Fachsimpeln auf hohem Niveau31. August 2005

Die Coach Clinic in Braunschweig – mehr als 150 Teilnehmer

Bundestrainer Dirk Bauermann sitzt, ein Bein über das andere geschlagen, in einer Ecke der Braunschweiger Halle zur Alten Waage, reibt sich in einer geradezu ansteckenden Ruhe und Konzentration langsam die Handflächen, so als würde selbst dieser banale Akt äußerste Gewissheit erfordern. Vor ihm befinden sich die zahlreichen Teilnehmer der Internationalen NIKE Coach Clinic und genießen den lehrreichen Vortrag über die Angriffskonzeptionen der deutschen Nationalmannschaft.


Dirk Bauermann doziert über Angriffskonzeptionen

Eine Stunde lang herrscht in der Sporthalle völlige Ruhe. Man vernimmt einzig die Worte einer äußerst klaren Sprache, die sich durch die von Kaffeeduft geschwängerte Hallenluft zu den Ohren der Trainernovizen emporschwingen und selbst jene Momente, in denen Bauermann schweigend seine Aufzeichnungen betrachtetet, bleiben von einer konzentriert-professionellen Arbeitsatmosphäre bestimmt. Viel Basketballprominenz befindet sich unter den mehr als 150 Teilnehmern dieser Fortbildung, die im Rahmen des Supercups vom 26.08 bis zum 28.08. in Braunschweig stattfindet:

Der neu formierte Trainerstab von Alba Berlin um Henrik Rödl und Calvin Oldham lauscht am unteren Ende der Tribüne, während Ex-Albatross Emir Mutapcic weiter oben sein Kinn in die Hand gelegt hat und aufmerksam die Ausführungen des Bundestrainers kritisch begutachtet. Neben Stefan Koch, Ingo Freyer und Ken Scalabroni erblickt man noch zahlreiche bekannte Gesichter aus den einzelnen Verbänden, die scheinbar einem unwiderstehlichen Zauber anheimgefallen sind, denn wie ein Magnetiseur diktiert Bauermann die Atmosphäre, ohne jedoch auch nur einen Hauch von Überlegenheit oder Egozentrik auszudrücken; mehr als primus inter pares agiert er im Kreise dieser Trainerelite. Entsprechend wird sein Abgang mit kräftigen Ovationen belohnt; man nickt sich gegenseitig zu, bekundet seinen Respekt und freut sich sichtlich über neu gewonnene Erkenntnisse.


L. Bösing, H. Rödl, C. Oldham, S. Koch, K. Scalabroni und B. Bisselik (v.l.)

Für die 3-tägige Fortbildung für Trainer mit A- bzw. B-Lizenz sahen sich die Veranstalter dieses Mal vor die Aufgabe gestellt, ein hochkompetentes Fachpublikum zufrieden zu stellen. Die Liste der Referenten liest sich entsprechend eindrucksvoll. Neben dem Bundestrainer ist eigens für diese Veranstaltung Don Casey aus den USA eingeflogen worden. Der ehemalige Coach der New Jersey Nets gilt als Trainerlegende im US-Sport und ist Autor des Basketball-Standartwerkes „The Temple of Zones“. Von simplen Warm-up-Drills hin zu komplexen Verhaltensweisen im Spiel mit und gegen Zonenverteidigung berichtet ein wahrhaft ausgebuffter Basketballguru aus seinem langjährigem Erfahrungsschatz, scheucht eine wirklich hervorragend ausgebildete Jugendauswahl der SG Braunschweig permanent im „full speed“ durch die Halle, dabei immer wieder mit jener schwer zu treffenden Balance zwischen Lob und Tadel agierend, um die jungen U18/U20 Spieler an ihre Leistungsgrenzen zu führen. Die aufmerksamen Zuhörer können dabei in den Genuss besonders wertvoller Zwischentöne kommen, und so vernimmt man gelegentlich die eine oder andere saftige Anekdote über die kapriziösen Verhaltensweisen der hochbezahlten Basketballdiven aus der NBA.

Für eine kompetente und beeindruckende Einführung in basketballspezifische Kraftübungen sorgt die derzeitige Athletik-Trainerin des Basketball-Bundesligisten EWE Baskets Oldenburg, Wiebke Redlin. Damit auch weiterhin sämtliche Oberarme fachgerecht ausgebildet werden, demonstriert sie an sich selbst jene manchmal ungeliebten aber doch so wirkungsvollen Koordinations- und Körperstabilisierungsübungen und bereichert mit ihrem Vortrag sicherlich das eine oder andere Trainingsrepertoire der Anwesenden.

Als einen der Höhepunkte dieses Lehrgangs darf man das überraschende und alles andere als selbstverständliche Auftreten von Holger Geschwindner betrachten, der in gewohnter und doch immer wieder imposanter Manier einen Einblick aus seinen Studien über „Offense-Skills“ gewährt. Akribisch und gewissenhaft wie ein Chirurg seziert der bekannte „Shooting-doctor“ scheinbar simple Bewegungsabläufe, um aufgrund wissenschaftlich anmutender Analysen das Optimale aus ihnen herauszuholen. 16 gelegentlich extravagant erscheinende Übungen hat er sich so im Laufe der Zeit zurechtgebastelt. Und schon in der Gegenwart ahnt man ihren mythenbildenden Charakter, denn der Meister verspricht selbstbewusst: „Wer diese 16 Übungen richtig beherrscht, ist auch in der Lage in der Bundesliga mitzuspielen.“


Konzentriertes Lauschen bei den Teilnehmern der Coach Clinic

Die Kombination zwischen theoretischem Lehrgang und anschaulichem Profibasketball beim Supercup darf als überaus gelungen betrachtet werden, und auch Peter Radegast, der als DBB-Referent für Aus- und Fortbildung zusammen mit Lothar Bösing, dem Vorsitzenden der Lehr- und Trainerkomission (LTK), die Fäden für die Organisation des Lehrgangs in den Händen hielt, zeigte sich „mehr als zufrieden mit dem reibungslosen Ablauf“.

Dirk Bauermann ist inzwischen zur Nationalmannschaft zurückgekehrt. Falls es ihm gelingt, bei seinen Spielern einen ähnlichen Eindruck zu hinterlassen, wie er es an jenem Morgen in der Halle zur Alten Waage getan hat, dürfte auch bei der Europameisterschaft alles nach Plan laufen.



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