Grandiose Aufholjagd wird nicht belohnt5. September 2007

DBB-Team unterliegt im letzten Spiel der Vorrunde Litauen mit 80:84

Die deutsche Nationalmannschaft der Herren hat in ihrem letzten Spiel der Vorrunde den Gruppensieg verpasst. Die Auswahl von Bundestrainer Dirk Bauermann unterlag in Palma de Mallorca nach einer fulminanten Aufholjagd Litauen mit 80:84 (17:30, 15:19, 25:19, 23:16) und hat damit eine Bilanz von 2:1 Siegen vorzuweisen. Deutschland nimmt als Zweiter der Gruppe C einen Sieg und eine Niederlage in die Zwischenrunde mit.

Bereits vor der Partie hatte Bauermann das Spiel gegen die Litauer als Wegweiser für den weiteren Turnierverlauf ausgemacht. „Litauen gehört zu den Favoriten auf die Medaille. Wir stehen unter Druck, ähnlich gut wie gegen die Türkei zu spielen. Die Partie wird uns zeigen, wo wir wirklich stehen“, so der Headcoach.

Die deutsche Auswahl startete couragiert in die Begegnung und ging nach gut drei Minuten mit zwei Dreiern von Dirk Nowitzki (Foto: FIBA Europe) und Ademola Okulaja mit 9:4 in Führung. Jedoch fanden die Litauer schnell zu ihrem Rhythmus und glichen nach drei erfolgreichen Drei-Punkt-Spielen innerhalb von eineinhalb Minuten zum 13:13 (6. Min.) aus. Jan-Hendrik Jagla sorgte im Gegenzug für das 15:13, jedoch kam die DBB-Auswahl in der Folge mit der guten Verteidigung der Balten, die besonders Nowitzki in die Zange nahmen, nicht zurecht und brauchten zu lange, um zum Abschluss zu kommen. Ein Dreier von Darjus Lavrinovic zur litauischen 16:15-Führung (7. Min.) läutete 17:2-Lauf der Litauer ein. Insbesondere die traditionell starken Distanzschützen der litauischen Mannschaft kamen zu oft frei zum Wurf. Die beiden Dreier von NBA-Spieler Linas Kleiza und Ramunas Siskauskas in den letzten 35 Sekunden machten den 30:17-Viertelstand für Litauen perfekt.  

Im 2. Spielabschnitt setzte Litauen die aggressive Verteidigung fort und baute den Vorsprung durch ein weiteres Drei-Punkt-Spiel auf 16 Punkte aus (33:17, 12. Min.). Die Deutschen gerieten in der Offensive unter Zeitdruck und hatten sichtlich Probleme, zu freien Würfen zu kommen und hatten sogar nach gewonnen Offensivrebounds Pech im Abschluss (13. Min.). Zwei Freiwürfe von Dirk Nowitzki in der 14. Spielminute bedeuteten die ersten deutschen Punkte nach fünf Minuten ohne Korberfolg. Bis auf einen Korbleger von Steffen Hamann (25:40, 16. Min.) und einen Dreier von Robert Garrett (30:44, 19. Min.) erzielte das deutsche Team keinen Korb aus dem Feld. Alle weiteren Punkte im 2. Viertel musste sich Deutschland von der Freiwurflinie erarbeiten. Die deutschen Spieler bewiesen ein ruhiges Händchen, konnten aber in der Defensive nicht verhindern, dass Litauen den Vorsprung zur Halbzeit weiter erhöhte. Mit 32:49 lag das DBB-Team nach 20 Minuten zurück. Deutschland hatte in der ersten Hälfte Schwierigkeiten, gegen die physische Spielweise der Litauer dagegen zu halten und verlor die Reboundstatistik deutlich mit 17:26. Aus der Distanz traf Deutschland nur drei Würfe aus 16 Versuchen, wohingegen die Litauer eine Trefferquote von 50 Prozent aus dem Feld vorweisen konnten. Guard Sarunas Jasikevicius präsentierte sich als Kopf einer ausgeglichenen litauischen Mannschaft und setzte seine Mitspieler mehrfach durch schöne Pässe in Szene.

