Dirk Bauermann bei 1. Spielsportkonferenz als Experte21. Mai 2009

DBB-Bundestrainer diskutierte die Talente-Situation in Deutschland

Das Olympia-Abschneiden in Peking hat wohl allen die Augen geöffnet, dass Deutschland in den Spielsportarten große Anstrengungen unternehmen muss, um international auf allerhöchstem Niveau mithalten zu können.

Gold für die Hockey-Männer, Bronze für die Fußball-Frauen, das war´s. Vier Fachleute, die zwei Trainer Dirk Bauermann (Foto, Basketball) und Ulrich Forstner (Hockey), Sportdirektor Peter Sichelschmidt vom Deutschen Handball-Bund sowie der Leipziger IAT-Wissenschaftler Dr. Dirk Büsch versuchten bei der 1. Spielsportarten-Konferenz in Berlin, zu der der Landesportbund eingeladen hatte, die Begriffe Sichtung, Förderung und Erfolg als Einheit zu betrachten und Lösungen der Besserung abzubieten.

Die wichtigste Erkenntnis lautete, zunächst alle Möglichkeiten in der Schule und im Verein zu nutzen, um überhaupt Talente aufzuspüren. Klassische und spezifische Tests, wie sie bisher praktiziert wurden und jahrelang als das Nonplusultra galten, müssen durch neue Konzepte erweitert werden, wobei nach wie vor die 30-m-Sprintfähigkeit für sämtliche Spielsportarten eine entscheidende Aussagekraft besitzt. „Darüber hinaus ist es wichtig, auch verstärkt die Persönlichkeitsmerkmale in den Fokus zu rücken, um die Besten von den Guten zu trennen. Erst nach Auswertung aller vorhandener Daten können wir eine zuverlässige Prognose für eine spätere Leistungsentwicklung stellen“, erklärte Büsch und behauptete, dass die bei den Tests festgehaltenen Angaben die subjektive Meinung der Trainer unterfüttern und so eine fundiertere Basis bilden. Konkret ging Forstner, ein überaus erfolgreicher Nachwuchs-Coach, auf ein ganzes Bündel von Kriterien ein, die dazu führen, um, wie sein Thema hieß, eines Tages internationalen Anforderungen zu genügen. „Wir beim Hockey-Bund“, so dozierte er, „legen neben den vorhandenem technischen und taktischen Fertigkeiten vor allem größten Wert auf ein stabiles Entscheidungsverhalten, um unter erschwerten Bedingungen und Stress das Bestmögliche herauszuholen. Dazu gehört beispielsweise auch eine Regenerationsfähigkeit und die psychische Verfassung bei hoher Belastung, ferner Selbstdisziplin und Selbstorganisation, wo unter anderem das Verbinden von Studium, Beruf und Leistungssport zu verstehen ist.“

Unumwunden gab er allerdings zu, dass Hockey als reine Amateursport total andere Rahmenbedingungen vorfindet als Profisportarten wie etwa Fußball, Handball, Basketball oder auch Volleyball und Eishockey, die häufig im Blickpunkt der Medien stehen und wo der Einsatz von Ausländern in Spitzenklubs enorm das Heranführen von Talenten erschwert, teilweise sogar unmöglich macht, weil bei den Klubs nur der augenblickliche Erfolg zählt.

