Sven Schultze bei Armani Jeans Mailand28. März 2007

Harter Konkurrenzkampf um Platz im DBB-Team

Sven Schultze ist seit 2005 in Italien auf Korbjagd und steht im Kader des momentanen Tabellendritten Armani Jeans Mailand. Dort steuert er in 18 Minuten durchschnittlich 7,4 Punkte pro Partie bei. Am Telefon nimmt er sich viel Zeit, obwohl er seine „quengelnde“ vier Monate alte Tochter auf dem Schoß hat, aber das ist wohl schon die italienische Lockerheit, die hier durchkommt. Wobei diese Lockerheit beim Sport oft vollkommen ins Gegenteil umschlägt, wie er berichtet. Sein Nationalmannschaftskollege Misan Nikagbatse im Übrigen ist voll des Lobes über seinen Kollegen und erzählte, Sven sei momentan „on fire“. Schultze winkt aber bescheiden ab: „Das ist ja schön, dass der Misan das so sieht, und ich habe in letzter Zeit auch ein paar gute Spiele gemacht, aber die Partie gegen Misans Team (Premiata Montegranaro) war trotzdem eine sehr schwierige Aufgabe.“


Schultzes Armani Mailand gewann zwar mit 88:81, hatte aber gegen den frechen Aufsteiger mehr zu kämpfen, als ihm lieb war. „Die 1. Halbzeit war eine Katastrophe, wir haben uns sehr schwer getan, auch weil wir sehr viele Verletzte haben.“ Aber es ist ja noch mal gut gegangen, und das ist vor allem daheim auch besser so, denn „die Fans hier sind sehr fanatisch, aber im positiven Sinne. Wenn man mal verliert, ist man gleich in der Hölle, bei einem Sieg loben einen alle in den Himmel. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig der Sport hier für die Leute ist“, gewinnt er dem Druck auch Positives ab. Das Niveau sei in Italien schon recht hoch, aber „man gewöhnt sich an die Liga, und der Stil hier macht mir viel Spaß“, ist der 2,06 m große Forward sehr zufrieden in „Bella Italia“.


Eine Regelung, die dem italienischen Nachwuchs hilft, gibt es in der Lega A. „Man muss immer fünf oder sechs Italiener in der Mannschaft haben“; beschreibt Schultze, „allerdings haben wir auch viele Amerikaner im Team.“ Ob er denn schon häufiger mal etwas mit Pascal Roller unternommen habe, der ja nur eine gute Stunde entfernt in Biella wohnt und spielt? „Normalerweise kommen wir nicht groß dazu, Leute außerhalb zu besuchen, da der Terminplan doch recht voll ist, außerdem braucht meine Tochter natürlich auch viel Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn ich gegen Pascal spiele, treffen wir uns natürlich und quatschen dann auch mal länger“, erzählt Sven Schultze.


Mehr Zeit mit den Nationalmannschaftskameraden verbringen kann Schultze dann wohl im Sommer, für den er noch keine festen Pläne hat. „Ich gehe ganz offen in den Sommer rein. Im letzten Jahr war es auch bis kurz vorher nicht klar, ob ich bei der WM dabei bin, weil es ja einen harten Konkurrenzkampf speziell auf meiner Position, der 4, gibt. Ich muss in diesem Jahr wieder von vorne anfangen“, ist er sich der Herausforderung bewusst, hofft aber natürlich auf eine Nominierung und ist optimistisch. Dazu hat er nach seinen bisherigen Leistungen in der Saison auch allen Grund. Für ihn als gebürtigen Bamberger, der auch jahrelang in seiner fränkischen Heimatstadt gespielt hat, müsse es doch etwas Besonderes sein, dass der Supercup in diesem Jahr auch noch zum 1000-jährigen Jubiläum der Bistumsstadt in Bamberg stattfindet? „Ja, auf jeden Fall. Da freue ich mich wahnsinnig drauf. Ich bin ja unter der Saison nur sehr selten in Bamberg, da ist es schon toll, mal wieder heimzukommen und dann auch noch dort zu spielen.“ Dass er dort aber im Mittelpunkt steht, glaubt er nicht. „Dirk (Nowitzki) ist bei uns so ein bisschen die Attraktion“; untertreibt er bewusst ein wenig, „wo er hinkommt, sind die Hallen voll und die Fans frenetisch.“ Dennoch – die Partien in Deutschland gegen China und der Supercup sind ein Höhepunkt für ihn, das hört man.


Auf konkrete Ziele bei der Europameisterschaft will er sich noch nicht festlegen. „Jeder will natürlich die Vorrunde überstehen, aber danach wird es wohl sehr schwierig für uns. Wir haben auch nicht mehr den Überraschungsbonus von 2005, denn inzwischen kennt uns jeder und respektiert uns als Mannschaft. Da kommt kein Team und unterschätzt uns“, ist er sich der harten Brocken, die da kommen können, bewusst. „Andererseits muss man auch sagen, dass unsere Spieler immer mehr Erfahrung haben und wir auch schon länger eine eingeschworene Truppe sind. Das sollten wir nutzen, denn wer weiß, wie lange Dirk und Patrick (Femerling) noch dabei sind“; nimmt er die Frage nach der Zeit vorweg, was nach der Ära Nowitzki mit dem deutschen Basketball passieren wird. „Das dauert sicher seine Zeit, bis da der Wechsel vollzogen ist, daher sollten wir jetzt versuchen, das Beste draus zu machen und möglichst erfolgreich abschneiden. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist unser Primärziel, das ist noch ein großer Traum“; gibt Sven Schultze die Marschroute für die Spiele in Spanien aus. Mit einem treffsicheren Schultze, der momentan knapp 48 Prozent seiner Dreierversuche auch tatsächlich versenkt, sollte dieses Ziel einfacher zu erreichen sein.

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