Dirk Nowitzki im Interview10. September 2013

Am Sonntag wurde Dirk Nowitzki offiziell als UNICEF-Botschafter vorgestellt. Im Rahmen der Veranstaltung sprach er über sein Engagement, mögliche Projekte, die große Chance, mit Hilfe seiner Bekanntheit den Schwächsten zu helfen, aber natürlich auch über das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der EM, die Zukunft und die neue NBA-Saison.

Eine riesige Ehre, UNICEF-Botschafter zu sein

DBB: Dirk, wir gratulieren dir im Namen des Deutschen Basketball Bundes zu deiner neuen Aufgabe. UNICEF Botschafter Dirk Nowitzki, wie klingt das für dich?

Nowitzki: Das klingt noch irgendwie ein bisschen surreal. Das hätte ich natürlich damals auch nie für möglich gehalten, dass ich da mal gefragt werde, für UNICEF den Botschafter abzugeben. Aber das ist natürlich eine riesen Ehre. Sie haben gesehen, dass ich mit meinen Stiftungen in Deutschland und den USA gute Sachen mache und gute Projekte unterstütze. Das war mir eine riesige Ehre, ich habe natürlich auch gleich angenommen und jetzt will ich die Sache gut machen. Klar ist, jetzt geht die Saison bald los und das steht jetzt erst mal im Vordergrund. Aber nächsten Sommer hätte ich schon Lust, mir da einige Projekte anzuschauen und die dann auch zu unterstützen.

DBB: Gibt es denn schon konkrete Projekte oder bestimmte Einsatzgebiete, die du dir vorstellen könntest?

Nowitzki: Die Mutter meiner Frau ist ja aus Kenia und ich habe mir das letztes Jahr mal angeschaut, habe viele Bekannte von ihr getroffen und gesehen, dass es viele Dinge gibt, die bewegt werden müssen. Daher würde ich sehr gerne in Kenia etwas machen. Aber UNICEF arbeitete ja in vielen Krisengebieten und da muss man dann auch mal das nächste Jahr abwarten und sehen, wo ich dann vorbeischaue. Die erste Plakataktion steht aber bereits. Es geht dabei darum, mit Hilfe einer Erdnusspaste, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert ist, die größte Not zu lindern und die Grundversorgung der Kinder zu sichern.

DBB: Wenn man dich bei einer Veranstaltung wie heute erlebt, wie du mit den Kindern umgehst, wie viel Geduld du mit ihnen hast, dann fragt man sich: Bist du manchmal selbst noch gerne Kind und wie viel Spaß macht dir so ein Tag wie heute?

Nowitzki: Ja, das war witzig heute, es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin ab und zu gerne noch Kind und spring da auf der Hüpfburg rum wie ein 12-Jähriger. Ich bin mittlerweile 35 geworden in diesem Jahr, also nicht mehr der Jüngste, aber ab und zu habe ich schon noch Spaß (lacht).

Kinder sollen unbeschwert aufwachsen

DBB: Du hast vor 12 Jahren deine eigene Stiftung gegründet, mit der du dich um benachteiligte Kinder kümmerst, versuchst, ihnen eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Du bist vor kurzem selber Vater geworden – hat das deinen Blickwinkel verändert und dich noch mehr darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. Jetzt eben auch mit UNICEF?

Nowitzki: Es hat mich noch mehr angespornt, diesen Weg weiterzugehen. Klar ist meine Tochter in der sehr glücklichen Lage, dass sie sich nie Gedanken machen muss. Und es gibt sehr, sehr viele Kinder, die nicht in dieser glücklichen Lage sind und da hat man natürlich eine Menge Bedarf, da kann man helfen und umso mehr freue ich mich, dass das mit UNICEF geklappt hat. Und das Gute an UNICEF ist eben auch, dass sie politisch total neutral sind. Die helfen überall, in Kriegssituationen auf beiden Seiten und das war mir wichtig. Ich bin ja politisch auch nicht so angehaucht und es war mir daher sehr wichtig, dass UNICEF überall dort hilft, wo es gerade notwendig ist.

DBB: Du trittst als UNICEF Botschafter in die Fußstapfen von Leuten wie Joachim Fuchsberger, David Beckham oder Angelina Jolie. (Dirk lacht) Du hast zwar selber große Füße, hast du trotzdem auch ein bisschen Respekt vor der Aufgabe?

Nowitzki: Schon, aber wenn ich etwas mache, dann auch zu 100 Prozent. Und ich hoffe, dass ich etwas bewegen kann, dass ich Leute anschieben kann, dazu bringen werde, zu spenden und ein paar Augen öffnen kann für die Probleme. Ich glaube, dass uns das gelingen wird, spätestens im nächsten Sommer.

EuroBasket 2013

DBB: Wir wünschen dir natürlich viel Erfolg für diese Aufgaben, können dich aber nicht entlassen, ohne über die Nationalmannschaft zu sprechen.

Nowitzki (Lacht): Das habe ich mir gedacht.

