DBB-Nationalspieler Günther, Giffey & Schwethelm – Ein bemerkenswertes Trio12. Oktober 2011

Drei Karrieren aus der NBBL heraus – Früh übt sich
Seit 2006 gibt es nunmehr die Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL). Als die Gesellschafter Deutscher Basketball Bund (DBB), Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL) sowie AG 2. Basketball-Bundesliga (DJL) beschlossen, die U19-Liga als deutschlandweite Plattform zur Entwicklung talentierter Spieler auf den Weg zu bringen, war jedoch noch nicht absehbar, in welche Richtung die Reise gehen würde.

Einen ersten Fingerzeig gab es, als die teilnehmenden Vereine ihre Kaderlisten einreichten. Denn mit Kölns Philipp Schwethelm, Hagens Per Günther und Berlins Niels Giffey waren ab der Premierensaison drei Youngster in der NBBL unterwegs, die allesamt ihren Weg gehen sollten und deren Fußspuren noch heute kräftige Spuren hinterlassen haben. Vier TOP4-Teilnahmen, eine NBBL-Meisterschaft, eine „Rookie of the Year“-Trophäe und eine Auszeichnung als wertvollster Spieler (MVP) der Liga. Das ist die Ausbeute der drei eingangs erwähnten Youngster. Viel wichtiger ist indes, dass das Trio die NBBL genau dafür genutzt hat, für die sie da ist. Sie haben die Nachwuchs-Liga als Möglichkeit genutzt, um sich individuell zu entwickeln und das nächste Level zu erreichen. Vollkommen zu Recht landeten sie als Gesichter der NBBL-Eigenanzeige mit dem Slogan „Früh übt sich!“ im jüngsten TOP4-Hallenmagazin. Dabei schlugen alle drei unterschiedliche Wege ein – die gleichwohl allesamt von Erfolg gezeichnet sind.

Nur ein Jahr in der Nachwuchs Basketball Bundesliga verbrachte der 1988 geborene Per Günther (Foto oben rechts). Von seinem Vater trainiert, führte der Point Guard die Phoenix Hagen Juniors ins erste TOP4 der NBBL-Historie. Dort kam es im Halbfinale zum Aufeinandertreffen mit dem TSV Tröster Breitengüßbach, der in der öffentlichen Wahrnehmung als klarer Favorit galt. Ohne eine Minute auf der Bank verbracht zu haben und 21 erzielte Punkte später hatte Günther die Westfalen zu einem emotionalen 74:69-Sieg geführt. „Wir haben damals alles aufs Feld gebracht, was die Mannschaft zu bieten hatte“, erinnert sich der heutige Nationalspieler. „Im Finale war dann leider die Luft raus.“ Hagen unterliegt Urspring im Endspiel mit 61:82, die Niederlage bedeutet gleichzeitig das Ende der einjährigen NBBL-Karriere Günthers.

„Niemand verliert gerne eine Meisterschaft, aber das Jahr in der NBBL hat meinem Selbstvertrauen dennoch ungemein geholfen“, berichtet der Aufbau. „Denn ich habe dort Erfahrungen gemacht, von denen ich in der 2. Liga profitiert, aber vor allem auch gezehrt habe, wenn es mal nicht so lief.“ Nach der TOP4-Pleite 2007 avanciert Günther für Hagen in der „Jungen Liga“-Saison 2007/2008 mit 14,5 Punkten und 2,4 Assists pro Spiel zum Garant für den Aufstieg in die Beko BBL. Nach seinem Wechsel von den „Feuervögeln“ zu ratiopharm Ulm nimmt er weiter Fahrt auf und wird von den Erstliga-Trainern sowie ausgewählten Medienvertretern zum Rookie of the Year 2009 gewählt. Inzwischen zählt er zum Stamm der deutschen Nationalmannschaft; die Nominierung für die Europameisterschaft in Litauen verpasste der Guard nur knapp.

Einen komplett anderen Weg wählte Niels Giffey (Foto links), der volle vier Jahre in der NBBL aktiv war und zwischen 2007 und 2010 eine immense Entwicklung hinlegte. Die Karriere des hochaufgeschossenen Flügels begann bei der Internationalen Berliner Basketball Akademie (IBBA), für die er 2006/2007 im zarten Alter von 15 Lenzen beeindruckende 12,7 Punkte, 7,0 Rebounds und 3,0 Ballgewinne pro Spiel auflegte. Die logische Konsequenz war die Benennung zum „Rookie of the Year“ und der Wechsel zum Stadtrivalen ALBA Berlin. Bei den „Albatrossen“ reifte er unter Europameister Henrik Rödl zur basketballerischen Allzweckwaffe, die den Hauptstädtern zwischen 2008 und 2010 drei TOP4-Teilnahmen in Serie einbrachte. Als Höhepunkt dieser Zeitspanne darf ohne Zweifel die U19-Endrunde vor eigenem Publikum genannt werden, wo sich Giffey und Co. dank eines furiosen Comebacks im Finale mit 75:70 über die Paderborn Baskets den Titel sicherten. Der von den einheimischen Fans später als „MVG“ (Most Valuable Giffey) Bejubelte war mit 32 Punkten – wobei er zwölf von 19 Würfen aus dem Feld traf und bei sechs Versuchen von der Freiwurflinie fehlerfrei blieb – in der Tat der fleischgewordene Unterschied auf dem Feld.

