Jan-Hendrik Jagla bei Türk Telekom Ankara8. März 2007

„Wir sind wieder reif für eine Medaille!“
Er stellt eine der größten Überraschungen auf internationaler Basketball-Bühne in dieser Saison dar: Jan-Hendrik Jagla ist einer der Leitwölfe bei einem Spitzenteam der 1. türkischen Liga: Türk Telekom Ankara. Begonnen hatte seine Laufbahn beim TuS Lichterfelde, der Talentschmiede von ALBA Berlin, und nach einem Abstecher in die USA zur Collegemannschaft Penn State Nittany Lions kehrte Jagla wieder nach Europa zurück. Bei seinen Engagements in Griechenland, in Quakenbrück und auf Mallorca verfeinerte der Flügelspieler seine Technik und bekam das Angebot aus Ankara unterbreitet.

Mit seinen 25 Jahren und 24 Länderspieleinsätzen scheint er, nachdem er in den letzten Jahren immer als großes Talent galt, nun seine beste Form zu finden. Im Hinblick auf die Europameisterschaft im Sommer gibt er sich aber bescheiden: „Für die EM ist noch alles offen, ich stehe momentan nicht im Kontakt zu Dirk Bauermann, was einen Einsatz angeht. Allerdings rief er mich im letzten Jahr zur WM auch sehr kurzfristig an, und ich gehe davon aus, dass es diesmal nicht anders sein wird.“ Bis dahin macht er eben weiterhin durch sehr gute Leistungen in Liga wie Europapokal auf sich aufmerksam.

Gibt es ein Geheimrezept für die bislang sehr erfolgreiche Saison bei den Türken? „Es ist sicherlich ein großer Vorteil, dass wir uns alle in der Mannschaft hervorragend verstehen und auch der Trainer uns immer wieder aufbaut.“ Eine Tatsache, die Jagla bei seinen bisherigen Stationen anscheinend nicht immer so uneingeschränkt erlebt hat. Er fügt an: „Es ist auch das erste Mal in meiner Karriere, dass ich in einem Team spiele, in dem alle so gut miteinander auskommen und auch der Trainer so wenig Druck macht. Er arbeitet sehr gut mit der Mannschaft, und wenn einer mal einen schlechten Tag hat, passiert auch nichts. Ein anderer springt für ihn in die Bresche.“ Er schildert das Umfeld in Ankara als „sehr relaxt“, jeder wisse auch, sich einmal zurückzustellen im Dienste der Sache. Das Erfolgsrezept ist aber natürlich auch, dass „wir über sehr viele gute Spieler verfügen“. Überrascht ist der gebürtige Berliner übrigens von seiner Führungsrolle in Ankara nicht. Er habe sich vorher genau überlegt, zu welcher Mannschaft er wechseln werde, und es habe sich bei Türk Telekom herauskristallisiert, dass er eine tragende Position innerhalb der Mannschaft einnehmen solle (15,5 Punkte und 6 Rebounds im Schnitt).

Auf einen Vergleich der türkischen Liga mit der Basketball-Bundesliga angesprochen ist der Jan-Hendrik Jagla der Meinung, dass in der Türkei „die Teams im oberen Bereich sehr stark“ sind, wahrscheinlich stärker als die Spitzenmannschaften der Bundesliga. Allerdings glaubt er, dass die Bundesliga in der Breite besser besetzt ist, denn die türkischen Vereine, die im unteren Tabellendrittel beheimatet sind, schätzt er nicht bundesligatauglich ein. Seine Türk Telekom aber muss sich mit solchen Problemen nicht befassen, denn sie steht mit Fenerbahce Istanbul an der Tabellenspitze. Im März kämpft das Team von Headcoach Feridun Bilgin im FIBA-Eurocup um den Einzug ins Halbfinale. Gegner ist das starke Team von Virtus Bologna aus der italienischen Lega A. Dass diese Serie kein Zuckerschlecken wird, zeigte schon das erste Spiel, das daheim mit 87:95 verloren ging. Aber Jagla nimmt es wie immer ohne Druck und hofft darauf, dass der Erfolg wieder zurückkehrt.

Genauso glaubt er auch fest an die Deutsche Nationalmannschaft. Als Ziel für die Europameisterschaft gibt er eine Medaille aus. „Wir haben eine Supermannschaft, haben in den letzten Jahren sehr viel erreicht und sind prinzipiell wieder reif für eine Medaille bei der EM. Was dann wirklich daraus wird, ist natürlich nicht vorauszusagen, es kommt auch sehr auf die Tagesform an“; relativiert der 2.13 m große Forward gleich wieder ein bisschen. Aber man merkt, dass er von seinem Nationalteam ebenso überzeugt ist wie von seiner Mannschaft in Ankara. Dieses Selbstvertrauen kann Deutschland bei der EM gut gebrauchen, und Jagla strahlt momentan eine Menge davon aus.


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