Sophie von Saldern „bewegt“ den DBB-Bundestag2. Juli 2004

Interessanter Vortrag in Düsseldorf

Nationalspielerin Sophie von Saldern hat die Delegierten des DBB-Bundestages mit einem emotionalen Vortrag „bewegt“, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:

(Sophie von Saldern beginnt ihre Rede nach dem Zeigen eines Filmes, in dem ein Mädchen träumt Basketballspielerin zu werden).

I have a dream

Wir haben gerade ein kleines Mädchen gesehen. Mit einem großen Traum: Sie möchte Basketballspielerin werden. Ich kenne sie, und ich weiß, dass dieses Mädchen diesen Traum hat. Denn ich bin Patin ihrer Mannschaft. Ihr Traum ist der gleiche, den ich einst hatte. Am Anfang meiner Basketball-Karriere. Es hat im Laufe der Zeit bei mir eine Vielzahl von Träumen gegeben.

Und wenn ich heute auf mehr als 20 Jahre Basketball zurückschaue, kann ich sagen: Die meisten davon habe ich verwirklichen können, und dafür bin ich sehr dankbar. Auch dafür dankbar, dass ich immer Menschen an meiner Seite hatte, die mir dabei geholfen haben. Einige von ihnen sind übrigens heute hier.

Man hat mich gebeten, etwas zum Stellenwert des Basketballs zu sagen. Sozusagen die internationale Sichtweise beizusteuern. Ich tu das gerne. Sie erlauben mir sicher, dass ich das auf meine Weise mache. Ich hatte in der Tat die Gelegenheit, durch Basketball die Welt kennen zu lernen. Ich habe in fünf verschiedenen Ländern gespielt. Ich habe Sprachen gelernt und habe im Laufe der Jahre viele grossartige Menschen kennen und schätzen gelernt.

Ich habe auch gelernt, mit Erfolg umzugehen und ebenso mit Misserfolg und hab erfahren, wie Leistung entsteht. Wessen es bedarf. Und auf welch´ unterschiedliche Weise Leistung Anerkennung finden kann. So unterschiedlich, wie die Länder und die Orte, an denen ich gespielt habe.

Der jeweilige Stellenwert des Basketballs ist natürlich abhängig von der Einbettung in die jeweilige Kultur, von der allgemeinen und der sportartspezifischen Historie. Über den Stellenwert von Basketball in den USA müssen wir, denke ich, nicht lange reden. Das Beeindruckendste für mich war jedoch die Wertschätzung, die den Personen, die diesen Sport ausüben, also auch den Frauen, entgegengebracht wird. Diese Wertschätzung ist völlig unabhängig von jedweder ökonomischen Dimension. Gerade im College und in der Highschool wird in diesem engen Sinne nichts produziert. Sie folgt hauptsächlich dem Gedanken des fairen, respektvollen Umgangs miteinander. Das ist übrigens generell im Sport in den USA so.

Ähnliches gilt für Australien. Auch, oder gerade vor dem Hintergrund eines in jeder Hinsicht sehr eingeschränkten Marktes. Zwar ein großer Kontinent. Basketballstrukturell gesehen jedoch ein kleines Land. Mit ein paar Clubs. Einem exzellenten Institut des Spitzensports. Das war’s. Dennoch: Der Sport und seine Athletinnen genießen allerhöchsten Respekt. Athletinnen, die leistungsstark und mit großer Arbeitsethik ausgestattet in jeder Liga der Welt hochwillkommen sind, und auch zum Teil ihr Land repräsentieren.

In Süd-Europa funktioniert das Ganze etwas anders. Zunächst einmal sind es Länder mit einer im Alltagsleben durchaus zu spürenden Art von „Machismo“. Dies gilt in gewisser Weise auch für den Sport. Insbesondere im Hinblick auf Verhaltensweisen. Hat aber überhaupt keinen Einfluß auf die grundsätzliche Wertschätzung und den Stellenwert von Sport und Athletinnen. Der Bedingungsrahmen bei den Frauen ist nicht so stark durch Marketing geprägt wie z.B. in den USA, insbesondere durch die WNBA. Dennoch gibt es einen Markt. Es gibt Sponsoren. Es gibt TV. Es gibt Geld.

Und es gibt vor allem eines: Spielerinnen, die stolz auf das sind, was sie tun. Umfelder, die ihnen große Anerkennung entgegenbringen. Stolze, selbstbewusste Spanierinnen und Italienerinnen. Junge Frauen, die nicht im Entferntesten auf die Idee kommen würden, sich dafür, dass sie Basketball spielen, rechtfertigen zu müssen. Mit diesem Selbstbewusstsein müssen selbst die besten ausländischen Spielerinnen erst einmal lernen umzugehen.

