Ademola Okulaja bei BC Khimki Moskau4. April 2007

Größte Hürde Meldebogen
Er ist einer der Globetrotter in der deutschen Nationalmannschaft. Ademola Okulaja stand schon in fünf verschiedenen Ländern unter Vertrag. Momentan ist er für den BC Khimki Moskau, derzeit Tabellendritter (Stand 3. April 2007) in der russischen Superliga, aktiv. Aber nicht nur, dass er oft in ein neues Land wechselt, auch innerhalb Spaniens hat er beispielsweise bei vier unterschiedlichen Vereinen gespielt. Nur sein Traum, der Sprung in die NBA; hat sich nie verwirklichen lassen, ansonsten hat Ademola Okulaja aber schon so ziemlich alles erreicht, was ein Basketballspieler gewinnen kann. Über seine derzeitige Situation in Russland und die Pläne mit der Nationalmannschaft im Sommer hat er sich mit uns unterhalten.

Frage: Seit eineinhalb Jahren spielen Sie jetzt bei Khimki Moskau, wie gefällt es Ihnen dort?
Antwort: Es ist schon ganz schön hier. Ich bin sehr schnell in Moskau, obwohl Khimki ja ein Vorort ist, allerdings dauert es bei dem schrecklichen Verkehr, der hier herrscht, meistens doch eine Stunde bis ins Zentrum. Dieses Jahr hatte ich etwas Glück mit dem Winter, der nicht so hart war wie im vergangenen Jahr. Aber trotzdem hatten wir Ende Februar noch –25 Grad. Anfang März waren es dann aber sogar mal +5 Grad. Der Winter kam aber insgesamt hier sehr spät, was mich natürlich gefreut hat.

Frage: Wenn man an Russland denkt, hat manch einer ja immer noch Klischees im Kopf von tristen Riesenstraßen, Plattenbauten, grauen Häusern etc. Entkräften Sie doch einmal diese Vorurteile, oder ist die Vorstellung richtig?
Antwort: Eigentlich ist es hier genauso, wie Sie es gerade geschildert haben. Es ist grau, die Städte bestehen fast nur aus Plattenbauten, das stimmt schon alles. Aber auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich wirklich platt war, nachdem ich das erste Mal in eine Wohnung in einem solchen Plattenbau geführt wurde. Das war eine 1A-Wohnung, die mit neuesten Designermöbeln eingerichtet war. Natürlich sind nicht alle gleich, aber sehr viele Wohnungen sind im Inneren sehr stilvoll eingerichtet und toll gepflegt.

Frage: Wie sieht es denn sportlich bei Ihnen momentan aus? Sind Sie mit ihrer Rolle in der Mannschaft zufrieden?
Antwort: Da ging es in den letzten Wochen etwas drüber und drunter. Wir hatten jetzt bei Khimki zwei, drei Chaos-Wochen und zwei Trainerwechsel in kürzester Zeit. Zu meiner persönlichen Situation kann ich sagen, dass ich leider nicht sehr viel spiele, aber wenn ich mal ran darf, spiele ich gut (Bisher wurde Okulaja bei zwölf von 22 Ligaspielen eingesetzt. In seiner durchschnittlichen Spielzeit von 21 Minuten erzielte er 9,2 Punkte bei einer Quote von 50 Prozent innerhalb der Zone und einer 35-prozentigen Dreierquote). Meine geringe Spielzeit liegt vor allem daran, dass es hier in Russland die Regel gibt, dass immer zwei Russen auf dem Feld stehen müssen und auf dem Meldebogen für ein Spiel höchstens fünf Ausländer stehen dürfen. Das würde ja an sich noch gehen, aber wir haben zwei ausländische Center, die gesetzt sind, und zwei amerikanische Point Guards, die ebenfalls immer auf dem Bogen stehen. Das heißt, es bleibt noch ein Ausländerplatz, um den ich mich mit noch zwei anderen Spielern streiten muss. Somit ist meine größte Hürde momentan der Meldebogen, denn bei einem Einsatz habe ich gute Statistiken und gebe alles. Der Verein gefällt mir auch wirklich sehr gut, alles ist sehr professionell. Nur, dass ich nicht so viel spiele, wie ich eigentlich wollte, stört mich etwas. Man könnte natürlich auch sagen, ich bin im Hinblick auf die EM ausgeruhter als viele andere Spieler.

Frage: Ist dann damit zu rechnen, dass Sie Khimki nach der Saison den Rücken kehren?
Antwort: Um darauf eine Antwort zu geben, ist es noch zu früh. Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Dann werde ich entscheiden, was passiert. Sicherlich ist es nicht so, dass mich sportlich gesehen sehr viel hält in Khimki, aber das kann sich ja auch wieder ändern. Ich habe mich aber noch nicht nach anderen Angeboten umgesehen.

Frage: Wie sieht es denn mit Ihren Russisch-Kenntnissen aus?
Antwort: Oh je, also, ich habe gleich am Anfang gesagt, Russisch lerne ich nicht. Ich lerne eigentlich sehr gerne Sprachen, aber bei Russisch hört es auf. Ich brauche auch gar kein Russisch, denn unser erster Coach hat immer Spanisch mit uns gesprochen, und das spreche ich ja seit meiner Zeit dort fließend, so dass für die Mannschaft keine Notwendigkeit bestand, Russisch zu lernen.

Frage: Vor der EM stehen ja noch einige Testspiele in Deutschland auf dem Programm. Freuen Sie sich auf eine Begegnung besonders?
Antwort: Das wird eine tolle Sache in Deutschland. In allen drei Städten sind die Hallen super, vor allem Hamburg hat eine Spitzenarena. Und die Halle in Bamberg ist sicher wieder total ausverkauft, das macht einen Riesenspaß. Auch von der SAP ARENA habe ich tolle Dinge gehört und freue mich auf das Spiel dort. Außerdem ist es immer wieder schön meine Mannschaftskollegen zu treffen.

Frage: Was möchten Sie mit der Mannschaft in Spanien erreichen?
Antwort: Unser erstes Ziel ist sicher die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008. Das sollten wir so schnell wie möglich schaffen. Das zweite Ziel ist dann der Titel, da arbeiten wir ja schon länger drauf hin. Ich würde mir wirklich sehr einen Titel wünschen, das ist natürlich das größte Ziel in Spanien.

Frage: Was sehen Sie persönlich als Ihre Hauptaufgabe bei der EM an?
Antwort: Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben, werde scoren und hoffentlich viele Rebounds holen. Außerdem werde ich wahrscheinlich versuchen, den besten Gegenspieler des jeweiligen Teams zu verteidigen oder aus dem Spiel zu halten. Unser Team agiert sehr mannschaftsdienlich, da spielt sich keiner in den Vordergrund, jeder erledigt seine Aufgaben.

Frage: Teilen Sie die Bedenken einiger Skeptiker, dass nach der jetzigen Generation die Nationalmannschaft wieder in der Versenkung verschwinden könnte, weil keine talentierten Spieler nachkommen?
Antwort: Das ist sicher eine Schwierigkeit, die man nicht wegdiskutieren kann, wir bekommen voraussichtlich Nachwuchsprobleme. Zur Zeit sehe ich in Deutschland auch noch keinen Spieler, der auf dem Niveau eines Mithat Demirel oder eines Dirk Nowitzki mithält. Das kann natürlich noch kommen, und wir spielen ja auch noch eine gewisse Zeit in dieser Besetzung zusammen, aber momentan sind wir sicher eine der stärkeren deutschen Mannschaften.

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