Bohren, wo es wehtut – Netz gegen Nazis6. Mai 2008

Mit zahlreichen Aktionen unterstützen die Partner das Projekt gegen Rechtsextremismus der ZEIT – DBB-Präsident Ingo Weiss war für den DOSB bei der Auftakt-Pressekonferenz

Seit Montag 0 Uhr ist Netz-gegen-Nazis.de online. Das Web-Portal ist das Herzstück eines Projekts, das sich gegen den Rechtsextremismus in Deutschland wendet und Opfer rechter Gewalt und Bedrohung mit Rat und Tat zu Seite stehen will.

Aber nicht nur im Internet soll dieses Portal für Furore sorgen. Mit zahlreichen Aktionen wollen die ZEIT als Initiator und ihre sechs Partner für das Projekt werben und über die Gefahren von Rassismus und Rechtsextremismus aufklären, sagten ihre Vertreter am Montag während der Auftaktpressekonferenz in Berlin.

Nur auf den ersten Blick erscheint das Zusammenwirken von so unterschiedlichen Institutionen wie der ZEIT und dem Deutschen Fußballbund (DFB), dem Deutschen Feuerwehrverband und den drei Internet-Portalen, SchülerVZ, StudiVZ und meinVZ, dem ZDF und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig.

Für ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo braucht es jedoch ein „Aufbegehren gegen das Eindringen von rechtsextremem Gedankengut in unseren Alltag“. Dieser Appell soll sich deshalb nicht an diejenigen richten, die schon Bescheid wissen, sondern mit Netz-gegen-Nazis.de „dahin gehen, wo es wehtut“. Die Partner wollen deshalb gewährleisten, dass dieses breit angelegte Projekt in den kommenden drei Monaten möglichst „viele Menschen erreicht“ und „zu Aktionen ermutigt“.

Deshalb stellt beispielsweise die Deutsche Fußball Liga den kommenden 32. Bundesliga-Spieltag der Ersten und Zweiten Bundesliga ganz in den Dienst von Netz-gegen-Nazis.de. In allen Bundesligastadien werden Transparente entrollt und ein Video-Clip gezeigt, in dem der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft, Michael Ballack, persönlich zu diesem Thema Stellung nimmt.

Der DFB zieht mit seinen 26.000 Vereinen und dem Amateurfußball am Pfingstwochenende nach. In vielen Stadien wird es Aktionen und Durchsagen geben, die besten Ideen werden vom DFB ausgezeichnet, die Gewinner erhalten Trikots der Nationalmannschaft oder Originalautogramme der Nationalspieler.

Nach Ansicht des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger zeigen nicht nur die Vorfälle während eines Amateurspiels in Halle, bei dem die Fans auf den Rängen „Juden raus“ skandierten, dass der Kampf gegen das Wegschauen im Alltag wichtig ist. Der Fußball sei im Höchstmaß gefährdet, er sei basisbezogen und ehrenamtlich, sagte Zwanziger und fügte hinzu: „Wenn ich Nazi wäre, würde ich dort ansetzen.“

Deshalb will der DFB die „Augen öffnen“, „Zivilcourage zeigen“ und eine Qualifizierungskampagne für seine ehrenamtlichen Mitarbeiter beginnen. „Die Vereinsarbeit erschöpft sich nicht im Einüben von Doppelpass und Fallrückzieher“, sagte der DFB-Präsident. Die 26.000 Vereine und die vier Millionen Ehrenamtlichen im Fußballbund müssten ihren Mitgliedern vielmehr auch vermitteln, dass es sich lohne, sich für ein demokratisches Gemeinwesen und ein weltoffenes Land zu engagieren und dass Nazis das Gegenteil wollten. „Auch dieser Aufgabe müssen sich die Vereine stellen.“

Die Aktionen, die die Partner von Netz-gegen-Nazis.de in den nächsten drei Monaten planen, sind vielfältig, aber sie haben alle immer das gleiche Ziel. Sie wollen in ihren Reihen möglichst viele Menschen erreichen, für das Internet-Angebot und für das Anliegen der Initiatoren werben. Insbesondere der Sport böte einen Weg, mit seiner Begeisterung und seinen Emotionen die Menschen zu erreichen, sagte Zwanziger. „Wenn sie nur auf der intellektuellen Ebene diskutieren, erreichen sie gar nichts.“

Der DOSB stellt im Juli eine ganze Themenwoche unter dieses Motto und er unterstützt Multiplikatoren, die am Ort mit Rechtsextremismus konfrontiert sind. Ein Netzwerk will der DOSB über die gesamte Bundesrepublik ziehen, das Präsidiumsmitglied Ingo Weiss will die 25 Millionen Mitglieder seines Verbands zu „wachsamen Löwen“ machen. Hier sei bürgerschaftliches Engagement gefordert, sagte Weiss, und einmal nicht die Politik.

Der Deutsche Feuerwehrverband will verhindern, dass sich rechtsextreme Einstellungen in dem Verband und unter seinen 1,3 Millionen Mitgliedern breitmachen. Deshalb wird er in den kommenden Monaten auf zahlreichen Veranstaltungen für das Projekt werben.

Auch die VZ-Gruppe, wie die ZEIT ein Teil der Holtzbrinck-Verlagsgruppe,  plant mit ihren Nutzern eine Reihe von Aktionen. Das ZDF schließlich wird das Thema als Fernsehpartner in seiner aktuellen Berichterstattung vielfältig aufgreifen und bietet zudem im Internet in ihrer umfangreichen Mediathek eine Reihe von aktuellen und hintergründigen Fernsehbeiträgen von 90 Sekunden bis 45 Minuten zum ständigen Abruf an. „Wir trommeln gerne für diese Plattform“, sagt ZDF-Intendanten Markus Schächter, „wir wollen dieses Thema nach vorne bringen, Service und Orientierung bieten.“

Quelle: www.zeit.de


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