Liebesgrüße aus Moskau17. August 2005

Deutsches Streetbasketballteam auf dem Vormarsch

Der September diesen Jahres wird aller Voraussicht nach nicht ohne Eintrag in die Basketballgeschichtsbücher vorüber ziehen. Während die deutschen A-Nationalmannschaften bei den Europameisterschaften in der Türkei bzw. in Serbien-Montengro auf Korbjagt gehen, treffen sich die besten europäischen Streetballer dieses Jahr in Moskau, um beim ‘European Champions Cup’ das abgezockteste Straßenballteam zu ermitteln. Die schillernden Farben des Deutschen Basketball Bundes werden dieses Mal vom amtierenden nationalen Streetball-Champion, den ‘BiggiSmalls’, vertreten, die sich beim letztjährigen Qualifikationsturnier, den ‘German Streetball Championships’ in Berlin durchsetzen konnten.

Im Finale trafen sie dort auf einen alltbekannten Gegner, ‘The Illest’, der sich seinerseits schon durch diverse lokale Titel als auch durch eine Teilnahme bei der 1.(inoffiziellen) Weltmeisterschaft 2003 in Italien einen Namen machen konnte. Heikel an diesem hochkarätigen Endspiel: Die Mitglieder beider Teams gehen normalerweise gemeinsam auf Korbjagt und versuchen den Berliner Traditionsverein, den DBV Charlottenburg in höhere Tabellenregionen der 2.Regionalliga Nord/Ost zu führen. Und so mussten nicht nur kurzzeitig die vereinskameradschaftliche Solidarität gekündigt, sondern auch schnell ein paar neue Moves kreiert werden, um die alltbekannten Gegenspieler ordentlich ‘nass’ zu machen. Nach klassischem Erfolgsrezept von “edler Einfalt und stiller Größe” triumphierten die cleverer agierenden ‘Biggi SMALLS’ über ihre jüngeren Vereinskameraden und sicherten sich somit nicht nur den deutschen Meistertitel, sondern lösten gleichzeitig ihr Ticket für die Reise in die russische Hauptstadt.

Der “besondere Lifestyle, der sich erst beim Spiel 3gegen3 äußert” und der damit einhergehende “Ausdruck eines ganz bestimmten Lebensgefühls”, wie es ein Szeneinsider von ‘The Illest’ einst treffend formulierte, ist auch für die “grundsätzlich unterm Hallendach groß gewordenen” Jungs von den ‘Biggi SMALLS’ ein Grund mehr, “bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Weg nach draußen zu suchen”, wie der Kapitän des amtierenden deutschen Meisters, André Gerlach, versichert.

Doch Streetbasketball ist nicht nur eine Spaßveranstaltung, bei der man sich vom Basketballalltag Abwechslung verschafft. Jene subkulturelle Erscheinungsform des ordinären Hallensports zeichnet sich gegenüber ihrer ursprünglichen Form bekanntlich nicht nur durch leicht abgeänderte Spielregeln aus. Auch der Umgang mit einer gesunden Portion physischer Härte will dabei gelernt sein. “Beim wirklichen Straßenbasketball geht es hart zur Sache. Da muss man seine Emotionen im Griff haben”, sagt der 31-jährige Gerlach, der schon einige Oberligameisterschaften und Landespokalsiege für sich verbuchen kann. Und so wird sicherlich, neben ersten schnellen Schritten und geschmeidigen Cross-Over-Dribblings, ebenso das physische Spiel beim Turnier in Moskau eine entscheidende Rolle spielen. Denn vor allem die beiden angesetzten Gastgebermannschaften, die sich normalerweise in einer gut gesponserten, halb-professionellen Streetballszene einige Rubel dazu verdienen, werden als ernst zu nehmende Gegner eingestuft.

Man darf gespannt sein, wie sich die Charlottenburger Jungs auf russischem Asphalt schlagen. Auch die gängigen Psychotricks wollen entsprechend europäischem Niveau adäquat angepasst sein. Da muss die berüchtigte ‘Berliner Schnauze’ mal eben um ein paar international verständlichere, sprich englische Redewendungen erweitert, womöglich fix ein bewährtes Basketball-Mixtape in den Videorekorder geschoben und fleißig einige kesse Trash-Talk-Sprüche von den Lippen der Meister notiert werden, damit im multikulturellen Wettkampf nichts schief geht.

Neben den ehemaligen Zweitligaspielern Daniel Hönicke und Roman von Glowacki, die nicht nur unter den Körben für Unruhe sorgen, “sondern auch von draußen starke Schützen sind und die Gegner vor einige Probleme stellen sollen”, so ihr Kapitän, ist Aufbauspieler Oliver Schneider der vierte und jüngste im Team der ‘BiggiSmalls’. Aufgrund der in Moskau beschränkten Teilnehmerzahl, wird der in Berlin noch als Spieler aufgelaufene Kai Zimmermann seine Mannschaft als Coach von der Seitenlinie unterstützen.

Der Spielmodus des ‘European Champions`Cup’ bleibt überschaubar. An zwei Tagen (3./4.September) wird zunächst in zwei Gruppen á fünf Mannschaften gespielt, wobei der letzte jeder Gruppe den weiteren Verlauf des Turniers bequem vom Spielfeldrand beobachten darf. Die restlichen Teams spielen im K.O.-System über Kreuz den offiziellen ‘European Champion’ aus. “Grundlegend Potential haben wir. Wir müssen es nur abrufen”, gibt sich Kapitän Gerlach erwartungsfroh und hofft auch etwas “von der sicherlich interessanten Stadt Moskau sehen zu können”, von der er schon viel Interessantes gehört hat.

Ansonsten steht im Oktober (01./02.10.2005) auch schon das nächste Highlight auf dem Programm. Zum zwölften Mal richtet dann der Deutsche Basketball Bund die ‘German Streetbasketball Championship’ aus. Also auch hier wieder eine Chance für alle Freunde des heißen Asphalts, sich mit den Besten ihrer Zunft zu messen; vielleicht auch wieder mit den Jungs von den ‘Biggi SMALLS’.

Bildzeile:
V.li.: Roman von Glowacki, Kai Zimmermann, André Gerlach, Daniel Hönicke. Es fehlt: Oliver Schneider.

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