Mit insgesamt 101 Zählern hält Giffey bis heute den Rekord für die meisten bei TOP4-Turnieren erzielten Punkte. Nach seiner vierten NBBL-Saison (2009/2010) zog es den Allrounder über den Atlantik an die University of Connecticut, wo er mit den „Huskies“ prompt im Frühjahr die NCAA-Meisterschaft gewann. Mit dem Adler auf der Brust hatte Giffey im vergangenen Sommer Anteil am sensationellen 5. Platz der U20-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im spanischen Bilbao und wurde von Dirk Bauermann gar ins Trainingslager der A-Herren eingeladen.

Aktuell in aller Munde ist Philipp Schwethelm (Foto rechts), der mit dem FC Bayern München eines der spannendsten Basketball-Projekte der letzten Jahre in der Beko BBL etablieren möchte. Der geborene Rheinländer spielte bis 2008 in der NBBL, wobei er parallel auch schon in den Bundesligabetrieb reinschnupperte. „Wir hatten sicher eine gute Mannschaft beisammen, die es auch in den NBBL-Playoffs hätte weiter schaffen können“, sagt Schwethelm heute mit einem Lächeln. „Aber der Schwerpunkt war anders verteilt, denn neben mir wurden mit Tibor Pleiß und Davis Martens noch zwei weitere Spieler individuell sehr stark gefördert.“ So konnte die von Trainer Zoran Kukic (NBBL-Trainer des Jahres 2007) geführte Mannschaft nur selten in voller Stärke trainieren, ehe das talentierte Trio am Wochenende zu den Spielen hinzugenommen wurde.

„Ich bin Coach Kukic, aber auch dem damaligen Erstligatrainer Sasa Obradovic dankbar dafür, dass sie mich in Köln so gut durch das Programm geführt haben“, erinnert sich Schwethelm. „Viele Teams machen den Fehler und schauen einfach nur auf das Ergebnis. Bei uns war ganz klar als oberstes Ziel festgelegt, dass Spieler ausgebildet werden sollen.“ Dank des Flügels, der 2006/2007 17,4 Punkten, 7,5 Rebounds, 1,9 Assists und 3,1 Steals pro Spiel markierte, ging es in der gleichen Saison dennoch tief in die Playoffs. Erst im Viertelfinale mussten sich die Domstädter dem Team Bonn/Rhöndorf in zwei Partien (seinerzeit bestanden die Serien aus einem Hin- und Rückspiel) geschlagen geben. „Da war ich stinksauer, denn wir hätten die Serie wirklich gewinnen können“, offenbart Schwethelm und erinnert sich: „Bonn/Rhöndorf hat im zweiten Spiel Tibor Pleiß immer raus an die Dreierlinie gelockt und gegen ihn Eins-gegen-Eins gespielt, während ich mich nach der Pause mit Krämpfen im Bein übers Feld geschleppt habe.“ Dass aus dem schlaksigen Center die Zukunft der Nationalmannschaft auf der großen Position werden würde, war damals kaum denkbar. Schwethelm: „Tibor hat danach noch ein Jahr gebraucht, um den nächsten Schritt zu machen – das Ergebnis kenne wir ja alle.“ Schwethelm selbst wurde für seine Leistungen im Jahr 2007 als erster NBBL-MVP ausgezeichnet, lief 2007/2008 nur noch sporadisch in der U19-Liga auf und wurde in der Beletage als „Rookie of the Year“ geehrt.

Per Günther, Niels Giffey, Philipp Schwethelm: Diese drei jungen Männer sind der Nachwuchs Basketball Bundesliga mittlerweile entwachsen. Aber kein Mitglied dieses talentierten Trios wird je vergessen, was die Entwicklungs-Plattform NBBL ihm mit auf den Karriereweg gegeben hat. Und die Liga selbst hält ihr Vermächtnis in guter Erinnerung und erhält darüber hinaus durch den Werdegang der Youngster die Bestätigung, dass der 2006 eingeschlagene Weg der bundesweiten Jugendförderung goldrichtig gewesen ist. (NBBL / JB)

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