Ingo Weiss im NBBL-Interview14. November 2013

Herr Weiss, die NBBL spielt aktuell ihre achte Saison, die JBBL ist in ihrer fünften Spielzeit. Wenn Sie an die Anfänge speziell hinsichtlich der NBBL zurückdenken: Was sind im Vergleich zu damals die größten Unterschiede, sowohl sportlich als auch strukturell?

Ich freue mich über die tolle Entwicklung der beiden Ligen. Wir haben die NBBL und dann später auch die JBBL ins Leben gerufen, damit unsere jungen Spieler sich ganzjährig auf dem höchsten Niveau messen können. Wenn ich mir NBBL- und JBBL-Spiele ansehe, bin ich jedes Mal aufs Neue vom technischen und taktischen Können der Spieler begeistert. Die guten Ergebnisse unserer Jugend-Nationalmannschaften in den vergangenen Jahren geben dem Recht: die NBBL und die JBBL prägen den Jugend-Basketball in Deutschland und sind daher ganz wichtige Instrumente für die Entwicklung der Spieler.

Wo sehen Sie in beiden Ligen Verbesserungspotenzial? Welche Anforderungen kommen diesbezüglich auf die Vereine zu, welche Maßnahmen ergreift der DBB zur weiteren Professionalisierung?

Man kann sich immer verbessern, das ist klar. Wir müssen alle gemeinsam hart daran arbeiten, dass gute Spieler überall in Deutschland die Chance haben, optimal gefördert zu werden. Wir haben beispielsweise in der NBBL traditionell im Süden eine sehr hohe Leistungsdichte, dafür war der Norden in der Vergangenheit immer etwas hinterher. Hier müssen wir alle – und das sage ich ganz bewusst – dafür sorgen, dass ein guter Spieler überall perfekte Trainings- und Spielmöglichkeiten bekommt.

Wenn Sie die hiesige Nachwuchsförderung mit der in anderen europäischen Ländern vergleichen: Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab? Wo gibt es noch Nachholbedarf, wo haben wir eventuell unsere europäische Konkurrenz schon überflügelt?

Wir gehören in Europa zu den besten zehn Nationen, was die Nachwuchsarbeit angeht. Das ist ein gutes Ergebnis, für das wir in den letzten Jahren viel und hart gearbeitet haben, aber auf dem wir uns nicht ausruhen dürfen. Momentan sind wir nicht mit allen männlichen Nachwuchs-Mannschaften in der A-Gruppe. Das ärgert mich sehr! Zum Einen, weil ich weiß, dass unsere Jungs in die A-Gruppe gehören und Abstieg bzw. Verpassen des Aufstiegs wirklich unglücklich waren und zum Anderen, weil die nachfolgenden Generationen dadurch ‚bestraft‘ werden. Unsere U16-Nationalmannschaften waren in den vergangenen Jahren bei der A-EM im Viertelfinale – das ist eine tolle Leistung! Die gleichen Spieler mussten bzw. müssen in der U18 in der B-Gruppe antreten, das ist natürlich nicht gut. Wir müssen schnellstmöglich sicherstellen, dass alle unsere Jugend-Nationalmannschaften in der höchsten Division spielen.

Programme, die sich durch ihre intensive Nachwuchsarbeit verdient gemacht haben, zählen zu den Stammgästen beim TOP4, wie etwa Urspring, Breitengüßbach oder Paderborn. Inzwischen sind diese auch Anziehungspunkt für die talentiertesten deutschen Nachwuchsspieler: Mahir Agva und Christian Sengfelder etwa wechselten im Sommer nach Urspring, Güßbach sicherte sich die Dienste von Ludwigsburgs Robert Zinn. Sehen Sie dadurch die Ausgeglichenheit der Ligen in Gefahr?

Jeder Spieler muss für sich selbst entscheiden, welches Programm und welche Situation für ihn am besten sind. Da können und werden wir keinerlei Vorgaben machen. Oftmals sind erfolgreiche Jugend-Programme auch mit der ProA, ProB und der Beko-BBL verknüpft. Das ist für Spieler natürlich attraktiv und daher auch verständlich.

Muss ein großes Talent zu einem solchen Programm wechseln, um den Durchbruch zu schaffen, oder welche Argumente würden Sie in dieser Hinsicht auch kleineren Vereinen zuschreiben?

Ich denke nicht, dass man das pauschalieren kann. Nehmen wir nur das Beispiel Leverkusen in der JBBL im letzten Jahr, die so richtig niemand auf der Rechnung hatte. Da hatten auch einige große und etablierte Programme das Nachsehen und die Spieler konnten auf sich aufmerksam machen. Unsere Bundestrainer führen ja auch überall Sichtungen durch und sind so über die Talent-Entwicklung – unabhängig von der Größe des Vereins – immer bestens informiert.

Die Nachhaltigkeit der Bemühungen, die durch NBBL und JBBL initiiert worden sind, werden stets am Abschneiden der Junioren-Nationalmannschaften bei den Europameisterschaften im Sommer gemessen. Wie werten Sie das Abschneiden der deutschen Teams in diesem Jahr?