DBB: Die deutsche Mannschaft hat gerade gegen die Briten verloren und damit keine Chance mehr auf das Erreichen der Zwischenrunde. Wie siehst du die Leistung der Mannschaft?

Nowitzki: Ich habe natürlich die ersten drei Spiele angeschaut. Heut habe ich ja aufgrund der Veranstaltung verpasst. Aber es ging ja so gut los gegen Frankreich. Sensationell gespielt, geführt, dann hin und her und am Ende die drei Dreier versenkt. Benzing und mein Kollege Lucca Staiger mit kühlem Kopf, das war ein riesen Sieg. Und ich habe zu meinen Eltern gesagt, wir haben das Spiel zusammen gesehen, dass es für so eine junge Mannschaft verdammt schwer wird, sich von so einem emotionalen Hoch zu erholen und am nächsten Tag wieder eine gute Leistung zu bringen. Das ist sehr, sehr schwer. Da hat uns ein bisschen die Erfahrung gefehlt. Aber gegen Belgien und die Ukraine waren wir dran. Hätten wir hier den einen Korb verhindert, da mal den einen Korb selber erzielt und uns das ein oder andere blöde Offensiv-Foul erspart, dann hätten wir da gewinnen können. Das ist schade und ärgerlich. Man kann nur hoffen, dass die Jungs daraus was lernen können. Für manche war es ja doch das erste große Turnier und ich hoffe, sie konnten etwas mitnehmen. Und es sollte ihnen Motivation sein, noch härter zu arbeiten und dann beim nächsten Mal da zu sein und dann die Zwischenrunde zu erreichen.

DBB: Du sprichst es an, es ist eine junge Truppe, das zweitjüngste Team der EM. Wie siehst du mittel- und langfristig die Entwicklungsaussichten? Gerade wenn man daran denkt, dass in diesem Jahr ein paar der Jungs verletzungsbedingt gefehlt haben und die NBA-Spieler nicht dabei waren. Und du greifst ja vielleicht auch irgendwann wieder ein…

Nowitzki: Ich fand es ein bisschen schade, dass die ganzen Jungen, die jetzt in die NBA gegangen sind, absagen mussten. Aber ich kann es natürlich auch verstehen, wenn sich die NBA-Clubs quer stellen und sagen: Ihr müsst hier bleiben, trainieren und dann fit in die NBA-Saison gehen. Das kann ich verstehen. Aber trotzdem fand ich das sehr schade. Mit Dennis (Dennis Schröder) im Aufbau, mit Elias (Elias Harris) als athletischem Typen und Timmi (Tim Ohlbrecht) unter dem Korb hätte es vielleicht für die Zwischenrunde gereicht. Das weiß man nie, aber wir haben so viele NBA-Spieler wie nie, sind in dieser Richtung gut aufgestellt. Auch bei der EM haben mir ein paar der Jungen richtig gut gefallen. Also das Potenzial ist da. Aber es ist wie immer. Es kann sich keiner ausruhen auf seinen Lorbeeren. Während der Saison im Verein muss ständig hart gearbeitet werden, man muss sich verbessern, verbessern wollen, so dass sich dann auch die Nationalmannschaft von Sommer zu Sommer stärker präsentieren und dann in naher Zukunft wieder ganz oben mitspielen kann.

5 Deutsche in der NBA

DBB: Wo wir gerade bei den deutschen NBA-Spielern waren. Die Saison startet in Amerika in sechs Wochen. Wie sehr freust du dich persönlich drauf und was gibst du den Rookies mit auf den Weg?

Nowitzki: Wir eröffnen die Saison ja gegen die Atlanta Hawks mit Dennis Schröder. Das ist schon lustig, ich habe meine NBA-Karriere gegen Detlef Schrempf eröffnet, der damals bei Seattle gespielt hat. Das ist irgendwie eine ähnliche Situation. Ich bin am Ende meiner Karriere und er (Dennis Schröder) ist der neue Shootingstar. Es freut mich für ihn, wie es bisher gelaufen ist. Wir haben uns ja kennengelernt, als er bei uns im Probetraining war. Wir hatten ein paar Mal Kontakt, auch über den Draft und ich wünsche ihm natürlich alles Gute und glaube schon, dass er in Atlanta eine gute Situation hat, in der er sich durchsetzen kann. Und Elias, bei einem Verein wie L.A.. Ich wünsche auch ihm alles, alles Gute, mit Kobe und meinem Kollegen Steve, der sich ja immer um neue Spieler und besonders junge Spieler kümmert. Ich glaube, dass er da gut aufgehoben ist. Und Timmi jetzt in Phillie. In Houston hat er nicht viel Einsatzzeit bekommen und ich hoffe, dass er sich jetzt besser durchsetzen kann. Aber das hoffe ich bei allen dreien, dass sie sich durchsetzen können und eine lange NBA-Karriere hinlegen. Das würde ich mir schon wünschen!

DBB: Vielen Dank! Alles Gute dir und deiner Familie und einen guten Saisonstart mit den Mavs!

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