Ist Slowenien zu schlagen?22. September 2005

Der ungeschlagene Viertelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft im Blickpunkt

Die Geschichte Sloweniens unter der Schablone der vergangenen Basketball-Europameisterschaften betrachtet, zeichnet ein eindeutig zweigeteiltes Bild. Seit 1993 haben sie keine Europameisterschaft versäumt, haben durch teilweise respektable Ergebnisse in den jeweiligen Qualifikationsrunden und Vorbereitungsspielen so manchem Experten einen waghalsigen Tipps abgerungen, sodass man sagen kann: Die Einschätzung der Spielstärke Sloweniens vor großen Turnieren bewegt sich traditionell zwischen den Kategorien „Favoritenschreck mit Medaillenambitionen“ und  „offensichtlichem Geheimtipp “. Dass die Wirklichkeit einer Europameisterschaft so manche Vorschusslorbeeren verwelken ließ, zeigten die entsprechend enttäuschenden Ergebnisse, die die Slowenen letztendlich bei den Endrunden ablieferten: Bei den letzten 6 EM-Turnieren war die beste Platzierung ein 10. Platz (1999 und 2001). Zu den Gründen für diese ernüchternden Ergebnisse verwiesen Insider immer wieder auf Unerfahrenheit als auch auf mangelndes Teamverständnis, weshalb der slowenische Basketballverband es mit permanenter Aufbruchsstimmung versuchte, in dem er innerhalb von 12 Jahren 6 Trainern die Chance gab, es besser zu machen als ihre jeweiligen Vorgänger.

Und auch dieses Jahr durften die Fachleute zunächst beruhigt von der ewigen Wiederkehr des Gleichen sprechen und sich auf ihren Expertensesseln bequem zurücklehnen. Nach einer souverän gespielten Qualifikationsrunde, in der die Slowenen nur das Rückspiel gegen Frankreich verloren und zumindest teilweise guten Ergebnissen bei den Testspielen (mit Siegen gegen Italien und Serbien und Montenegro), in denen jedoch auch 5 Niederlagen eingesteckt werden mussten (u.a. gegen Russland, Kroatien und Italien), hatte man es erneut gewagt, den Slowenen den Stempel „Geheimfavorit“ aufzudrücken, schließlich spielt neben den drei NBA-Spielern, fast der komplette Rest des Teams in der starken italienischen Liga – doch dieses Mal gaben sich die Kenner des Fachs ein wenig vorsichtiger mit ihren Prognosen, schätzten das slowenische Selbstüberwindungspotential entsprechend hoch ein und so war es vor Turnierbeginn zunächst relativ ruhig um die slowenische Mannschaft geworden. Nach Beendigung der Vorrunde, sprechen die Ergebnisse in Serbien und Montenegro jedoch eine beeindruckend deutliche Sprache. Schon jetzt darf Slowenien mit dem Einzug ins Viertelfinale den größten Erfolg bei einer Europameisterschaft überhaupt feiern.

Die drei siegreichen Vorrundenspiele in der Gruppe C, bei denen die Slowenen Bosnien Herzegowina (74:65), Serbien & Montenegro-Bezwinger Frankreich (68:58) und auch Titelfavorit Griechenland (68:56) relativ deutlich schlagen konnten, sind als das Resultat einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung zu betrachten, in der jeder Akteur seine Rolle im Gesamtgefüge gefunden zu haben scheint. In der von Trainer Ales Pipan gespielten Achterrotation hat bisher keiner der Spieler mehr als 18 Punkte in einem Spiel erzielt, auch stand bei den relativ deutlichen Siegen immer ein anderer Topscorer auf den Scoutinglisten als noch beim Spiel davor, sodass momentan Flügelspieler Bostjan Nachbar, der in der NBA für die New Orleans Hornets auf Korbjagd geht, der beste Punktesammler der Vorrunde ist (13 Pkt pro Spiel, allerdings auch nur 15,4% 3PFG). Beide Guards, Sani Becirovic (Fortitudo Badalona/ITA, 10,7 PPG) als auch Jaka Lakovic (Panathinaikos Athen/GRE, 12,3 PPG) punkteten knapp zweistellig, wobei Letzterer jeden zweiten seiner Dreipunktewürfe bisher getroffen hat, was ihn somit zu den sichersten und gefährlichsten Schützen des Turniers macht.

Das schnörkellose und enorm effektive Angriffsspiel gepaart mit einem enorm hohen physischem Druck in der Verteidigung ließ die Slowenen in den ersten 3 Partien ihre Gegner fast goldverdächtig dominieren. Die athletischen Fähigkeiten und der bedingungslose Einsatzwille machten die Mannschaft um NBA-Champion und Führungsspieler Radoslav Nesterovic (San Antonio Spurs/NBA) zu einem der besten Defense-Teams (im Durchschnitt hat Slowenien gerade mal 59,6 Pkt des Gegners zugelassen) des Turniers. Am Brett ergänzte sich das Cenertrio Nesterovic, Erazem Lorbeck (Fortitudo Bologna) und Primoz Brezec (Charlotte Bobcats/NBA) hervorragend, wodurch Slowenien zum stärksten Reboundteam avancierte; wobei besonders bei Fehlwürfen unter dem slowenischem Korb für die Gegner wenig zu holen war und der Defensivrebound beeindruckend kontrolliert wurde.

Auch wenn man damit rechnen kann, dass zum Viertelfinalspiel gegen Deutschland mehrere Tausend slowenische Fans die belgrader Arena zu einem Heimspiel für Slowenien machen werden, ist die deutsche Mannschaft alles andere als chancenlos. Beide Mannschaften konnten sich bisher auf ihre gute Verteidigung verlassen, sodass ein niedriges Ergebnis zu erwarten ist. Entscheidend könnte sein, welches Team zuerst seinen Rhythmus in der Offensive findet und die wenigen Fehler, die die gegnerische Defense gewährt, besser zu bestrafen weiß. Zumindest Radoslav Nesterovic sieht die Chancen aufs Weiterkommen bei 50:50 und weiß selbst nichts von einer Favoritenrolle seines Teams zu berichten. Recht hat er, denn Favoriten gibt es bei diesen Europameisterschaften nicht mehr, einzig Teams, die ihre Chance nutzen.

Statistiken zur Europameisterschaft auf:

www.fibaeurope.com



Weitere News

20. Juli 2017

U16-Jungen: deutlicher Sieg gegen Tschechien

Ibrahimgic und sein Team siegen mit 102:31

20. Juli 2017

U20-Herren unterliegen Spanien 61:69

Niederlage im EM-Viertelfinale gegen Titelverteidiger

20. Juli 2017

„Teamplayer gesucht: Engagier Dich!“ in Brandenburg

Engagement im Mittelpunkt