Interview mit Elias Harris17. Dezember 2009

DBB-Nationalspieler beantwortet die Fragen von Peter Bieg

Vorweihnachtliche Post ist wahrlich nichts Außergewöhnliches – fast bei jedem von uns trudeln pünktlich zu den Festtagen ein paar Karten, Briefe oder gar Pakete mit Aufmerksamkeiten, Grüßen oder Geschenken ein. Der Basketballverband Rheinland-Pfalz (BVRP) freut sich, in diesem Jahr ganz besondere Post aus den USA bekommen zu haben: In einer ausführlichen Email hat sich der ehemalige Auswahlspieler Elias Harris (Foto), der bis zur vergangenen Saison für die BIS Baskets in Speyer spielte, die Zeit genommen, um von seinem ebenso turbulenten wie erfolgreichen Jahr 2009 zu berichten.

Der 20-jährige A-Nationalspieler aus Speyer beantwortete Peter Bieg – dem Beauftragten für Presse und Öffentlichkeitsarbeit des BVRP – Fragen zu seiner Zeit mit der U-20-Nationalmannschaft, seine Berufung in den A-Kader des DBB, aber auch zu den ersten Wochen in seiner neuen sportlichen Heimat in Spokane (USA), wo er für die „Gonzaga Bulldogs“ in der College-Liga NCAA spielt. Mit großer Aufmerksamkeit und Interesse wird auch in seinem Heimatland verfolgt, wie sich eines der größten BVRP-Talente der vergangenen Jahrzehnte in den USA entwickeln wird. Während der Small Forward bei der EM 2009 in Polen vielversprechende Ansätze zeigte, liefen auch die ersten Spiele in der NCAA und mit bisher 13,3 Punkten und 6,9 Rebounds pro Partie konnte der unheimlich athletische Flügelspieler die meisten Erwartungen sogar klar übertreffen. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Rheinland-Pfälzer weiterhin so hervorragend entwickelt und den Zuschauern und Verantwortlichen in Amerika, aber auch in Deutschland und in seiner Heimat Speyer noch viel Freude bereiten wird. Der BVRP wünscht Elias alles Gute und wird auch in Zukunft genau beobachten, wie der Rohdiamant seinen Schliff erhält.

Elias, seit wann bist Du jetzt in den USA?

Ich bin am 16. September aus Polen von der EM zurückgekommen und Samstags, am 19. September ging es dann ab nach Spokane.

Wohnst Du in einem typischen Wohnheim?

Es ist ein Haus mit mehreren Appartements,  wobei ich mit einem Mitspieler ein 4er Appartement bewohne. Jeder hat sein eigenes Zimmer, gemeinsam teilen wir uns das Badezimmer, eine kleine Küche und ein Wohnzimmer.

Was studierst Du in Gonzaga?

Sportmanagment.

Wieso hast Du Dich letztendlich überhaupt für Gonzaga entschieden?

Es waren mehrere Faktoren ausschlaggebend: Tommy Lloyd, der Co-Trainer hat mich und meine Familie zwei Mal in Deutschland besucht, wodurch ein enger, persönlicher Kontakt entstanden ist. Außerdem ist Gonzaga mit ca. 6.000 Studenten übersichtlich, die Wege auf dem Campus sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad ohne großen Zeitverlust zu bewältigen. Ich hatte auch ein Angebot einer Uni mit über 60.000 Studenten, was mich ganz ehrlich etwas abgeschreckt hat. Darüber hinaus spielt Gonzagas Mannschaft auf  höchstem College-Basketball-Niveau und mir wurde signalisiert, dass ich auf alle Fälle viel Spielzeit erhalten werde, was mir schon immer wichtig war. Die Trainer von Gonzaga haben auch mit den Verantwortlichen beim DBB, hier vor allem Dirk Bauermann, geredet und auch hier sind Absprachen erfolgt.

Was vermisst Du bisher am meisten an Deutschland?

Meine Freundin und meine Familie.

Wie muss sich ein Rheinland-Pfälzer die Gegend in und um Gonzaga vorstellen?

Das Klima ist ähnlich, wobei der Wechsel  vom Spätsommer in den Herbst sehr abrupt war. Und im Winter gibt es wohl hier richtig viel Schnee.
Es gibt einen kleinen Fluss, der sich durch Spokane schlängelt, nicht zu vergleichen mit dem Rhein. Aber ganz ehrlich bin ich bisher nicht viel herumgekommen, da die Uni und das Training meinen Tags- und Wochenablauf bestimmen.

