Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs im Dunkelfeld7. März 2013

Hintergrund
Etwa 6,4% der Mädchen und 1,3% der Jungen werden vor ihrem 16. Lebensjahr Opfer sexuellen Missbrauchs (vgl. Stadler, Bieneck & Pfeiffer 2011). Jährlich finden etwa 12 000 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs über eine Anzeige Eingang in die polizeiliche Kriminalstatistik (vgl. PKS-Zeitreihen 1987-2010). Experten sind sich jedoch einig, dass die meisten Übergriffe im so genannten Dunkelfeld stattfinden und damit nicht justizbekannt werden.
Ein Hauptrisikofaktor für die Begehung von Missbrauchsdelikten an Kindern ist das Vorliegen einer sexuellen Präferenzstörung im Sinne einer Pädophilie. Menschen, die sich sexuell zu Kindern oder Jugendlichen hingezogen fühlen, unterliegen einem besonderen Risiko, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu verüben.
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge haben bis zu ein Prozent der Männer auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien. Demnach fühlen sich in Deutschland ca. 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sexuell zu Kindern hingezogen.

Das Problem
Die Ursachen einer Pädophilie sind weitgehend unbekannt. Tatsache dagegen ist, dass viele der Betroffenen – in der großen Mehrheit Männer – erhebliche Schwierigkeiten haben, mit ihrer sexuellen Präferenz zu leben. In der Regel treten Unsicherheiten oder Ängste auf, wenn sie ihre Neigung erstmals bemerken. Viele erkennen das Auftreten sexueller Gedanken an Kinder als Problem und wissen, dass deren Umsetzung tabu ist. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, mit diesem Wissen umzugehen. Die Neigung belastet Beziehungen zu (Sexual-)Partnern oder macht sie oft unmöglich. Fest steht: Es kann zu vielfältigen Problemen in der normalen Lebensführung kommen. Vielen gelingt es nicht, ihre Neigungen dauerhaft zu kontrollieren. Sie nutzen Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) und/oder begehen sexuelle Übergriffe auf Kinder. Diese Handlungen haben nicht nur für die Opfer schwerwiegende körperliche und seelische Folgen, sondern sind zudem Straftaten, die erhebliche gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Bisher fehlte es in der Regel an sachkundigen und vertrauensvollen Ansprechpartnern, die den Betroffenen helfen, verantwortungsvoll mit ihrer Neigung zu leben. Dies kann nur gelingen, wenn professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität stattfindet.

Das Präventionsprojekt Dunkelfeld
Um therapeutische Präventionsmaßnahmen für potentielle Täter zu etablieren, die im Dunkelfeld greifen und wirksam werden, bevor es zu sexuellen Übergriffen kommt, wurde 2005 das Projekt “Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld” (PPD) am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité ins Leben gerufen. Das Projekt bietet ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet zu verhindern.
Mithilfe einer PR- und Medienkampagne werden Menschen, die auf Kinder bezogene sexuelle Impulse verspüren, auf diese vorbeugende Therapiemöglichkeit aufmerksam gemacht. Das Motto der Kampagne lautet: „Damit aus Fantasien keine Taten werden!“ Die Botschaft: „Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen Gefühlen, aber du bist verantwortlich für dein sexuelles Verhalten! Es gibt Hilfe! Werde kein Täter!“
Einbezogen in das Therapieprogramm werden Interessenten, die hinsichtlich ihrer Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und von sich aus und ohne gerichtlichen Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen.
Die Therapie integriert psychotherapeutische, sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze, die die Möglichkeit einer medikamentösen Unterstützung beinhalten.

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“
Der Berliner Standort des Präventionsprojektes Dunkelfeld ist Initiator und Koordinator des deutschlandweiten Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“. Das Projekt startete im Jahre 2005 in Berlin und umfasst mittlerweile mehrere deutsche Standorte. Weitere Anlaufstellen sind geplant. Dabei garantiert das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ gemeinsame Qualitätsstandards. Ziel ist es, ein bundesweites, flächendeckendes therapeutisches Angebot zur Etablierung der primären Prävention sexueller Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen aufzubauen.
Alle Kontaktdaten und Informationen zu den Ambulanzen des Projektes in Deutschland finden Sie unter www.kein-taeter-werden.de

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