DBB-Herren: Starke Vorstellung gegen die Türkei27. August 2009

74:67-Sieg beim EFES PILSEN WORLD CUP – 6.000 enthusiastische Zuschauer in der Atatürk Arena in Ankara – Hohe Foulbelastung wird zum Problem
Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft der Herren ist mit einer starken Vorstellung in den EFES PILSEN WORLD CUP in Ankara/Türkei gestartet. Im Auftaktspiel gegen die Gastgeber gewann das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann mit 74:67 (24:24, 17:13, 15:18, 18:12) und wusste über weite Strecken der Partie zu überzeugen. Morgen spielt die deutsche Mannschaft um 20.00 Uhr MESZ gegen Kroatien, das die Türkei am ersten Spieltag mit 82:77 schlagen konnte. Damit haben Deutschland und Kroatien vorzeitig das Halbfinale am Samstag erreicht.

Die DBB-Auswahl spielte ohne Tibor Pleiß und Yassin Idbihi und startete mit Steffen Hamann, Demond Greene, Robin Benzing, Jan-Hendrik Jagla (Foto) und Patrick Femerling. An alter Wirkungsstätte – er spielte ein Jahr lang in Ankara – begann vor allem Jagla hochmotiviert und erzielte die ersten sechs deutschen Punkte (6:9, 4. Min.), zwei davon per „Alley oop“ nach Anspiel von Hamann. In der Defense mangelte es in der  mit rund 6.000 Zuschauern restlos ausverkauften und extrem lauten Halle aber vor allem an der Bewachung der türkischen Distanzschützen, denn gleich vier Dreier fielen anfangs in den deutschen Korb. Doch der etatmäßige türkische Aufbauspieler Kerem Tunceri hatte bereits nach fünf Minuten drei Fouls auf seinem Konto (9:14). Hektisch wurde es, als Tunceri und Schultze aneinander gerieten und beide mit einem technischen Foul bestraft wurden (6. Min.). Schultze traf den ersten deutschen Dreier zum 13:17. Laut Statistik blieben die deutschen Spieler in den ersten acht (!) Minuten ohne jeden Rebound! Als Tim Ohlbrecht endlich diesen „Bann“ brach, stand es 18:20 nach einem Dreier von Konrad Wysocki (9. Min.). Kurz vor Viertelende traf Jagla zur 24:22-Führung. Die deutsche Mannschaft war voll im Spiel, musste aber in letzter Sekunde noch den Ausgleich hinnehmen.

Lucca Staiger kam in die Partie und versenkte direkt einen Dreier zum 27:24, ein wichtiges Erfolgserlebnis für den zuletzt unglücklich agierenden Youngster. Eine Zeit lang blieb es bei einer knappen Führung für das DBB-Team, das sich jetzt auch in der Defense besser organisierte. Greene traf per Dreier zum 32:26 (14. Min.), und die Türken wirkten in dieser Phase etwas ratlos. Hamann beging sein drittes Foul, Heiko Schaffartzik übernahm die „Leitung“ des deutschen Spiels und punktete sofort. Die Top-Stars der Türken, Hidayet Türkoglu und Ersan Iljasova, hatten bis dato kaum eine Rolle gespielt (36:30, 16. Min.). Die ING-DiBa-Korbjäger lebten von einer starken Wurfquote und hatten jetzt auch im Rebound aufgeholt. Allerdings machte die Foulbelastung auf deutscher Seite etwas Sorgen (Benzing 3, 17. Min.). In den letzten Minuten vor dem Seitenwechsel wachten Türkoglu und Ilyasova langsam auf und brachten ihre Mannschaft etwas heran (40:37, 19. Min.), aber nach 20 Minuten behaupteten die Bauermänner ihre Führung (41:37) und „kontrollierten“ nach Aussage von DBB-Sportdirektor Steven Clauss das Spiel. 