Nach der Pause zeigte sich das deutsche Team nachlässig im Passspiel und ließ die Balten zu leichten Ballgewinnen kommen. Nach einem Drei-Punkt-Spiel von Darjus Lavrinovic gerieten die Mannen von Dirk Bauermann erstmals mit über 20 Punkten in Rückstand (35:56, 23. Min.), fanden nun aber durch viel Einsatz ins Spiel. Fünf Punkte von Nowitzki in Folge zum 44:60 (25. Min.) ließen Hoffnung aufkommen. Nach zwei weiteren Dreiern von Robert Garrett (Foto) und Pascal Roller zum 50:62 (27. Min.) sowie nach vier Punkten durch Okulaja und Roller in den letzten Sekunden des 3. Viertels zum 57:68 schien die Mannschaft endgültig in der Partie angekommen. Der Ehrgeiz war geweckt.

Ein 11:2-Lauf in den ersten Minuten des Schlussviertels, darunter Dreier von Herber, Nowitzki und Roller, setzte die deutsche Aufholjagd fort. Mit dem 68:70 (33. Min.) kam die DBB-Auswahl bis auf zwei Punkte heran. Aus einem klaren Vorsprung Litauens war eine enge, spannende Begegnung geworden. Durch routiniertes Spiel zogen die Litauer wieder auf neun Punkte davon (79:70, 38. Min.), doch eine engagierte Leistung in der Verteidigung ließ die Deutschen wieder vom Gruppensieg träumen. Dirk Nowitzki bewies Willen und präsentierte sich erneut als absoluter Führungsspieler des deutschen Teams. In der 38. Spielminute verkürzte er auf 75:79. Nach einem Dreier des NBA-Stars  sowie zwei Freiwürfen lag seine Mannschaft 11 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit nur noch mit 80:81 zurück. Auf der Gegenseite traf Darius Songaila nach einem taktischen Foul der Deutschen nur einen Freiwurf. Ademola Okulaja hatte die Möglichkeit, seine Mannschaft in die Verlängerung zu führen, beging jedoch bei seinem Zug zum Korb ein Offensivfoul. Zwei getroffene Freiwürfe des ehemaligen Bundesliga-Spielers Rimantas Kaukenas machten den 84:80-Endstand für Litauen perfekt.

Das deutsche Team zeigte in der Begegnung zwei verschiedene Gesichter. Während die Mannschaft sich in der ersten Hälfte gegen die Litauer kaum Chancen erarbeitete und Probleme hatte, das flüssige Spiel des Gegners zu unterbinden, spielte sie in der zweiten Hälfte sehr viel Herz und Einsatz. Mit mehr Mut und Ruhe in Angriff und Verteidigung brachten sich die Deutschen zurück ins Spiel, auch dank Dirk Nowitzki, der Deutschland mit 28 Punkten und 9 Rebounds anführte.

Die heutige Vorstellung macht Mut auf die Zwischenrunde in Madrid, die für das Team von Dirk Bauermann ab Samstag beginnt. Der Bundestrainer zeigte sich von der Energieleistung seiner Schützlinge begeistert: „Wir haben uns mit großer Intensität in der Verteidigung und Qualität im Angriff zurückgekämpft. Glückwünsche für die zweite Spielhälfte sind okay, trotzdem gibt es keine guten Niederlagen. Wenn wir in der ersten Hälfte in der ein oder anderen Situation ruhiger und disziplinierter agiert hätten, wäre die Chance auf einen Sieg größer gewesen.“

Für Deutschland spielten:
Mithat Demirel (ohne Verein), Patrick Femerling (ALBA Berlin, 4), Robert Garrett (Brose Baskets, 10), Demond Greene (Brose Baskets, 5), Guido Grünheid (dnp, Hanzevast Capitals Groningen/Niederlande), Steffen Hamann (Brose Baskets, 8), Johannes Herber (ALBA Berlin, 3), Jan-Hendrik Jagla (Joventut Badalona/Spanien, 2), Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks, 28), Ademola Okulaja (Brose Baskets, 12), Pascal Roller (Deutsche Bank Skyliners, 8), Stephen Arigbabu (Olimpia Larissa/Griechenland).


Alle weiteren Informationen zur Europameisterschaft finden Sie auf der offiziellen Homepage www.eurobasket2007.org.

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