DBB-Herren vor der EM-Qualifikation31. August 2004

Kurzportraits der einzelnen Spieler
Am Mittwoch, 8. September 2004, beginnt für die deutsche Herren-Nationalmannschaft die EM-Qualifikation mit der schwierigen Partie in der Ukraine. Im folgenden finden Sie die Kurzporträts der deutschen Spieler:

Die Guards:

Der Neunationalspieler Steffen Hamann vom letzten Jahr reift in diesem Sommer langsam zum Leistungsträger im Nationalteam. So ließ er Allen Iverson im Spiel Deutschland gegen USA mehrmals blass aussehen. Der 23-jährige „Terrier“ verkörpert die Spielphilosophie von Dirk Bauermann: Er fühlt sich in der Defense und beim Fast Break am wohlsten. Mit seinem Heimverein GHP Bamberg und unter Anleitung von Dirk Bauermann errang er so 2003 und 2004 die Vizemeisterschaft. Für den gebürtigen Bamberger kam es beim Supercup zu drei Heimspielen der besonderen Art: er konnte endlich auch „seinem“ Publikum zeigen, dass er dazu in der Lage ist auch das Nationalteam zu dirigieren.
Die Karriere von Misan Nikagbatse im Nationalteam begann bei der WM 2002, als er ob seiner spektakulären Spielweise und der damit verbundenen Punktausbeute auffiel. Danach fiel der 22-Jährige in ein verletzungsbedingtes Leistungstief, aus dem er sich nun langsam wieder herausarbeitet. Symptomatisch dafür war sein Auftritt beim Supercup, wo er teilweise zu alter Stärke zurückfinden konnte. Die letzte Saison verbrachte er mit Stephen Arigbabu zusammen beim MBC; dort kam er auf knapp zehn Punkte pro Spiel. Diese beiden Spieler zieht es nun nach Italien, sie fanden in „Roseto Basket“ ihren neuen Verein. Anfang des Sommers litt Nikagbatse noch an einer Knöchelverletzung, die nun aber auskuriert ist, so dass er wieder für Deutschland auflaufen kann.
Mit Denis Wucherer fand ein „alter Bekannter“ von Dirk Bauermann den Weg zurück ins Nationalteam. Die beiden errangen in gemeinsamen Leverkusener Zeiten zusammen vier Deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Letzte Saison führte der 31-Jährige die Bayer Giants mit durchschnittlich 20 Punkten, 4,7 Assists und 5,1 Rebounds wieder geradewegs in die Playoffs. Unter anderem diese Werte machen ihn zu einem der besten Spieler in der Bundesliga, in der ihm sein Ruf als knallharter Verteidiger mit gutem Schuss und starkem Zug zum Korb vorauseilt. Diese Eigenschaften konnte er mit in das Nationalteam einbringen, zum Beispiel in Form von elf Punkten in zwölf Minuten gegen Lettland. Der Guard rechtfertigte bisher seine Nominierung.
Laut Teamkollegen Denis Wucherer befand sich Demond Greene die vergangene Saison „in the zone“, er überzeugte mit unglaublicher Leistung. Mit seinen 20,5 Punkten pro Spiel war er bester deutscher Scorer der gesamten BBL. Doch nicht nur mit diesen Qualitäten, sondern auch mit seinem außergewöhnlichen Spielverständnis weiß der athletische Spieler zu überzeugen. Unter Henrik Dettmann kam er nur auf drei Einsätze in der A-Nationalmannschaft, nun, wiedergenesen nach kurzweiliger Verletzung, zeigt er auch in der deutschen Auswahl, was in ihm steckt: gegen Lettland steuerte er 17 Punkte bei, gegen Frankreich traf er sogar nervenstark die beiden siegentscheidenden Freiwürfe. Auch beim Turnier in Istanbul gehörte er zu den stärksten deutschen Spielern.
Mit Robert Garrett findet sich ein aktueller Deutscher Meister in Reihen der Spieler, letzte Saison lief er noch für die Opel Skyliners in Frankfurt auf. Nach Erringen des Meisterschaftspokals verschlägt es ihn aber nach Italien, sein neuer Verein ist nun Pompea Neapel. Auch er entspringt den „jungen Wilden“ um Dirk Nowitzki, die 98/99 in Würzburg für Furore sorgten. Nach überzeugender Bundesligasaison (Topscorer der Skyliners), die für ihn auf Grund einer Verletzung beinahe tragisch endete, zeigte er in den bereits bestrittenen Spielen seinen großen Einsatz und Siegeswillen, gepaart mit dem nötigen „Korbhunger“.
Letztes Jahr noch war der „ewige Albatros“ Stefano „Nino“ Garris bei der EM 2003 einer der Wenigen, die eine konstante Leistung aufweisen konnten. Diesen Sommer spielt der 25-Jährige auch unter dem neuen Coach eine wichtige Rolle besonders in der Verteidigung. Doch beim Turnier in Istanbul bewies der Zwei-Meter-Guard, dass er auch mit seinen Punkten Spiele entscheidend beeinflussen kann.
In der 26. Minute des Spiels Deutschland-Estland (30. Juli) kam es für Johannes Herber zum Länderspiel-Debüt, in dem er sogleich drei Punkte zum Sieg beisteuerte. Der „Rookie“ verbrachte die letzte Saison in den Staaten, wo er sich für die West Virginia University zum Leistungsträger mauserte. Mit seinen 21 Jahren ist er noch recht jung und soll nun von Dirk Bauermann langsam an das Nationalteam herangeführt werden. Bisher macht er im Kreis der Nationalmannschaft einen glänzenden Eindruck.
Mithat Demirel konnte aufgrund von Verletzung und anschließender Regeneration in diesem Sommer noch nicht im Nationalteam mitwirken. Ob er noch rechtzeitig zur EM-Qualifikation fit wird, ist derzeit noch nicht sicher. Wenn, dann ist er mit seinem Spielwitz und seiner Erfahrung sicher eine Bereicherung für die Nationalmannschaft.