Das 3. Viertel begann wenig verheißungsvoll, denn Hamann unterlief nach wenigen Sekunden sein 4. Foul. Schaffartzik (Foto) kam erneut und tat das, was er dann meistens tut: punkten (43:37, 22. Min.). Benzing legte per Dreier zum 46:39 nach, und Jagla erhöhte gar auf 48:39 (23. Min.). Erzürnt rief Bogdan Tanjevic, Headcoach der Türken, seine Mannen zur Auszeit. Auch Femerling und Schaffartzik kassierten ihre jeweils 3. Fouls. Die Türken verkürzten – angetrieben von ihren enthusiastischen Fans – den Rückstand etwas (49:44, 26. Min.) und kämpften verbissen gegen das vorzeitige Ausscheiden beim eigenen Turnier. Doch noch immer führten die Deutschen, bei denen in dieser Phase offensiv aber nicht viel zusammen lief (49:47, 27. Min., Türkoglu). Schultze und Hamann sorgten mit ihren Punkten für etwas Durchatmen, doch mittlerweile hatten sechs deutsche Spieler jeweils drei Fouls „gesammelt“ (53:49, 29. Min.). Die Partie stand jetzt auf der Kippe, Ilyasova erzielte den 53:53-Ausgleich, Schultze und Benzing begingen ihre 4. Fouls und Benzing musste kurz später das Spielfeld mit der Höchstfoulzahl verlassen. Noch vor dem Viertelende übernahmen die Türken in der „Hölle von Ankara“ die Führung (53:55), wurden aber mit der Schlusssirene durch einen Dreier von Wysocki gekontert (56:55).
 
Der zweieinhalb Viertel lang völlig untergetauchte türkische Distanzschütze Öner Onan, der zu Beginn drei schnelle Dreier getroffen hatte, meldete sich jetzt zurück und traf von „downtown“ zum 58:58-Ausgleich (31. Min.). Ilyasova sorgte für die türkische Führung (58:62, 32. Min.), und Bauermann nahm eine Auszeit, um seine Mannen vor einem drohenden Einbruch zu bewahren. Der blieb dann auch aus, denn die deutschen Spieler mobilisierten die letzten Kräfte, mussten aber das 4. Foul von Schaffartzik hinnehmen. Jagla warf hundertprozentig im Zweierbereich (6/6), traf aber einfach nicht aus der Dreier-Distanz (0/5). So blieb es bei einem knappen Rückstand für die DBB-Auswahl. Die Amosphäre wurde hitziger (Technisches Foul Jagla, Unsportliches Foul Onan), aber Deutschland blieb dran und kam durch Hamann zum erneuten Ausgleich (63:63, 36. Min.). Nach Femerlings Freiwurftreffer traf Schaffartzik seinen ersten Dreier, und plötzlich führte das DBB-Team wieder mit 67:63. Es wurde hochdramatisch, aber als Sven Schultze 90 Sekunden vor dem Ende per Dreier zum 72:66 traf, schien eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Femerling schied 44 Sekunden vor dem Ende mit fünf Fouls aus, aber zwei erfolgreiche Freiwürfe von Jagla 26 Sekunden vor Schluss (74:67) ließen dann nichts mehr anbrennen.

„Das war eine sehr starke Mannschaftsleistung. Jeder Spieler, der aufs Feld kam, hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Es war ein ruppiges, typisch europäisches Spiel, in dem wir auch in kritischen Phasen immer die Ruhe bewahrt haben. Es war ein erfreulicher Abend, der aber überhaupt nichts an unserer Zielsetzung ändert. Es bleibt dabei, jeder Sieg bei der EM ist ein großer Erfolg“, sagte Dirk Bauermann.

Für Deutschland spielten:
Lucca Staiger (Iowa State University/USA, 3), Heiko Schaffartzik (New Yorker Phantoms Braunschweig, 12), Sven Schultze (ohne Verein, 8), Konrad Wysocki (ohne Verein, 6), Steffen Hamann (ALBA Berlin, 5), Demond Greene (ohne Verein, 8), Per Günther (ratiopharm Ulm, dnp), Patrick Femerling (ohne Verein, 6), Jan-Hendrik Jagla (ohne Verein, 16), Tim Ohlbrecht (ohne Verein, 2), Robin Benzing (ratiopharm Ulm, 5), Elias Harris (Gonzaga University/USA/BiS Baskets Speyer, 3).

Hier finden Sie mehr Informationen: www.efesworldcup.com

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