Wie zufrieden bist Du mit dem Verlauf des Sommers und Deiner EM-Teilnahme?

Na ja, von der U 20 EM habe ich mehr erwartet. Leider haben wir in einer starken Vorrundengruppe die wichtigen Spiele knapp verloren und mussten dann gegen den Abstieg spielen. Das war schade, hier wäre sicher mehr drin gewesen. An die U 20 EM hat sich ja dann nahtlos die Vorbereitung für die EM in Polen angeschlossen, anfangs hat mein Körper geflucht und sich Entspannung gewünscht. Nach wenigen Tagen hat mir die Vorbereitung mit der A-Nationalmannschaft aber unheimlich viel Spaß gemacht, spielerische sowie menschliche Erfahrungen gebracht, die ich nicht missen möchte. Die Position, die mir in der A-Nationalmannschaft zugeteilt wurde, war dann ja ein ganz neue, wobei ich mich schnell eingefunden habe und in den Gesprächen mit dem Coach positives Feedback bekam. Dass wir dann leider ausgeschieden sind, war zwar kurz enttäuschend, aber diese neuformierte Mannschaft hat sich doch super verkauft! Von daher bin ich mit einem zufriedenen Gefühl, was diesen Sommer betrifft, nach Amerika aufgebrochen.

Warst Du von Deiner Nominierung und Deinen Einsätzen eher überrascht oder hast Du das kommen gesehen?

Ich habe gehofft, dass es so kommt und auch immer an mich geglaubt. Als allerdings die letzten freien Plätze für die EM vergeben wurden, habe ich schon manchmal etwas gezweifelt, weil die anderen Jungs auch immer ihr Bestes gegeben haben und die Gemeinschaft auch immer besser wurde. Man wünscht keinem, dass er daheimbleiben muss. Sich selbst natürlich auch nicht.

Was war Dein persönliches Highlight in der Zeit mit der Nationalmannschaft?

Es gab einige, wobei ich drei hervorheben kann: Einmal die unerwartet gute Gemeinschaft in unserem Team und dann das Spiel gegen Frankreich mit Tony Parker und Ronny Turiaf (beide spielen in der NBA, Parker für die San Antonio Spurs, Turiaf für die Golden State Warriors, Anm. d. Verfassers). Und als drittes, dass mich Ronny Turiaf, der ja selbst in Gonzaga gespielt hat, mich morgens mal geweckt und sich mit mir über meine neue “Basketballfamilie” unterhalten hat.

Was erwartest Du Dir von Deiner ersten Saison am College?

Erst einmal eine schnelle Integration ins Team. Natürlich wünsche ich mir auch so viel Spielzeit wie möglich. Außerdem möchte ich meinen Schuss verbessern und stabilisieren. Alles andere lasse ich auf mich zukommen.

Wie stark schätzt Du Euer Team ein?

Wir sind ja eine Mischung aus einigen sehr erfahrenen Spielern und recht vielen Freshmen (Spieler in ihrem ersten Jahr am College, Anm. d. Red). Das Team muss sich sicher erst noch finden. Aber wir werden, glaube ich, für einige Überraschungen sorgen und auch die “Big Teams” müssen uns erst einmal schlagen.

Was wird Deine Rolle sein?

Am besten müsste ich das den Trainerstab fragen; nachdem das offizielle Training aber nun seit einiger Zeit läuft und auch die ersten Testspiele hinter uns liegen, werde ich wohl auf der 3 und 4 eingesetzt. Sicher bin ich in der Defense ein stabilisierender Faktor.

Was sind Deine persönlichen Ziele für die erste Saison?

Neben dem Studium, was ja laufen muss, worauf in Gonzaga auch sehr viel Wert gelegt wird, will ich natürlich so viel Spiele wie möglich gewinnen und spielen, spielen, spielen. Das war bei mir schon immer so. Ich schaue nicht gerne zu beim Spiel. Ich stehe lieber auf dem Feld.

Wie bist Du in Gonzaga aufgenommen worden?

Es ist wahrscheinlich für jemanden, der das nicht erlebt hat, fast unvorstellbar. Aber schon bei meinem ersten Besuch in Spokane, nachdem es klar war, dass ich zu den ZAGS gehe, haben mich völlig unbekannte Menschen mit “welcome to the familiy” begrüßt.

Das hat sich auch nicht geändert. Alle, der Trainerstab und Ihre Familien, die Mitspieler, die Menschen an der Uni und die Fans sind durchweg freundlich und hilfsbereit. Es hätte nicht besser sein können.

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