FINALE!!!23. September 2005

DBB-Herren schaffen die Sensation gegen Spanien

Die deutsche Herren-Nationalmannschaft hat ihr Halbfinalspiel bei der Europameisterschaft in Serbien und Montenegro sensationell gewonnen. Gegen den hohen Favoriten aus Spanien siegte das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann in einem wahren Basketballkrimi mit 74:73 (34:35). Damit trifft Deutschland am Sonntag im Endspiel um die Goldmedaille auf Griechenland (So, 20.45 Uhr, live im DSF), das zuvor in einem ähnlich dramatischen Spiel Frankreich mit  67:66 besiegen konnte.

Die ersten Punkte der Partie gab´s für die Spanier durch den eher klein gewachsenen Center Felipe Reyes (2,03m). Und auch der Topscorer der EM, Juan Carlos Navarro, war sogleich mit seiner ersten Korbaktion erfolgreich (0:4)  Doch Marko Pesic und Dirk Nowitzki trafen ebenfalls ihre ersten Würfe und stellten die erste deutsche Führung her (5:4, 3. Minute). Die Spanier wirkten zunächst stark im Angriff und konnten vor allem am Brett sicher punkten, indem sie aggressiv ihren Fehlwürfen hinterhergingen und in der Anfangsphase einige Offenivrebounds eroberten. Das deutsche Team hielt in Gestalt von Marko Pesic anfangs dagegen (11:11, 6. Minute). Im Angriff hatten die Schützlinge von Bundestrainer Dirk Bauermann jedoch vermehrt Schwierigkeiten, ihren Rhythmus zu finden. Die Aufbauspieler wurden gut zugemacht und auch Nowitzki bekam keine offenen Würfe. Erst als Mithat Demirel einen eher unorthodoxen Korbleger traf, legte auch Nowitzki einen Dreier drauf (16:19, 8. Minute). Die Spanier agierten weiterhin sehr ballsicher und spielten fast perfekt ihre Angriffe aus. Navarro zog abermals pfeilschnell zum Korb und stellte den 16:23 Zwischenstand nach dem 1. Viertel her.

Weiterhin zogen die Spanier schnell und aggressiv zum Korb und provozierten dabei viele Fouls. Bundestrainer Dirk Bauermann stellte auf Zonenverteidigung um. Doch die spanischen Spieler wirkten immer einen Schritt schneller (18:27, 13. Minute). Sven Schultze sorgte vorne für Entlastung und traf per Dreier gegen die spanische Ball-Raum-Verteidigung. Durch vermehrte Nachlässigkeiten im Defensivrebound (10:22 Rebounds in der 1. Spielhälfte) bekamen die Iberer immer wieder zweite Wurfmöglichkeiten und konnten so punkten. Aber Dirk Nowitzki machte seinem Ruf alle Ehre und streute zweimal in Folge von jenseits der 6,25-Marke (27:31, 16. Minute), und als sich Robert Garrett ebenfalls von außen ein Herz nahm, war das Spiel, bei nur noch einem Punkt Rückstand für die deutsche Mannschaft, schlagartig wieder völlig offen. Es entstanden erste Unsicherheiten bei den Spaniern, die nicht mehr so souverän wirkten wie noch in der Anfangsphase, doch auch das DBB-Team konnte zunächst nicht nachlegen. Aus dem Feld ging auf beiden Seiten wenig, da beide Verteidigungsreihen gut arbeiteten. Pascal Roller brach den Bann mit einem erneuten Dreipunktewurf – Deutschland führte. Doch der abgezockte Topguard vom FC Barcelona, Juan Carlos Navarro, zog weiter Fouls und konnte gewohnt sicher seine Punkte von der Freiwurflinie (insgesamt 15/16 FT) zum 34:35-Halbzeitstand erzielen.

Spanien kam besser aus der Kabine und baute seinen Vorsprung aus. Wie schon in der 1. Hälfte war es Marco Pesic, der die deutsche Mannschaft im Spiel hielt (36:40, 23. Minute) und auch Roller (3/5 3PFG) traf, mit Hand im Gesicht, von Draußen. Die Mannschaft von Trainer Mario Pesquera kontrollierte weiterhin die Bretter, antizipierte hervorragend die Abpraller der eigenen Fehlwürfe und von der Linie machte immer wieder Navarro seine Punkte (39:45, 25. Minute). Das 22jährige Centertalent, Fran Vasquez, wurde nun immer stärker und schenkte den Deutschen ein ums andere mal schmerzhaft ein. Endlich bekam das DBB-Team Nowitzki in eine Wurfsituation, die er sogleich zum Dreier nutzen konnte und auch Pascal Roller traf. Nach feinem Pass von Demirel (6 Assists) kam Patrick Femerling zu einfachen Punkten. Plötzlich war es wieder nur ein Punkt Rückstand. Als dann auch noch Mithat Demirel seinen Dreier versenkte, führte die deutsche Mannschaft wieder (52:50, 29. Minute). Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, denn auch die Spanier spielten weiter stark und konnten durch gelungene Aktionen mit 54:57 ins letzte Viertel gehen.

