Landesverbände auf dem Weg zum Bundesjugendlager28. September 2012

In der kommenden Woche zieht sie wieder los, die große „Karawane“ Richtung Heidelberg zum Bundesjugendlager (BJL, 3.-6. Oktober 2012 – wir berichteten). Aus allen Himmelsrichtungen, und vor allem aus allen Landesverbänden werden wieder junge Korbjäger/innen (Jg. ´98) zum Olympiastützpunkt Rhein-Neckar entsendet, um sich dort vor den Bundes- und Landestrainern zu präsentieren und für die weitere Kaderförderung zu empfehlen.

Wir haben einmal drei Landesverbände – den WBV, Bayern und Berlin – exemplarisch herausgegriffen und uns mit deren Landestrainern über die Förderung der Kinder in den Landesverbänden in Richtung Bundesjugendlager unterhalten.

Der größte LV – der Westdeutsche Basketball-Verband – beginnt seine Förderung mit der ersten Sichtung im Alter von elf Jahren, also etwa drei Jahre vor dem Bundesjugendlager. „Dann wird in unseren vier Regional-Stützpunkten vorgesichtet. Die Vereine erhalten zuvor die Sichtungsinfo und beschicken die Sichtungen dann mit ihren Spielerinnen und Spielern. Darüber hinaus gibt es natürlich auch den direkten Kontakt des Landestrainers oder der regionalen Trainer mit den Youngstern, ob bei Spielen oder häufig auch bei Trainingsbesuchen“, beginnt Michael Kasch (Foto oben Mitte, hauptamtlicher WBV-Landestrainer, seine Erklärungen.

Anfangs handele es sich um offene Sichtungen, nach denen erste Schulungsmaßnahmen (alle zwei bis drei Monate für einen Tag) angeboten werden. Pro regionalem Stützpunkt werden schließlich je 12 bis 14 Kinder pro Geschlecht gesichtet, die in regionalen Auswahlteams beim Stützpunktturnier zwei Jahre vor dem BJL gegeneinander spielen. Bei diesem Turnier suchen sich dann die jeweiligen Kadertrainer ihre Spielerinnen und Spieler für die kommenden Maßnahmen aus. „Das System bleibt aber für Quereinsteiger/innen immer offen“, betont Kasch. Man erlebe es immer wieder, dass sogar drei Monate vor dem BJL noch neue Korbjäger/innen zu den Kadern stoßen.

Zum Zeitpunkt des Stützpunktturnieres werden auch die Eltern erstmals mit ausführlichen Informationen über die Pläne für ihre Kinder versorgt. Ein Punkt, den alle drei von uns befragten Landestrainer als besonders wichtig herausstellten. Im ersten Jahr der weiteren Förderung finden im WBV ausschließlich Tagesmaßnahmen statt, meist samstags mit zwei Trainingseinheiten, möglichst einmal im Monat. „Dann trainieren wir Grundlagen auf hohem Niveau, keinerlei Teamtaktik“, erläutert Kasch weiter. In diese Zeit fällt auch das gemeinsame Projekt von ING-DiBa und DBB, Talente mit Perspektive, das „einen großen Effekt hat, ganz besonders in Richtung Motivation der Kinder“.

Am Ende des ersten echten Förderjahres macht der WBV seinen Kader-Athlet/innen das Angebot eines elftägigen Sommercamps, das bereits mehrfach in Frankreich und zuletzt auf Usedom stattfand. Dort steht der Spaß im Vordergrund, gleichzeitig ist das freiwillige Camp eine gute Möglichkeit für die Coaches, mit ihren Spielerinnen und Spielern mehrere Tage am Stück zu arbeiten.

Im Jahr vor dem Bundesjugendlager weiten sich die Tageslehrgänge zu Wochenendlehrgängen aus. Am Ende der Sommerferien wird dann jeweils ein sechstägiges Trainingslager mit zehn Trainingseinheiten für die 14 im Kader verbliebenen Akteure organisiert, im Rahmen dessen an einem freien Tag aber auch kulturelle Dinge eine Rolle spielen. Bei von den Landesverbänden organisierten Turnieren wird als BJL-Vorbereitung immer wieder auch das Zusammenspiel als WBV-Mannschaft geprobt. Zusätzlich arbeiten die Landes- und Regionaltrainer dezentral beim Stützpunktraining mit ihren Schützlingen. Dort kommt es laut Kasch auch zu einem fruchtbaren Austausch mit den Heimtrainern.

Imre Szittya (Foto oben re.), ehemaliger Damen-Bundestrainer und jetzt Landestrainer im Basketball-Verband Bayern, berichtet von einer „für einen LV relativ kurzen Förderzeit“ vor dem Bundesjugendlager: „In Bayern fangen wir zwei Jahre vorher mit einem Turnier der sechs Bezirke an, die mit ihren Auswahlteams („Bestückung“ ähnlich wie im WBV – Anm. d. Red.) zuvor vier bis fünf Mal trainiert haben. Dieses Turnier fungiert als bayerische Sichtung, jeweils werden 24-28 Jungen und Mädchen für die weitere Kaderarbeit ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt erhalten die Eltern eine ausführliche Broschüre zur Information.“

Es folgen im BBV fünf Mal pro Jahr zweitätige Wochenendlehrgänge plus drei Mal jährlich in den Schulferien einwöchige Camps. „So kommen wir mit den Kadern auf etwa zehn Maßnahmen im Vorfeld des Bundesjugendlagers, plus zwei Auswahl-Turniere der LV“, führt Szittya aus.