Und niemand würde beispielsweise eine A-Naionalspielerin bitten, mit einer 20 Kilo schweren Tasche bei der Anreise zum Lehrgang den Bus 576 zur Haltestelle Schwimmbad in Mailand oder Madrid zu nehmen, um die um die anfallenden Taxikosten von ca. 7 Euro einzusparen…

Wenn ich nun die Unterschiede zwischen diesen Ländern und Deutschland beschreiben sollte, dann kann ich sagen, dass natürlich die wirtschaftlichen Verhältnisse andere sind, oder es den ein oder anderen Leistungsunterschied in der Spitze gibt, aber was ich durchgängig festgestellt habe, ist, dass in den erwähnten nicht-deutschen Ländern alle Basketballspielerinnen in hohem Masse akzeptiert werden.

Ich hab mich manchmal dabei erwischt, dass ich diesen Stellenwert meines Sportes in diesen Ländern sehr genossen habe. Basketball hat mir auch die Möglichkeiten eröffnet, den Traum von einer qualifizierten Ausbildung als Basis für mein späteres Leben zu realisieren. Ich habe, auch mit Hilfe von Basketball, zwei Studien während dieser Zeit beenden können. Der Sport hat mich darüber hinaus in sehr spezifischer Weise für das Berufsleben vorbereitet. Auch einer der Träume, der zwar nicht von Anfang an da war, aber dennoch irgendwann entstanden ist, und verwirklicht werden konnte.

Einige wenige meiner Träume sind, zumindest bislang, unerfüllt geblieben. Aber: Ich habe ja noch Zeit. Und es geht mir dabei wie vielen anderen Menschen: Manche Träume sind groß. Manche klein. Manche sind wichtig für viele. Manche sind nur wichtig für einen.

Manchmal wird ein Traum weltbekannt. Wie z. B. der von Dr. Martin Luther King: „I have a dream“.

Manchmal bleiben Träume auch sehr persönlich. Sehr privat. Und dringen nicht nach außen.
Ich habe auch einen solchen Traum. Nicht sehr groß. Aber vielleicht wichtig. Nicht unbedingt für meine Gegenwart. Aber vielleicht für die Zukunft. z.B. für die des kleinen Mädchens aus unserem Film.

Ich freu mich, dass Sie mir heute die Gelegenheit geben, diesen Traum mit Ihnen zu teilen. Vielleicht auch deshalb, weil sie mir möglicherweise bei der Erfüllung dieses Traumes helfen können. Denn er hat etwas mit uns allen zu tun. Und auch ein wenig mit den Erfahrungen, die ich Ihnen geschildert habe.

Ich habe den Traum:

Dass in Zukunft alle jungen Mädchen, die BB spielen möchten, ein Umfeld zur Verfügung haben, das ihnen hilft ihr Ziel zu erreichen. Hallen. Qualifizierte Trainer. Menschen, die sie auf ihrem Wege begleiten.

Ich habe den Traum:

Dass sich in Zukunft keine Basketballspielerin mehr dafür rechtfertigen muss, dass sie diesen Sport ausübt. Dass ihr viel öfter ein Satz begegnet wie: „Oh, you are a professional athlete? That’s great!“ Am besten auf Deutsch. Hier. Egal in welcher Stadt. Dass sie nicht misstrauisch und kritisch angeschaut wird, wenn sie erwähnt, dass sie mit Basketball auch noch ihren Lebensunterhalt verdient.

Ich habe den Traum:

Dass sich in Zukunft jede Basketballspielerin mit Selbstverständlichkeit zugehörig zur großen Basketballwelt in Deutschland fühlen kann. Und dass sie nicht das Gefühl vermittelt bekommt, ein Exot zu sein.

Ich habe den Traum:

Dass all die Menschen, die sich im weiblichen Bereich engagieren, nicht belächelt werden. Physiotherapeuten, Trainer, Ärzte, Manager, Funktionäre. Menschen, die ihre Zeit, ihre Ambition, ihre Energie in unseren Sport hineintragen. Und dabei nicht sofort nach dem „Return-on-Investment“ fragen.

Ich habe den Traum:

Dass jede Basketballspielerin von allen in unserer gemeinsamen Basketballwelt so anerkannt, gefördert und geschätzt wird, als ob es die eigene Tochter wäre. Und ganz am Ende träume ich davon, dass Sie ein wenig darüber nachdenken. Und wir schon beim nächsten Bundestag des DBB darüber nicht mehr sprechen müssen.

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