Dirk Bauermann ist neuer Bundestrainer2. Dezember 2003

Vertrag zunächst bis 2007
Der Deutsche Basketball Bund (DBB) hat einen neuen Bundestrainer für seine Herren-Nationalmannschaft. Dirk Bauermann (geb. 10. Dezember 1957, Oberhausen) übernimmt diese Funktion ab sofort (1. Dezember 2003), bleibt aber bis 2005 in Personalunion auch Trainer beim Deutschen Vizemeister GHP Bamberg. Der Vertrag als Bundestrainer läuft zunächst bis zur Europameisterschaft 2007 und verlängert sich automatisch um ein Jahr bei erfolgreicher Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking.

„Wir sind sehr froh, einen Trainer der absoluten europäischen Spitzenklasse verpflichtet zu haben. Dirk hat in seiner Trainerkarriere alle Paletten seines Berufes erlebt und ist ein kompletter Trainer. Er ist immer noch unglaublich engagiert und verfolgt seine Ziele hartnäckig. Außerdem verfügt er durch seine Persönlichkeit über einen sehr guten Draht zu den Spielern. Durch die Auswahl eines deutschen Trainers haben wir ein Zeichen gesetzt. Mit Dirk Bauermann streben wir zunächst die erfolgreiche Qualifikation zur EM 2005 in Belgrad an. Als großes Fernziel steht Olympia 2008“, meinte Dr. Wolfgang Hilgert, DBB-Vizepräsident für Leistungssport, zum neuen Bundestrainer.

„Ich freue mich sehr auf diese große persönliche und professionelle Herausforderung. Es muss uns gelingen, alle Kräfte zu bündeln und drei Ziele zu erreichen: 1. konstant gutes Abschneiden der A-Nationalmannschaft bei internationalen Wettkämpfen, 2. Optimierung der Ausbildung junger Spieler und erfolgreicheres Abschneiden aller anderen Nationalmannschaften, 3. Verbesserung der Trainer-Ausbildung, insbesondere junger potenzieller deutscher Spitzentrainer“, hat der neue Bundestrainer Dirk Bauermann bereits genaue Vorstellungen seiner Ziele beim DBB.

Portrait Dirk Bauermann (teilweise entnommen aus dem Munzinger-Archiv)

Die aktive Laufbahn des Dirk Bauermann war relativ kurz. Zwischen 1975 und 1981 spielte der Aufbauspieler mit seinem Klub BBC Krefeld sogar in der Regionalliga. Zu Beginn der achtziger Jahre verbrachte er einige Zeit als Student in den USA, wobei er zeitweilig für die Fresno State University in Kalifornien spielte.

1982 kehrte Dirk Bauermann nach Deutschland zurück und begann seine Trainer-Tätigkeit – zunächst als Nachwuchstrainer bei seinem Krefelder Ex-Klub BBC, dann im Jugendbereich bei Bayer 04 Leverkusen, wo er auch die zweite Herren-Mannschaft betreute. Nachdem er 1986 den A-Trainer-Schein des Deutschen Basketball Bundes (DBB) erworben hatte, zog es ihn wieder nach Kalifornien. Er wurde Assistenztrainer an der Fresno State University und sammelte in dieser Zeit wertvolle Erfahrungen.

Nach zwei Jahren in den USA führte ihn sein Weg wieder zurück nach Deutschland, und Dirk Bauermann landete neuerlich in Leverkusen. Bis 1989 arbeitete er als Assistenztrainer von Jim Kelly, dem amerikanischen Chefcoach der Bayer-Mannschaft, ehe er in der Saison 1989/90 etwas überraschend dessen Nachfolge antrat. Der junge Trainer hatte sofort Erfolg: 1990 errang er das Double und wurde von den Trainerkollegen zum Trainer des Jahres gewählt. Denselben Dreifach-Erfolg konnte Bauermann 1991 erzielen. Nachdem die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen den deutschen Meistertitel praktisch im Abonnement abholte, wurde für Coach Dirk Bauermann das Erreichen einer Europacup-Endrunde das ganz große sportliche Ziel, an dem er allerdings mehrfach knapp scheiterte.

Wie sehr seine Arbeit seitens des DBB inzwischen geschätzt wurde, zeigte die Tatsache, dass der Leverkusen-Coach im Frühjahr 1994 zum neuen, interimistischen deutschen Bundestrainer bestellt wurde. Nach der WM in Toronto kehrte er wieder ausschließlich auf die Bayer-Trainerbank zurück (bis März 1998).

