wegen meiner Krankheit zunächst draußen, kurz darauf kam ein neuer Trainer. Doch mittlerweile weiß ich: Ich bin reifer geworden und habe den Widerständen getrotzt. Ich bin angekommen.

Ob eine Zwischenstation bei einem europäischen Topklub der richtige Karriereplan für die anderen ist, müssen sie selbst wissen. Dennis legt eine sehr gute und konstante Saison hin. Und Philipp und Daniel zeigen, wenn sie häufiger spielen, dass in ihnen einiges schlummert. Einen Fehler dürfen sie nie machen: Nur an die NBA zu denken und alles in rosa Wolken zu sehen. Es ist schwieriger, als man denkt, sich an ein neues System zu gewöhnen und plötzlich nicht mehr der Strahlemann zu sein, der man in der BBL ist.

Der Weg in die NBA ist auf jeden Fall knüppelhart. Das habe ich am eigenen Leib erfahren, als es darum ging, mich vor dem Draft den NBA-Klubs vorzustellen. Ich kann fast schon ein Buch darüber schrieben. Bei mir lief es ein bisschen anders ab als bei den anderen. Normalerweise absolviert man in den USA Workouts mit mehreren Spielern. Ich bin allerdings erst später, direkt nach der deutschen Meisterschaft mit Bamberg, als einer der Letzten dazugestoßen. Daher habe ich das Prozedere alleine bewältigt – und ich war total fertig vom Hin und Her.

Ich landete nach 32 Stunden ohne Schlaf in New York, musste sofort aufs Laufband für Gesundheitstests und nach einer Stunde Pause gab es die nächsten Untersuchungen. Danach durfte ich acht Stunden schlafen, bevor am nächsten Tag das erste Workout mit Messungen vor acht NBA-Teams anstanden.

Nächste Station war Los Angeles mit dem nächsten Workout, bei dem ich trotz Müdigkeit super getroffen habe. Ich weiß immer noch nicht genau, wie mir das gelungen ist. Zum Abschluss ging es nach Oklahoma City – und dort habe mich anscheinend ganz gut angestellt.

Dennoch kann ich allen Draft-Kandidaten nur raten: Schlaft gut aus, bevor es in die USA geht!

Viele Grüße,

Euer Tibor

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