Die Stiftung Deutsche Sporthilfe wird 4021. Mai 2007

Vom Sozialwerk des deutschen Sports zur modernen Dienstleistungs-Agentur für Athleten

„Ein Modell für die Welt“ wollte Willi Daume schaffen, es scheint gelungen. Am 26. Mai begeht Europas erfolgreichste private Sportfördereinrichtung in Berlin ihren 40. Geburtstag. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat seit ihrer Gründung im Jahr 1967 bis heute 40.000 deutsche Sportlerinnen und Sportler mit rund 350 Millionen Euro unterstützt. 90 Prozent aller bundesdeutschen Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften wurden von Athletinnen und Athleten gewonnen, die von ihr gefördert wurden. Das Modell „Stiftung Deutsche Sporthilfe“ haben viele Länder rund um den Globus übernommen.

Das ist das vorläufige Resultat einer bewegten Historie, die ihren Ursprung bereits vor mehr als vier Dekaden hatte. Willi Daume, damals Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK), entwickelte schon zu Beginn der 60er Jahre angesichts zunehmender Professionalisierung im Sport die Vision eines eigenen bis dato noch nicht gekannten Systems leistungssportlicher Förderung.

1967 – Die Geburt der Stiftung Deutsche Sporthilfe
Mit Bedacht und strategischem Geschick arbeitete Daume an seinem Vorhaben, das insbesondere nach dem Ende der gesamtdeutschen Mannschaft 1964 beschleunigt werden musste. Aufgrund der politischen Konfrontation von Ost und West gingen 1968 erstmals zwei getrennte deutsche Mannschaften an den Olympia-Start. Grund zum schnellen Aufbau eines eigenen Fördersystems föderalistischer Prägung, bei dem viele Partikularinteressen zu berücksichtigen waren. So mussten die gewachsenen Strukturen des bundesdeutschen Sports sensibel behandelt werden. Auch war bei der Mittelvergabe an die Athleten in Zeiten des damaligen „Amateurparagraphen“ dem IOC plausibel zu machen, dass die Stiftung keine verdeckte „Profi“-Förderung betreiben würde. Den Schlüssel zur Realisierung fand Daume in der sogenannten „pfingstlichen Nacht“ des 12. Mai 1967. An jenem Abend erklärte sich Josef Neckermann bereit, den Vorsitz der zu gründenden Sporthilfe zu übernehmen.


Die Gründerväter der Sporthilfe. Josef Neckermann, der erste Vorsitzende der Sporthilfe, und Initiator Willi Daume.

Zwei Wochen später wurde beim Berliner Notar Carl Scholz die Stiftungsurkunde unterzeichnet. Der DSB und die Deutsche Olympische Gesellschaft e.V. (DOG) brachten ein Stiftungsvermögen von 50.000 DM ein. Sitz der Stiftung wurde Frankfurt am Main. Josef Neckermann war für die Sporthilfe ein Glücksfall. Als erfolgreicher Sportler und Unternehmer brillierte er sowohl auf gesellschaftlichem Parkett, genoss aber auch hohen Respekt im Sport. Leidenschaftlich stritt der zweifache Olympiasieger für die Förderung der Leistungssportler in Deutschland. Gleichzeitig kämpfte der gestandene Unternehmer für die soziale Absicherung der Athleten und die gesellschaftspolitische Aufwertung des Sports in der Bundesrepublik Deutschland.

Dem Versandhaus-Unternehmer gelang die Pionierleistung, die Tore der Wirtschaft für den Sport zu öffnen. Neckermann schuf rasch die Strukturen, die den Erfolg der Stiftung bis heute begründen. Im Juli 1967 erfolgte die erstmalige Herausgabe von Sportbriefmarken mit Zuschlag zugunsten der Sporthilfe, die noch immer eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Im gleichen Jahr fasste der Vorstand den Beschluss, nicht nur Spitzensportler, sondern auch Talente zu fördern. Die damals begründete Philosophie – jungen Talenten, auf einer breiten spitzensportlichen Basis aufbauend, den Vorstoß in die internationale Leistungsspitze zu ermöglichen – gilt noch heute. Sie findet auch in dem von Herbert Strauf 1969 geschaffenen Sporthilfe-Symbol der „Pyramide“ ihren Ausdruck und steht Pate bei der Ehrung der besten „Juniorsportler des Jahres“ oder bei der Verleihung der „Goldenen Sportpyramide“ für das Lebenswerk herausragender Athleten.