Darüber hinaus wird besonders bei Athlet/innen, die in „schwierigen Vereinsstrukturen“ ansässig sind, durch die Landestrainer regelmäßig einmal pro Woche Individual- und Kleingruppentraining gegeben. So ist Imre Szittya beispielsweise die ganze Woche über in Bamberg, München oder Neuötting unterwegs. „Wir haben zwar eine kurze Zeit der Förderung, gestalten diese aber so intensiv wie möglich“, unterstreicht er.

Wie auch im WBV werden im BBV „fast ausschließlich im männlichen Bereich“ häufig Quereinsteiger registriert und aufgenommen. „Letztlich ist die Arbeit in den Vereinen entscheidend. Bei den Mädchen ist es für uns ganz schwierig, die betreffenden Spielerinnen in für sie gute Strukturen zu bringen“, schildert der gebürtige Ungar eine Hauptproblematik, die nicht nur für den BBV gilt.

Robert Bauer (Foto oben li.) schließlich ist Landestrainer im Stadtstaat Berlin, wo naturgemäß ganz andere Voraussetzungen herrschen. Gar vier Jahre vor dem Bundesjugendlager beginnt dort die Sichtung der Jungen und Mädchen. Bauer liefert die Erklärung dafür: „Wir haben in Berlin die Möglichkeit, die Kinder nach einem Jahr auf die Eliteschule des Sports, das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin, zu schicken. Da müssen wir natürlich schon mit den Kindern trainiert haben.“ Anfangs werden je 40 Spielerinnen und Spieler gesichtet, pro Jahr wird dann um fünf bis zehn reduziert. Schon nach dem zweiten Lehrgang erhalten die Eltern Informationen im Rahmen eines Elternabends, der fortan ein bis zwei Mal pro Jahr stattfindet.

Zweieinhalb Jahre lang stehen pro Monat ein bis zwei Tage Training auf dem Programm der Kaderspieler/innen, dazu noch ein Trainingslager in den Ferien. Nach eineinhalb Jahren nimmt man mit den Berliner Auswahlen dann national und international an Turnieren teil, u.a. am eigenen Turnier mit jeweils 30 Auswahlteams jeweils im Juni. Die folgende Zeit bis zum Bundesjugendlager trainieren die Kader wöchentlich am Bundesstützpunkt in der Max-Schmeling-Halle. „Wir trainieren fast ausschließlich individual, Technik und Athletik. Es gibt kein Teamtraining, wohl aber eine Vielzahl an 3-3 und 4-4-Spielformen“, verdeutlicht Bauer, der auch als Assistenztrainer für den männlichen DBB-U20-Kader zuständig ist.

Alle drei befragten Landestrainer halten die Vorgaben beim Bundesjugendlager, dass alle Teams nach der DBB-Spielkonzeption spielen sollen und dass die Präsentation der Spielerinnen und Spieler Vorrang vor dem unbedingten Gewinnen der Spiele hat, für sinnvoll. „Das ist der völlig richtige Gedanke, wenngleich es für die Spielerinnen und Spieler manchmal nicht ganz einfach ist, das zu fassen. Man muss da ein bisschen abwägen, nicht zu sehr das Individuum in den Vordergrund stellen und sich nicht zu sehr auf das Team konzentrieren“, beschreibt Robert Bauer stellvertretend die Problematik für die Landesverbände und ihre Trainer.

„Spiele zu gewinnen gehört ebenfalls zur Ausbildung der Mädchen und Jungen, insofern kann man durchaus die Spielerpräsentation und den Wunsch nach Erfolgen beim BJL unter einen Hut bringen. Das möchten die Bundestrainer ja auch sehen. Im Gegensatz zu früher ist es heute so, dass ich am Schlusstag des BJL auch auf die mögliche Gefahr einer Niederlage hin lieber die Akteure spielen lasse, die bis dahin noch nicht so für Aufmerksamkeit bei den Sichtern gesorgt habe. Bei den Kindern selbst geht dieses Umdenken am schnellsten“, schließt Michael Kasch.

Weitere News

3. Dezember 2016

Supercup für zwei Jahre in Hamburg

Weltklasse-Teams testen DBB-Herren –Tickets ab sofort erhältlich

SchroederDennis2015vsCRO-500

3. Dezember 2016

Ingo Weiss ist DOSB-Ehrenmitglied

Laudatio von Alfons Hörmann

Ingo_DOSB_Ehrenmitglied_500

1. Dezember 2016

ING-DiBa und DBB setzen „Talente mit Perspektive“ fort

Nachwuchsförderung feiert 2017 zehnjähriges Jubiläum!

TmP2016Bremerhaven-500

DBB auf Flickr

Bitte anklicken, um die Slideshow zu öffnen.