Ganztagesschule – Herausforderung für die Ballspiele28. August 2006

Interview mit DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach im Vorfeld des 3. Ballspiel-Symposium

Am 6./7. Oktober 2006 findet das Ballspiel-Symposium bereits zum 3. Mal in Baden-Württemberg statt. Diesmal wird auch DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach dabei sein, wenn in Karlsruhe über das Thema „Ganztagsschule – Herausforderung für die Ballspiele“ diskutieret wird.

Herr Dr. Bach, das Ballspiel-Symposium der zehn Ballspielverbände in Baden-Württemberg findet Anfang Oktober zum 3. Mal statt. Im Jahr 2004 mussten Sie Ihre Teilnahme kurzfristig absagen, nun werden Sie am Freitag um 16 Uhr einen Hauptvortrag halten. Der Präsident des Basketballverbandes Baden-Württemberg, Dieter Schmidt-Volkmar, den Sie seit Jahren bestens kennen, hat Sie um Ihre Teilnahme gebeten. Kommen Sie gerne?

Dr. Bach: Ich komme gern, einerseits, um die von Ihnen erwähnte Zusage einzulösen und andererseits, weil ich in meinem neuen Amt als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes so oft wie möglich aktuelle Entwicklungen vor Ort mitverfolgen möchte.

Ihre Sportart ist ja bekanntermaßen das Fechten. Welchen Bezug haben Sie zu den Ballspielen, also Fußball, Handball, Basketball und Volleyball?

Dr. Bach: Bevor ich zu Fechten kam, bin ich dem Fußball hinterher gejagt und habe auch davon geträumt, Fußballer zu werden. Doch in Tauberbischofsheim, wo ich aufgewachsen bin, war die entsprechende Schüler- und Jugendbetreuung nicht gegeben. Aber ich habe Tag und Nacht Fußball gespielt. Auf einem Grandplatz, mit den entsprechenden Spielspuren an Knien und Hüften.

Das Motto des diesjährigen Symposiums lautet: „Ganztagesschule – Herausforderung für die Ballspiele“. In kurzen Sätzen, würden Sie hinter diesen Slogan eher ein Frage- oder ein Ausrufungszeichen setzen?

Dr. Bach: Eher ein Ausrufungszeichen – denn es kommt ganz entscheidend darauf an, was der Sport aus der Tatsache macht, dass die Kinder und Jugendlichen länger als bisher an der Lernstätte verbleiben. Gerade Mannschaftssportarten können Schulen als Kern und Quelle der Nachwuchsarbeit nutzen – wer ein Kind hat, das sich für Handball-, Fußball oder Volleyball begeistert, wird dieses gern an eine Schule geben, die sich auf diesem Feld hervortut. Allerdings müssen die Vereine auch Zugang zu den Schulen erhalten und dort entsprechende Strukturen vorfinden und nutzen können.

Welche Zukunft sehen Sie für die Ballspiele in Deutschland, vor allen Dingen unter spitzensportlichen Gesichtspunkten?

Dr. Bach: Wir haben in Deutschland hervorragende Voraussetzungen für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte unserer Ballsportarten. Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Trainer und Übungsleiter, die Vereine und die großen Traditionen der einzelnen Sportarten. Und wir haben gesellschaftliche Entwicklungen zugunsten von Ballsportarten. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen: der Sport übernimmt eine entscheidende Rolle bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration von Migrantinnen und Migranten, weil seine Inhalte und sein Wesen selbst integrierend wirken, und es sind gerade die Ballsportarten, die hier ihr Potenzial einbringen. Und da Ballsportarten in der Regel Mannschaftssportarten sind, vermitteln sie auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, die heute im Berufsleben unverzichtbar sind. Die Ballsportarten werden also weiterhin auf  intakte Strukturen zurückgreifen und um den Nachwuchs konkurrieren können, damit sind die Voraussetzungen für Spitzenleistungen auch künftig gegeben.



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