DBB-Bundestrainer bei Coach Clinic in Holzkirchen22. März 2010

Bundestrainer mit Blick über den Tellerrand hinaus – Dirk Bauermann fasziniert knapp 200 Teilnehmer bei Holzkirchner Coach-Clinic – Damen-Bundestrainer Imre Szittya will Damen-Basketball nicht hinter den Herren versteckt sehen

Mucksmäuschenstill war es. Und das, obwohl fast zweihundert Trainer, Betreuer und Basketball-Fans die Tribüne und das Parkett der Sporthalle bevölkerten. Aus ganz Südbayern waren sie angereist, ehrfürchtig, aber auch neugierig, was die Fachkompetenz Nr. 1 im deutschen Basketball ihnen mitzuteilen hatte. DBB-Vizepräsident Sascha Dieterich aus Miesbach und Leo Wahlländer (ganz rechts) vom TuS Holzkirchen hatten die Bundestrainer Dirk Bauermann (Foto Mitte) und Imre Szittya (2. v. li.) ins beschauliche Oberland gelockt, um über seine Gedanken und seine Prinzipien im Nachwuchsbereich zu referieren. Auf dem Foto sind noch Armin Sperber (Jugendreferent Bayerischer Basketball-Verband, ganz li.) und Frank Kropp (FC Bayern München, 2. v. re.). 

Die vielen Erfolge, die Bauermann in seiner langen Karriere gesammelt hat, bescheren ihm heute verständlicher Weise jenen Respekt, den er von allen Sportlern untereinander fordert. Egal ob sie Spieler, Trainer oder Fan sind. “Mein Weg war lang, hart und auch mit vielen Tiefen versehen”, erklärt der ganz in schwarz gekleidete Bundestrainer. Und obwohl es als Spieler nur für die Zweite Liga reichte, gehört er nun 25 Jahre später zu den ganz großen seines Fachs. “Ich selbst bin das beste Beispiel, dass es jeder von Euch schaffen kann”, vermittelt er besonders den jungen Zuhörern die immer vorhandenen Chancen im Leben. Auch im europäischen Basketball-Mekka Griechenland hat er es versucht. “Beim ersten Mal haben sie mich nach acht Monaten entlassen”, erzählt Bauermann ernst. Er wollte es den Hellenen und vor allem sich selbst beweisen und versuchte es ein zweites Mal. “Da schmissen sie mich dann nach acht Wochen raus”, grinst er schelmisch und hat die Lacher auf seiner Seite. So eine Geschichte macht den coolen Bauermann einfach natürlich und sympathisch. Viele Meistertitel und die Teilnahme an drei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen bestätigen seinen gewählten Weg.

Bauermann ist 100prozentiger Verfechter des europäischen Basketballs. “In der NBA tanzt oft nur ein Superstar mit dem Ball, der Ring ist der Focus. Das Ziel meiner Teams ist immer der Weg des Balles zum Ring durch die Bewegung aller Spieler. Selbst Soloauftritte von Dirk (gemeint ist Superstar Nowitzki, die Red.) sind da eher die Ausnahme!” Unwesentliche Unterschiede zwischen Profisport und Nachwuchsarbeit sieht Bauermann besonders in einem Punkt.: “Die Hauptaufgabe vor jeder Karriere ist sich selbst Ziele zu definieren. Und ich kenne eigentlich keinen, der sich große Ziele gesetzt hat, ohne dass er sich nicht dafür gequält und gearbeitet hat. Dass keine lineare Entwicklung dann auch ohne Rückschläge bleibt, erklärt sich von selbst! Mit diesen Negativ-Erlebnisse umzugehen, gilt es besonders im Nachwuchsbereich zu arbeiten. So vermitteln wir Trainer den Kindern schon früh entscheidende Lebensgrundlagen. Ein Profitrainer wird verständlicher Weise an Siegen und Titeln gemessen. Ein Hobbytrainer sollte natürlich andere Ziele haben. Ein Nachwuchscoach-Coach in Holzkirchen, eigentlich egal, in welcher Sportart, sollte ausschließlich daran gemessen werden, ob er seinen Spielern das nötige Handwerkszeug näher gebracht hat und damit das Selbstvertrauen in die eigenen Möglichkeiten gestärkt hat. Bei einem 12jährigen sollte nicht die Meisterschaft entscheidend sein, sondern die Vermittlung in dessen Glaube in die eigenen Fähigkeiten!” Darum empfiehlt der Bundestrainer auch den Blick über den berühmten Tellerrand hinaus. Ein Basketballer darf auch Mal zum Schwimmen gehen, Fußball spielen oder einen Badmintonschläger in die Hand nehmen. Die Überraschung im Publikum war nicht gering, als Bauermann zum Besten gab, dass zum Beispiel ein Rekord-Nationalspieler Hansi Gnad bei einem Schwimmwettkampf fürs Basketball entdeckt wurde.

Es waren nicht unbedingt bisher noch unveröffentlichte Neuigkeiten, die Dirk Bauermann in der beschaulichen Basketball-Diaspora Holzkirchen erzählte. Es war einfach die unumstößliche Kompetenz und damit die Glaubwürdigkeit eines Fachmanns, der einfache und bekannte Sachen perfekt auf den Punkt gebrachte.

Verständlicherweise musste Damen-Bundestrainer Imre Szittya die Clinic-Teilnehmer nach einer kurzen Leberkäs-Pause (Originalton Bauermann: “Wenn die Bayern Leberkäse riechen sind sie nicht mehr zu halten!”) wieder neu für sich gewinnen. Der quirlige Nördlinger brauchte allerdings nur wenige Minuten, und schon hatte er sämtliche Trainerohren an seinen Lippen. Aktiv und selbst immer mitten drin brachte Szittya viele Tipps sowohl für Individualtraining als auch für Mannschaftstaktik den anwesenden Coaches näher.

Leo Wahlländer, B-Trainer und Abteilungsleiter vom Gastgeber TuS Holzkirchen, brachte es auf den Punkt: “Einem Imre Szittya sieht man in jeder Sekunde den Spass an seiner Arbeit an. Mit seiner energiegeladenen Art setzt er selbst die von Bauermann gewünschte Aktivität eines Trainers am besten um!” Szittya wollte in jedem Fall noch einmal nachdrücklich daran erinnern, das man Damen- mit Herren-Basketball nicht vergleichen sollte. Beide Geschlechter betreiben ihren Sport auf Basis ihrer physisch gegebenen Fähigkeiten.

So hatte die Coach-Clinic am Ende auch nur Gewinner. Zufriedene Teilnehmer mit neuen bekannten Zielen und zwei Bundestrainer, für die der Ausflug ins Oberland ein äußerst angenehmer Arbeitstag war!

Von Holzi-Power/Jörg Wedekind

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