Auf ein neues Engagement musste Dirk Bauermann nicht lange warten. Er übernahm den belgischen Erstligisten Sunair Oostende, mit dem er in der Meisterschaft den Einzug unter die letzten vier schaffte und im Korac-Cup erst im Semifinale am rnadrilenischen Club Estudiantes scheiterte. Nach einer Saison entschied sich der 42-Jährige für ein weiteres Angebot aus dem Ausland und unterzeichnete einen Vertrag beim griechischen Erstliga-Absteiger Apollon Patras. Das geplante dreijährige Engagement in Griechenland endete bereits nach sieben Monaten vorzeitig, da Bauermann durch Intrigen im Hintergrund systematisch das Vertrauen entzogen wurde.

Nach einer Auszeit von ein paar Monaten kehrte Dirk Bauermann bereits im Sommer in die Basketball-Szene zurück, denn er übernahm für eine Spielzeit das Coaching des Bundesligisten Brandt Hagen.

Wieder war Dirk Bauermann einige Monate ohne Trainerstelle, vertrieb sich die Zeit als DSF-Experte, arbeitete als Gast-Dozent an der Kölner Sporthochschule und landete im Sommer 2001 zum zweiten Mal in seiner Trainer-Karriere in Griechenland. Die Arbeit beim griechischen Erstligisten war diesmal von noch kürzerer Dauer, denn bereits im Herbst 2001 endete nach vier Meisterschaftsrunden und einer ausgeglichenen Bilanz (2:2) sein zweites Hellas-Gastspiel erneut vorzeitig.

Dirk Bauermann bekam aber noch während der Saison 2001/02 unverhofft die nächste Chance, als Bundesligist TSK Bamberg plötzlich ohne Trainer dastand. Bauermann fand bei den Franken ein Team vor, das seinen Vorstellungen von Basketball eher entsprach als dessen unmittelbare Vorgänger. Jedenfalls setzte die Mannschaft sein Konzept in geradezu idealer Weise um, beendete die Meisterschaft nach einer tollen Siegesserie noch auf Rang sieben und lieferte im Viertelfinale dem großen Favoriten auf den Titel, den Telekom Baskets aus Bonn, eine beherzte Serie, die erst im entscheidenden fünften Spiel verloren ging. Die Rehabilitierung war dem Rheinländer im Frankenland gelungen, und daher wurde sein Vertrag sogleich um ein weiteres Jahr verlängert. In der Spielzeit 2002/2003 war er mit seiner Mannschaft sogar noch erfolgreicher und wurde Deutscher Vizemeister.

Dirk Bauermann stammt aus Oberhausen, wollte ursprünglich Lehrer werden und begann nach dem Abitur die Fächer Sport und Englisch für das Lehramt der Sekundarstufe II zu studieren. Nach dem ersten Staatsexamen in Aachen trat er die fällige Referendarzeit allerdings nicht mehr an und entschied sich, die weitere berufliche Ausbildung zu Gunsten seiner Basketball-Ambitionen aufzugeben. Privat lebt Dirk Bauermann seit 1989 in Köln – zusammen mit seiner Ehefrau Kerstin und Tochter Kim (geboren 1992).

Dirk Bauermann
bis 1981: BBC Krefeld (Nachwuchs)
1983 – 1986: Bayer 04 Leverkusen (Jugend und 2. Herren)
1986 – 1988: Fresno State University/USA (Assistenztrainer)
1988/89: Bayer 04 Leverkusen (Assistenztrainer)
1989 – 1998: Bayer 04 Leverkusen (Cheftrainer)
1994: interimistischer DBB-Bundestrainer
1998/99: Sunair Oostende
1999/2000: Apollon Patras (2. Liga)
2000/2001: Brandt Hagen
Herbst 2001: Dafni Athen (1. Liga)
seit 2001: TSK Bamberg, jetzt GHP Bamberg

Stationen als Trainer:

Erfolge als Trainer:
Deutscher Meister 1990, 1991, 1992, 1993, 1994, 1995, 1996
Deutscher Vizemeister 2003
Deutscher Pokalsieger 1990, 1991, 1993, 1995
WM-Zwölfter 1994
Europapokal 1991 – 1996 (jeweils vor Play-offs gescheitert)
Europapokal 1997 (Final Eight verpasst)
Semifinalist Korac-Cup 1998
Trainer des Jahres 1990, 1991, 2002/2003

Bisherige Bilanz als Bundestrainer:
– 20 Spiele, 9 Siege, 11 Niederlagen, 1.572:1.633 Korbpunkte
– 1. Spiel als Bundestrainer am 25. Juni 1994 in Ulm gegen Tschechien: 80:87
– bisher letztes Spiel als Bundestrainer am 13. August in Hamilton gegen Brasilien: 71:93
– höchster Sieg: 07. August 1994 in Toronto gegen Ägypten: 78:56
– höchste Niederlage: 26. Juli 1994 in Charlotte gegen die USA: 81:114

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