Interview mit dem scheidenden Präsidenten Roland Geggus27. Mai 2006

5 Fragen zum Abschied

Herr Geggus, Sie haben während Ihrer 12-jährigen Amtszeit als Präsident des Deutschen Basketball Bundes eine Menge erlebt. An was erinnern Sie sich am liebsten, was würden Sie am liebsten schnell vergessen?

Natürlich waren die gewonnenen Medaillen „der Stoff, aus dem die Träume sind.“ Ein Höhepunkt war sicher auch die Siegerehrung in Berlin bei der Weltmeisterschaft der Damen. Auch die beiden von der ING-DiBa geförderten Maßnahmen „grab the ball“ und „ING-DiBa Junior-Camps“ zählen zu den sehr positiven Erinnerungen, weil damit gemeinsam mit unserem Hauptsponsor eine einzigartige Innovation im Bereich des Sportsponsoring gelungen ist.
Die Verselbstständigung der Bundesligen unter dem Dach des DBB war 1999 sicher ein mutiges Wagnis; die Entwicklung in den letzten Jahren jedoch eine Erfolgsgeschichte.
Richtig weh tat gleich zu meinem Amtsbeginn 1994 das Abschneiden bei der WM in Toronto. Die langandauernde Zweigleisigkeit zwischen ULEB und FIBA hat unserem Sport sehr viel Schaden zugefügt.
Leider konnten wir uns in meiner Zeit als Präsident nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren. So habe ich mit einer Nationalmannschaft „nur“ die Olympischen Spiele in Barcelona erlebt – allerdings als Vizepräsident mit gekauften Eintrittskarten.

Wenn Sie einmal versuchen, einen Vergleich zwischen damals und heute zu ziehen: Was hat sich im deutschen Basketball verändert, zum positiven und zum negativen?

Sehr positiv sehe ich, dass in den letzten Jahren viele hauptamtliche Trainerstellen eingerichtet worden sind und damit der deutliche Rückstand zu Spanien, Frankreich und Italien verringert werden konnte.
Negativ sehe ich vor allem die weggefallenen Möglichkeiten zu Spielen der Herren-Nationalmannschaft, bei der zur Zeit nur noch im Sommer Spiele und Wettbewerbe möglich sind.
Die Einführung der NBBL wird sicher der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein.
Bedingt durch die Rechtssprechung europäischer Gerichte wurde die Wertigkeit von Nationalmannschaften reduziert und der Stellenwert von Clubs angehoben, was im Basketball zu einer fast grenzenlosen „Freizügigkeit“ für Spieler geführt hat. Die begonnene vorsichtige Änderung in diesem Bereich macht Mut, sollte jedoch aus meiner Sicht etwas schneller und intensiver ausfallen.
Sehr verändert hat sich im Lauf meiner Präsidentschaft auch die Situation auf dem Fernsehmarkt, bei dem unsere Sportart einige Höhen genießen konnte, aber vor allem viele Tiefpunkte zu überstehen hatte.

Was würden Sie als Hauptaufgaben während Ihrer Präsidentschaft bezeichnen? Lokal, national und international?

Die Standortsicherung unserer Geschäftsstelle in Hagen durch die Übernahme des DBB-Hauses und dessen Ausbau in der Schwanenstraße.
Die verbesserte Positionierung unserer Sportart innerhalb des deutschen Sports und innerhalb der FIBA.
Die Förderung des Mädchen– und Frauenbasketballs, um die Schere zwischen Männer- und Frauenbasketball zu verkleinern.
Den deutschen Basketball – zusammen mit meinen Präsidiumskollegen und den hauptamtlichen Mitarbeiter/innen – gelassen, ohne größere Skandale erfolgreich weiter zu entwickeln.

Was werden Sie vermutlich am meisten vermissen, wenn Sie nicht mehr DBB-Präsident sind? Was am wenigsten?

Was ich vermissen werde, kann ich nicht einschätzen.
Am wenigsten vermissen werde ich die vielen Autobahn-Kilometer und die vielen – eintönigen – Hotelzimmer, in denen man beim Aufwachen morgens kaum noch weiß, in welcher Stadt man ist.

Was werden Sie nun tun? Wie bleiben Sie dem Basketball verbunden?

Als Ehrenpräsident werde ich den Deutschen Basketball Bund e.V. weiter mit Rat und Tat begleiten können. Ich freue mich jedoch darauf, dass aus meinen 150 – 200 Terminen pro Jahr deutlich weniger werden.
In den letzten 20 Jahren habe ich kaum publizistisch gearbeitet. Ich erinnere mich jedoch noch gut daran, dass mir Veröffentlichungen zum Basketball, zum Sport mit Behinderten früher viel Freude gemacht haben. Ich hoffe daher sehr, wieder mehr Zeitfenster zum „Schreiben“ zu haben.

Das Gespräch mit Roland Geggus führte DBB-Pressesprecher Christoph Büker

 

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