Es war ein schwieriges Jahr für den deutschen Basketball. Wir hatten sehr viele Verletzungen und Absagen – auch im Jugendbereich. Ich habe schon gesagt, wie sehr ich es bedauere, dass die U18 nicht aufgestiegen ist. Die Ergebnisse der U20-Herren, bei denen viele Leistungsträger fehlten, stimmen mich positiv. Da waren wir nach den beiden tollen fünften Plätzen in den letzten beiden Jahren auch sehr verwöhnt. Die U16-Jungen haben einen sehr guten Job gemacht und wieder das Viertelfinale der EM erreicht. Es ist auch wichtig, dass wir nicht nach einem eher schwachen Jahr alles in Frage stellen.

Die U18-Nationalmannschaft hat das erklärte Ziel, Rückkehr in die A-Division, klar verpasst. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, und welche Konsequenzen folgen aus dem schwachen Abschneiden?

Ich denke, dass es mehrere Gründe für das Abschneiden gibt und diese haben wir intern auch besprochen. Wir hatten beispielsweise nicht alle Spieler zur Verfügung und der Druck, den Aufstieg unbedingt schaffen zu wollen war sehr hoch.

Wie sind Ihre Erwartungen an die kontinentalen Wettkämpfe im kommenden Jahr? Gibt es irgendwelche Zielvorgaben?

Erst einmal freue ich mich auf das Albert Schweitzer Turnier 2014 in Mannheim und Viernheim, das hoffentlich ein guter Start in das Basketball-Jahr 2014 sein wird. Für den Sommer 2014 wünsche ich mir, dass unsere Mannschaften in Bestbesetzung antreten und ihre Leistung abrufen können.

Dennis Schröder und Elias Harris, inzwischen NBA-Profis, und etliche deutsche Nationalspieler wie etwa Robin Benzing, Per Günther und Tibor Pleiss haben einst in der NBBL gespielt. Wäre es vermessen zu sagen, dass die NBBL einen wichtigen Anteil an der sportlichen Entwicklung der genannten und anderer Spieler, die es inzwischen in die höchste deutsche Spielklasse geschafft haben, hatte?

Die NBBL ist extrem wichtig für die Entwicklung junger Spieler, weil sie eine sehr gute Ergänzung zum Nationalmannschafts-Programm ist und so höchstes Niveau sichergestellt ist. Es freut mich sehr zu sehen, wie viele Spieler den Sprung von der NBBL auf das Profilevel geschafft haben und ich weiß, dass sie für die JBBL- und NBBL-Spieler von heute tolle Vorbilder sind.

Auch hier sind wir aber noch nicht am Ende der Entwicklungsmöglichkeiten angelangt. Viele NBBL-Spieler spielen bereits zusätzlich auf Senioren-Level, in der Regionalliga, ProB, ProA und Beko BBL, vor allem aber in Ersteren. Hier ist es wichtig, dass die Spielzeit kontinuierlich ansteigt und unsere Jungs entsprechend Verantwortung übernehmen könne.

Einer der Lichtblicke bei der EM der A-Nationalmannschaft war Niels Giffey, der 2009 mit ALBA Berlin NBBL-Meister wurde. Ist er der Prototyp eines Spielers, wie Sie ihn sich wünschen: Von der Nachwuchsliga bis in Deutschlands A-Team?

So kann es gerne gehen, na klar!

Sehen Sie in der aktuellen NBBL-Saison weitere Kandidaten, die seinem Beispiel folgen könnten?

Es gibt eigentlich in jedem Jahr mehrere Kandidaten, die toll in der NBBL und auch in den Jugend-Nationalmannschaften spielen. Da werde ich jetzt aber keine Namen nennen.

Junge Talente, die ihr letztes NBBL-Jahr absolviert haben, entscheiden sich meist entweder für eine Ausbildung an einem US-College oder schließen sich einem Erstligisten an, wo sie auf Spielzeit in der Beko BBL hoffen. Welchen Weg sieht der DBB lieber?

Auch hier muss man die persönlichen Wünsche der Spieler respektieren. Für viele ist es ein Traum, in den USA am College zu spielen oder wichtig, parallel eine Ausbildung machen zu können. Auf der anderen Seite ist es für uns als DBB einfacher, die Spieler zu betreuen, wenn sie in Deutschland sind. Da können die Bundestrainer zum Training und zum Spiel kommen, ohne stundenlang im Flugzeug zu sitzen. Es gibt aber keine offiziellen Vorgaben, was besser ist, weil dies in meinen Augen eine sehr individuelle Entscheidung des einzelnen Spielers ist.

NBBL und JBBL sind bekanntermaßen ein Gemeinschaftsprojekt von DBB, Beko BBL und DJL. Gerade zwischen Verband und 1. Liga kommt es manchmal zu Meinungsverschiedenheiten, aber wie bewerten Sie die Zusammenarbeit in Sachen Nachwuchsförderung?

Die NBBL und JBBL sind Gemeinschafts-Projekte der drei Partner DBB, Beko BBL und DJL und absolute Erfolge, auf die wir stolz sein können. Es ist immer wichtig, dass man sich konstruktiv und kritisch austauscht, denn nur so kann man sich auch weiterentwickeln.

Zum Abschluss ein Tipp: Wer kann dem aktuellen NBBL-Champion Urspring in dieser Saison am gefährlichsten werden, und wen sehen Sie in der JBBL in der Favoritenrolle, sofern man das zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon sagen kann?

Das Schöne ist, dass beide Ligen sehr ausgeglichen sind. Da warte ich lieber noch ein bisschen ab!

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