Die Forwards:

Muss man zu Dirk Nowitzki noch viel schreiben? Der NBA-Star hat sich auch in diesem Sommer bei seinen Auftritten in Trier und in Köln wieder schnell ins Nationalteam eingefügt und dort sofort mit Top-Leistungen überzeugt. Er hebt die Mannschaft auf ein anderes Niveau, ist aber weit davon entfernt, sich als Alleinunterhalter zu geben und zu betrachten. Bisher ist es noch keinem Gegner gelungen, einen geeigneten Verteidiger für den 26-jährigen Ausnahmespieler zu finden. So darf man getrost damit rechnen, dass er in der EM-Qualifikation für viele wichtige deutsche Punkte sorgen wird.
Ademola Okulaja ist schon weit herumgekommen. Er spielte bei Vereinen in Deutschland, Italien, Spanien und am College in den USA. Eins war überall gleich: sein Ruf als Kämpfer, der durch seinen Einsatz nahezu jedes Team besser macht. Der 29-Jährige markiert zwar 10,3 Punkte im Schnitt für die deutsche Auswahl, doch ist es nicht nur das, was ihn so unverzichtbar macht. Seine Reboundarbeit, sein Kampf um jeden Ball und sein unglaublich physisches Spiel machen ihn wichtig und gaben ihm den Beinamen „The Warrior“. Auch in diesem Sommer scheint er wieder bereit mit den Deutschen zu „kämpfen“, die bisher 15,5 Punkte im Schnitt und seine überragende Leistung beim Supercup sind deutliche Anzeichen dafür.
Mit Branko Klepac und Jan Hendrik Jagla hat Bundestrainer Dirk Bauermann zwei hoffnungsvolle Ergänzungsspieler nominiert. Der 23-jährige Jagla ist der Prototyp eines modernen Forwards: groß, beweglich und technisch versiert. Die letzten Jahre verbrachte er am College in den USA, spielte für die Penn State Nittany Lions, ist dort sogar „go-to-guy“ gewesen. Jetzt versucht er sein Glück in Europa beim griechischen Erstligaaufsteiger Panellionis Athen.
Branko Klepac gehört nach zwei Jahren erstmalig wieder zum Kader der deutschen Nationalmannschaft. Der 2,07m große Flügelcenter hatte in der Vergangenheit oft mit Verletzungen zu kämpfen, sein Nasenbruch machte ihn bei seinem Verein, den Telekom Baskets Bonn, als „der Mann mit der Maske“ bekannt. Trotz dieser Verletzungen kam der 24-Jährige letzte Saison auf 5,5 Punkte und 3,4 Rebounds pro Spiel. Wenn sie gesund bleiben, können sowohl Klepac als auch Jan Jagla zu guten Alternativen auf ihrer Position werden. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind durch die Einsätze in den Spielen dieses Sommers schon getan.

Die Center:

Nach wie vor der dominierendste und erfahrenste Center im Team ist Patrick Femerling. Der „old school“-Spieler besitzt viel internationale Erfahrung, mit der er den Deutschen immer wieder weiter hilft. Der frisch Verheiratete ist mit seinen 2,15 m und 115 kg oftmals nur schwer zu stoppen. Zusammen mit Dirk Nowitzki und Ademola Okulaja bildet der 29-Jährige das dominierende Trio der Nationalmannschaft. Zwar war er dieses Jahr zum Teil Opfer eigener Leistungsschwankungen, aber in Bamberg gegen die Türkei und auch beim Turnier in Istanbul bewies er eindrucksvoll, dass mit ihm zu rechnen ist.
Auch Stephen Arigbabu wartet mit seinen 32 Jahren mit viel Erfahrung unterm Korb auf. Er ist ein variabler Spieler, der sowohl unterm Korb als auch auf der Power Forward Position eingesetzt werden kann. Wie auch schon die abgelaufene verbringt er auch die kommende Saison mit Misan Nikagbatse. Zusammen mit dem MBC erlitten sie ein Wechselbad der Gefühle: sie gewannen den FIBA Europe Cup und mussten die Insolvenz des Vereins miterleben. Trotz dieser verworrenen Saison glänzte Arigbabu mit 11,5 Punkten und 6,9 Rebounds pro Spiel. Für die kommende Saison wird er sein Lager in Italien bei Roseto Basket aufschlagen. Insgesamt zeigte der langjährige Nationalspieler (seit 1990) diesen Sommer die von ihm gewohnt souveräne Leistung.
Nach der Langzeitverletzung von Robert Maras (Kreuzbandriss) musste sich Dirk Bauermann einen neuen Center suchen, der diese Lücke zumindest ansatzweise füllen kann. Er fand ihn im 21-jährigen Nachwuchstalent Dirk Mädrich, der zuvor nur in der zweiten Bundesliga bei SG Braunschweig aufgefallen war. Bauermann hält offensichtlich große Stücke auf ihn, er steht für die kommende Saison auch bei GHP Bamberg unter Vertrag. Mädrich deutete bei seinen bisherigen Einsätzen im Nationaltrikot an, welches Potenzial in ihm steckt.

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