„Jeder Schweißtropfen war es wert!“4. September 2008

Interview mit DBB-Bundestrainer Dirk Bauermann

Wie tief sitzt der Stachel der Niederlage gegen China und des Verpassens des Viertelfinales?
Als Trainer lernt man ein kurzes Gedächtnis zu haben. Aber es wirkt natürlich trotzdem nach, wir waren ja so nah dran an der Erfüllung unseres zweiten Traumes. Dann tut es besonders weh. Aber das Positive überwiegt bei weitem.

Was hat gefehlt zum i-Tüpfelchen?
Wir haben in diesem Turnier die wichtigen Würfe nicht getroffen. Der Ball hat einfach nicht in den Korb gehen wollen. Dafür ist ein Mangel an Frische in den Beinen und Armen verantwortlich, also ein Kräfteproblem. Wir hatten viele gute Würfe. Das Problem fing gegen die Griechen an und war dann gegen China eklatant. Bei einem solchen Turnier kann man sich auch hinten nicht ausruhen, sonst ist man chancenlos.

Wie beurteilen Sie diesen Sommer insgesamt?
Wir haben sehr viel erreicht in diesem Sommer. Die Mannschaft hat sich mit tollen Leistungen in Athen den großen Traum einer Olympia-Teilnahme erfüllt. Darauf dürfen wir uneingeschränkt stolz sein. Auch in Peking haben wir den deutschen Basketball gut vertreten. Es ist kein Beinbruch, dass wir das Viertelfinale knapp verpasst haben. Letztlich darf man aber von einem großen lachenden und einem kleinen weinenden Auge sprechen. Wir haben in Peking den Preis für unsere Anstrengungen in Athen bezahlt, einige Akkus waren leer.

Können Sie das „Gefühl Olympia“ beschreiben?
Ich habe schon viel gesehen im Sport, WMs, EMs etc. Aber Olympia ist ein derart faszinierendes Ereignis, das sprengt alle Dimensionen. Beim Basketball als Kernsportart sieht die ganze Welt zu. Dann gibt es den Mythos Olympisches Dorf, wo es mit den vielen verschiedenen Kulturen kunterbunt zugeht. Dort ist man wirklich Teil des deutschen Sports. Man knüpft Kontakte und Bekanntschaften wie sonst nirgendwo. Sportler treffen Sportler, Trainer treffen Trainer, das sind tolle Erfahrungen, menschlich und sportlich. Unbeschreiblich auch die Eröffnungsfeier, die bei Olympia ein ganz besonderer Mythos umgibt. Es ist ein unglaubliches Gefühl, mit der deutschen Mannschaft im Tunnel kurz vor dem Stadion zu stehen, und alle rufen „Wir woll´n die Fahne seh´n“, die Dirk ganz vorne dann schwenkt. Diese Erlebnisse nimmt einem niemand mehr. Ich kann nur sagen: Jeder einzelne Schweißtropfen auf dem Weg nach Olympia war es wert!

Wie geht es jetzt mit Ihrer Arbeit weiter?
Entscheidend ist, dass ich jetzt Prioritäten setze und mich nicht in vielen Kleinigkeiten verzettele. Es geht um langfristige Wirkung und in erster Linie um folgende drei Punkte:

1. Der Umbruch der Nationalmannschaft muss konzeptionell und inhaltlich eingeleitet werden. Wir müssen Perspektivkader 2012 und 2016 mit konkreten Namen und Programmen bilden, um langfristig und nicht mit ständig neuen Gesichtern zu arbeiten. Die athletische, psychologische und basketballerische Betreuung muss definiert und delegiert werden. Das alles soll und muss in enger Kooperation mit den Vereinen geschehen.

2. In Zusammenarbeit mit dem Profisport muss es eine groß angelegte Initiative zur Talentsichtung und –förderung geben, die Beispielcharakter hat. Wir müssen zielstrebig und nicht zufällig die Talente im Alter von zehn bis zwölf Jahren finden und in geeignete Strukturen führen.

3. Es muss eine inhaltliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Profisport geben. Im November und Dezember werde ich zu möglichst allen Standorten der BBL und der Pro A fahren und mich dort mit den Trainern und Managern austauschen. Das geht nicht am Telefon oder per eMail, sondern muss auf persönlicher Ebene passieren.

Was sagen Sie momentan zum Thema Nowitzki/Kaman?
Im Moment macht es wenig Sinn, nochmalige Gespräche zu führen. Das habe ich in Athen getan. Eine Pause von Dirk hätte sicher auch Auswirkungen auf Chris, aber ich glaube nicht, dass es da einen Automatismus gibt. Mit Beiden werde ich im kommenden Jahr in den USA ausführlich und in Ruhe sprechen, dann werden wir sehen.

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