Demond Greene fand seinen Wurf wieder, glich zu Beginn des 4. Viertels aus und leitete einen furiosen 10:0-Lauf der deutschen Nationalmannschaft ein. Pascal Roller penetrierte dynamisch zum Korb und entdeckte in Stephen Arigbabu einen großen Mann unterm Korb, der sicher eincheckte. Als dann auch noch Dirk Nowitzki einen seiner Wahnsinnsdreier (5/10 3PFG) ins Gesicht von Garbajosa versenkte, führte das deutsche Team sogar mit 62:57. Die Verteidigung stand nun besser. Nowitzki lief jetzt heiß und traf weitere drei Sprungwürfe zum zwischenzeitlichen 68:59 (34. Minute). Doch Spanien blieb dran (70:63, 37. Minute). Während der Druck in der Defense nochmals erhöht wurde, traf Navarro (insgesamt 27 Pkt) weiterhin zielsicher und verkürzte gar auf 72:69 (39. Minute). Die Pressdeckung der Spanier zeigte Wirkung und forcierte einige Ballverluste, sodass es 40 Sekunden vor dem Ende 72:71 stand. 15 Sekunden vor Schluss traf der überragende Navarro zur spanischen Führung, doch Nowitzki entschied das direkte Duell der EM-Superstars für sich und versenkte seinen Jumpshot 3 Sekunden vor der Schlusssirene gegen zwei spanische Verteidiger zum 74:73-Endstand. Zwar hieß es nochmals Zittern beim letzten Dreipunkteversuch der Spanier, doch der Ball prallte vom Ring ab und so konnten die deutschen Spieler ihrem grenzenlosen Jubel freien Lauf lassen.

Deutschland:
Stephen Arigbabu (Forward/Center, 2,06 m, ALBA Berlin, 2), Mithat Demirel (Guard, 1,82 m, Besiktas Istanbul/Türkei, 5), Robert Garrett (Guard, 1,93 m, Navigo.it Teramo/Italien, 4), Demond Greene (Guard, 1,85 m, ALBA Berlin, 3), Robert Maras (Center, 2,15 m, CSF Sevilla/Spanien), Dirk Nowitzki (Forward, 2,13 m, Dallas Mavericks/USA, 27), Marko Pesic (Guard, 1,98 m, RheinEnergie Köln, 6), Pascal Roller(Guard, 1,80 m, Deutsche Bank Skyliners, 9), Sven Schultze (Forward, 2,06 m, Armani Mailand/Italien, 3), Denis Wucherer (Guard, 1,95 m, Telindus Oostende/Belgien, ), Patrick Femerling (Center, 2,13 m, Panathinakos Athen/Griechenland, 7), Misan Nikagbatse (Guard, 1,95 m, Vertical Vision Cantu/Italien).

Stimmen:

Dirk Bauermann: „Ich habe der Mannschaft von vorne herein viel zugetraut. Sie hat alles was man braucht. Wieder war es heute ein toller Sieg. Denis Wucherer hat es bspw. geschafft, seine Fähigkeiten abzurufen. Und erneut haben wir heute überragend verteidigt. Beim letzten Angriff wollten wir nicht foulen und haben den Verteidiger des Einwerfers nach hinten abgezogen. Das haben die Jungs richgtig gut gemacht, auch wenn man ein wenig Glück dabei haben muss. Griechenland kennen wir ja schon sehr gut aus der Vorbereitung. Natürlich sind beide Mannschaften müde, und es ist nicht zu erwarten, dass es 90:90 ausgeht. Es kommt nur darauf an, einen mehr zu machen als die anderen.“

Dirk Nowitzki: „In der ersten Halbzeit sah es nicht so gut aus. In der 2. Hälfte haben wir gekämpft und besser ins Spiel gefunden. Mal schauen was morgen geht. Beim letzten Wurf wollte ich nicht erst mit der Schlusssirene werfen, damit wir noch eine Chance auf den Rebound haben. Jetzt ist alles drin. Die Griechen sind eine sehr gute Mannschaft und waren schon vor dem Turnier einer meiner Favoriten. Aber es ist alles möglich.“

Statistik unter:

www.eurobasket2005.com 
 
 

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