Exklusivinterview mit Niels Giffey8. April 2014

Drei Stunden ist es gerade einmal her, dass DBB-Nationalspieler Niels Giffey das NCAA-Tournament gewonnen hat, da klingelt bereits das Handy mit einer Nachricht von ihm: „Bin ready!“.

Niels Giffey: Hey, wie geht’s?
DBB: Gut! Aber eigentlich war das unsere Frage! Wie geht’s dir?
Niels Giffey: Mir geht’s auch ganz gut!

DBB: Das kann ich mir vorstellen. Herzlichen Glückwunsch im Namen des gesamten Deutschen Basketball Bundes!
Niels Giffey: Danke!

DBB: Ich wundere mich gerade, dass du noch Stimme hast. Ist die Party noch nicht in vollem Gange? Beschreib uns doch mal deine Gefühlswelt! Wie geht’s dir gerade?
Niels Giffey: Das ist unglaublich gerade. Ich habe das ganze schon mal geschafft und schon mal durchgemacht. Aber dieses Jahr bin ich natürlich ganz anders involviert, einer der wichtigen Akteure. Deshalb ist das gerade nochmal ein ganz anderes Gefühl und so völlig unreal. Als der Buzzer am Ende des Spiels dann ausgegangen ist, wusste ich erst gar nicht was los war. Ich war noch so im Spiel und brauchte wirklich erst mal zwei Minuten um mich zu freuen und richtig jubeln zu können. Irgendwie war da erst mal eine unglaubliche Leere.

DBB: Kann ich mir vorstellen. Ich war während des Spiels voller Adrenalin und kann mir nur schwer vorstellen, wie es dir gegangen sein muss. Über 80.000 Zuschauer, ihr führt, Kentucky holt auf, am Ende gewinnt ihr? Wie hast du das Spiel erlebt?
Niels Giffey: Obwohl wir das ganze Spiel in Führung lagen, hatte ich irgendwie nie das Gefühl, dass wir das Spiel kontrolliert haben. Kentucky hat da wirklich einen guten Job gemacht, sich im Spiel zu halten und unsere Schwächen aufzudecken und unsere Unkonzentriertheiten auszunutzen an manchen Stellen. Da haben sie dann auch unglaubliche Athleten im Team, die punkten können. Am Ende hat sich dann doch unsere Erfahrung ausgewirkt, das hat uns dann doch über die Zeit gerettet.

DBB: Im ersten Spiel gegen Saint Josephs habt ihr den Kopf in der Overtime aus der Schlinge gezogen. War das ein Schlüsselerlebnis? Oder was hat euch so stark gemacht?
Niels Giffey: Ich glaube das Schlüsselerlebnis war, als wir zu Beginn der Saison schon mal hier in Texas waren. Wir haben einen kleinen Auswärtstrip durch Texas gehabt. Nach dem Wechsel in die neue Conference haben wir zu Beginn die Qualität unterschätzt und direkt hier in Texas zwei Niederlagen eingefangen. Da wir aber ein paar Tage hier waren, hat uns unser Coach (Kevin Ollie, Anm. der Redaktion) hier ins Stadion gebracht, wo jetzt das Finale stattgefunden hat. Er hat uns gezeigt, wo es hingehen kann und das war für mich das Schlüsselerlebnis, das uns gezeigt hat, wofür wir eigentlich spielen.