Der „Ball des Sports“ – das Event zum Wohle des Spitzensports
Auf eine mittlerweile 37-jährige Tradition blickt der bundesweite „Ball des Sports“ zurück. Große Anspannung herrschte bei den Sporthilfe-Machern vor der ersten Gala-Nacht am 30. Januar 1970. „Von diesem ersten Ball hängt viel für die Sporthilfe und damit den deutschen Leistungssport ab“, schrieb seinerzeit FAZ-Journalist Herbert Neumann. Denn eine derartige Benefiz-Veranstaltung für den Sport gab es bis dato in Deutschland noch nicht. Und der Auftakt war glänzend. Die anwesenden Topmanager der Wirtschaft repräsentierten einen Jahresumsatz von 150 Milliarden DM, die Bundespolitik und vor allem die Künstler waren hochkarätig vertreten. Der „Ball des Sports“ konnte von Beginn an mit seinem niveauvollen, abwechslungsreichen Konzept überzeugen. Er hat sich zu einem der gesellschaftlichen Top-Ereignisse der Bundesrepublik entwickelt und ist mit einem Netto-Erlös von bis zu einer Million Euro jährlich die erfolgreichste Wohltätigkeitsveranstaltung im Sport in Europa.

Sowohl bei ihren Veranstaltungen als auch bei den eigenen Strukturen ist es der Sporthilfe immer wieder gelungen, den aktuellen Entwicklungen in Sport und Gesellschaft Rechnung zu tragen. Sie vollzog dabei den Wandel vom „Sozialwerk des deutschen Sports“, wie Josef Neckermann die Stiftung gerne bezeichnete, bis zur heutigen modernen Dienstleistungs-Agentur mit einem mannigfaltigen Förderangebot für die deutschen Athleten, die sie heute darstellt. Als solche wurde sie von der gemeinsamen Standort-Initiative von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft bereits zweifach als „Ort“ im „Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Die Wiedervereinigung
Ihre Fähigkeit zum Wandel ermöglichte es der Sporthilfe auch, 1990 die Kader-Athleten der ehemaligen DDR unmittelbar in das Fördersystem einzubeziehen. An dieser historischen Leistung hatte wiederum Willi Daume großen Anteil, der 1989 den Sporthilfe-Vorsitz von Josef Neckermann übernommen hatte. Prof. Dr. Dr. Joachim Weiskopf, letzter NOKPräsident der DDR, bezeichnete das Sporthilfe-Engagement als „eine generöse Hilfe und mitentscheidend für die weitestgehend reibungslose Überführung vormaliger DDR-Spitzensportlerinnen- und Sportler in die Nationalmannschaften des vereinigten Deutschlands.“ Zu den ersten geförderten Athletinnen aus den neuen Bundesländern zählte Franziska van Almsick. 1991 in die Förderung aufgenommen avancierte das damals erst 13-jährige Schwimm-Talent schon ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Barcelona mit je zwei Silber- und Bronzemedaillen zum „Goldfisch der Nation“ und wurde die erste gesamtdeutsche Sport-Ikone.

Heute – 40 Jahre jung
Aktuell unterstützt die Stiftung Deutsche Sporthilfe 3.800 Sportler und 600 Internatsschüler in über 50 Sportarten. Mit jährlichen Fördergeldern von zehn bis zwölf Millionen Euro leistet sie nach wie vor einen entscheidenden Beitrag zur Vielfalt und Leistungsfähigkeit des deutschen Sports. „Ohne die Sporthilfe ist für viele die Tür zum Leistungssport zu, bevor es überhaupt richtig losgeht“, würdigt Markus Baur die Stiftung. Der Kapitän der Handball-Weltmeister von 2007 engagiert sich ebenso wie Franziska van Almsick, Timo Boll, Dirk Nowitzki und viele weitere Größen des deutschen Sports für die aktuelle Markenkampagne der Sporthilfe.

„Unser Jubiläum nutzen wir, um unter den Leitbegriffen „Leistung. Fairplay. Miteinander.“ Für die Prinzipien des Sports zu werben und den Marken-Charakter der Sporthilfe zu prägen“, begründet Hans Wilhelm Gäb, der mittlerweile fünfte Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, die aktuelle Kommunikations-Initiative der Stiftung. Damit will sie ihre erfolgreiche Geschichte in das nächste Jahrzehnt führen. Eröffnet wird das 40-jährige Jubiläum mit der Verleihung der „Goldenen Sportpyramide“ am 25. Mai im Hotel Adlon Kempinski in Berlin.

Kontakt:
Stiftung Deutsche Sporthilfe, Hans-Joachim Elz, Burnitzstraße 42, 60596 Frankfurt am Main, Tel: 069 / 67803 – 50/51, Fax: 069 / 67803 – 80, E-Mail: hans-joachim.elz@sporthilfe.de, Internet: www.sporthilfe.de


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