Talente früh fördern und Trainerausbildung verbessern

Dieser Satz war natürlich Wasser auf die Mühlen von Bauermann, dem Trainer der deutschen Basketballer, der nicht nur einmal, sondern mehrmals von einer desaströsen Situation sprach, die sich in seinem Verband darstellt. „Derzeit werden in der BBL, die ein eigenständiges Leben führt, neun Ausländer pro Team gestattet, und es müssen nur drei Deutsche genannt werden, die für die Nationalmannschaft spielberechtigt wären. Das kann man einfach nicht akzeptieren. In Spanien, Griechenland oder der Türkei herrschen ganz andere Verhältnisse. Deshalb sind uns diese Nationen normalerweise auch überlegen.“ Dass er mit der von ihm betreuten DBB-Auswahl dennoch zweimal bei Europameisterschaften als Zweiter beziehungsweise Fünfter glänzend abgeschnitten hatte, begründete er damit, „dass wir mit einem überragenden Mann wie Dirk Nowitzki antreten konnten. Ohne ihn wären wir reines Mittelmaß“. Deshalb forderte er, unbedingt die Ausländer-Schwemme einzudämmen und künftig eine andere Quotierung festzulegen, um letztendlich auch bei den Jugendlichen die Motivation zu stärken, dass sie eines Tages bei entsprechender Leistung auch die Chance auf einen Einsatz in einem Bundesliga-Spitzenklub erhalten. Dazu gehört natürlich auch, dass auf der unteren Ebene die Trainerausbildung verbessert und früher damit begonnen wird, junge Spieler zu fördern.

Eltern sind ein wichtiger Faktor

Für Sichelschmidt stellt sich die Lage im Handball ähnlich und dennoch wesentlich günstiger dar. Auch hier haben es deutsche Talente es verdammt schwer. Dass genügend vorhanden sind, davon zeugen die jüngsten Erfolge. Die DHB-Junioren wurden 2006 Europameister, 2008 Vizemeister und die Juniorinnen 2008 sogar Weltmeister. „So schlecht kann unser System wohl nicht sein“, sagte erfreut der Sportdirektor und begründete das mit einem ausgeklügelten Sichtungssystem, wo jährlich 240 Jugendspieler in Kienbaum und Heidelberg beobachtet, getestet und ausgesiebt werden, sowie einer professionellen Personalstruktur. Zu dem umfangreichen Förderungs-Netzwerk zählen die Kooperationspartner BMI als finanzieller Zuwendungsgeber, der DOSB mit seinen Zielvereinbarungen, aber auch die Trainerakademie, das IAT mit seiner wissenschaftlichen Begleitung, die Bundeswehr einschließlich ihrer Sportfördergruppen, wo ein Großteil der Nachwuchsspieler untergekommen ist, sowie die Deutsche Sporthilfe. Alle Redner waren sich jedoch darüber einig, dass neben Verein und Schule vor allem auch die Eltern der wichtigste Faktor sind, später dann auch der Partner und die Partnerin. In den Workshops, die sich an die Impulsreferate anschlossen, wurde deutlich, dass sich heutzutage gleich mehrere Spielsportarten um die wenigen echten Talente reißen, wobei bestimmte Voraussetzungen für Handball, Volleyball und Basketball entscheidend sind. „In dieser Beziehung besitzen wir sogar den Vorteil, dass bei uns Körpergröße und Körpermasse nur eine untergeordnete Bedeutung spielen“, sagte der Hockey-Experte Forstner, wies aber im gleichem Atemzug auf ein Problem hin, mit dem alle Verbände unisono zu tun haben, nämlich dafür zu sorgen, dass die Duale Karriere ein unabdingbarer Bestandteil der Entwicklung sein muss.

Grundsätzlich, so stellte der Moderator Andreas Dünow als Fazit der unterschiedlichen Beiträge und Diskussionen am Schluss des Symposiums fest, sollten folgende Dinge forciert werden: die Basis in der Grundschule zu verbreitern, die Lehrer besser auszubilden, um Talente zu entdecken und sie entsprechend den Vereinen anzudienen. Ferner müssten gewisse Persönlich-keitsmerkmale erkannt und gefördert, Bezugspersonen geschaffen werden, um sich gegen konkurrierende Angebote außerhalb des Sports zu wehren.

Für die Eliteschulen des Sports heißt das, nicht nur für hervorragende Trainer, sondern auch für entsprechende Lehrer zu sorgen, damit sie auf dem Bildungssektor ebenfalls top sind. Nach Peter Schwarz, den Leistungssportreferenten des LSB Berlin, sollte diese Tagung nur ein Anfang, ein Einstieg in eine Problematik sein, die mehr denn je zum Tragen kommt und über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

Text: DOSB

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