DBB: Du hast im ersten Jahr den Titel gewonnen, den Titel in deinem letzten Jahr am College geholt. Hast du Einfluss auf das Drehbuch gehabt, oder was?
Niels Giffey: (lacht) Besser hätte es nicht laufen können. Aber die zwei Jahre dazwischen waren auch krass und unglaublich hart. Wir hatten in der der Zeit, als ich hier war, drei NBA-Spieler. In meinem zweiten Jahr Jahr war ich mit zwei jetzigen NBA-Spielern im Team und bin dann im ersten Tournament-Spiel rausgeflogen. Das war schon unglaublich bitter. Dann in meinem dritten Jahr sind unglaublich viele Leute abgegangen, sind an andere Unis gewechselt, in die NBA gegangen und wir konnten das Tournament nicht spielen (wg. schlechter universitärer Leistungen wurde das Team gesperrt, Anm. der Redaktion). Da hat sich herausgestellt, was für Leute du um dich herum hast und wie die Leute ticken und alle die hier geblieben sind, haben so das selbe Mindset gehabt, ähnliche Eigenschaften geteilt. Wir wollten an der Uni bleiben, in dem Programm, das uns so ein gutes Freshman-Jahr beschert hat. Und jetzt ist es gut, dass wir nach all den schlechten Nachrichten in den Medien über die vergangenen Jahre, nach dem Trainerwechsel, nach all den Fragenzeichen und dem verpassten Tournament zeigen konnten, dass das hier immer noch UConn ist, immer noch eine der besten Basketballschulen der USA und dass man uns nicht abschreiben darf.

DBB: Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, aber Dirk Nowitzki hat euch das Aus in der ersten Runde prophezeit. Du hast jetzt die Gelegenheit ihm zu sagen, wie wenig Ahnung er eigentlich vom Basketball hat! (lacht)
Niels Giffey: (lacht): Ach, der ist glaube ich gerade etwas zu busy in Sachen NBA. Da merkt man, dass es im Collegebasketball nicht um Statistiken geht. Da geht es mehr um Seele, um Herz als um die Statistiken, die in der NBA etwas wichtiger sind. Ich habe über Umwege versucht ihn zu fragen, ob er zum Spiel kommen möchte, er hatte aber leider keine Zeit. Ich glaube, die haben gerade in Sacramento gespielt (und spielen in Utah, Anmerkung der Redaktion). Ein paar von den Reportern haben mich sogar gefragt, ob ich weiß, dass Dirk ein Kentucky-Fan ist und all sowas. Ich glaube, da muss ich mal mit ihm sprechen und ihn fragen, was er sich dabei gedacht hat. (Lacht)

DBB: Spätestens jetzt dürfte er UConn-Fan sein! Ich nehme mal an, dass du schon eine Flasche Schampus in dir hast, oder zumindest drin gebadet hast. Kann ich dir in diesem Gemütszustand eine Aussage zu deiner basketballerischen Zukunft entlocken?
Niels Giffey: Ich habe leider noch gar nichts intus. Da ist das hier leider ein strafferes Programm. Nicht so wie in Deutschland, wo direkt die Korken knallen. Da muss man hier noch etwas warten. Aber ich sage dir, ich habe noch gar keinen Plan. Ich lass den Sommer jetzt einfach auf mich zukommen und warte ab, welche Türen sich für mich öffnen werden und dann werde ich mir die für mich perfekte Situation aussuchen. Das habe ich schon so nach meinem Abschluss in Deutschland gemacht. Das wird sehr interessant, glaube ich. Das wird auch eine Herausforderung für mich persönlich. Aber jetzt habe ich erst mal zwei Wochen Zeit, wo ich alles völlig genießen kann, an nichts denke und wo ich Obama die Hände schütteln kann

DBB: Schöne Grüße an Obama! Klar interessiert uns auch, was du für den Sommer in Sachen Nationalmannschaft geplant hast. Schon zugesagt?
Niels Giffey: Wie gesagt, ich bin für alles offen. Frank Menz hat mich hier vor Kurzem besucht und wir haben ein paar Sachen besprochen. Und ich werde mich mit ihm einfach nochmal kurz schließen und versuchen, die beste Möglichkeit für die Nationalmannschaft und mich herauszuarbeiten.

DBB: Wir würden uns natürlich sehr freuen. Jetzt nochmal alles Gute, Gratulation und feiert schön! Wir sehen uns im Sommer!
Niels Giffey: Vielen Dank! Liebe Grüße an alle in Deutschland!

 

Information: Das Interview als Soundfile finden Sie hier.
Den Spielbericht zum 60:54 Erfolg gegen Kentucky finden Sie hier.

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