Hans-Joachim Höfig

Hoefig-2003. Präsident (1964-1973)
Hans-Joachim Höfig (2006)

Hans-Joachim Höfig wurde am 21. Dezember 1915 in Sprottau (Schlesien) als Sohn des Polizeibeamten Max Höfig geboren, siedelte aber schon frühzeitig mit seinen Eltern nach Westfalen um. Am Archi-Gymnasium in Soest machte er das Abitur und wurde anschließend zur Wehrmacht eingezogen. Dort schlug er die Verwaltungslaufbahn ein. Zuletzt war er Stabsintendant. Das Ende des Krieges erlebte Hans-Joachim Höfig in Kriegsgefangenschaft in Afrika.

Der Vater von sechs Kindern heiratete nach dem Tode seine ersten Frau erneut und lebte bis zu seinem Tod mit Helga (geb. Altmann) zusammen. Über die Stationen Lüdenscheid, Hagen und Gevelsberg „verschlug“ es den Jubilar nach Ennepetal-Voerde, wo er sich seinen eigenen Wohnsitz schaffte.

Nachdem Hans-Joachim Höfig aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, trat er eine Referendarstelle bei der North German Iron and Steel Control an. Später nahm er ein Angebot der Firma Bernhard Frölich in Gevelsberg an, deren Geschäftsführung er von 1950 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1981 innehatte. Die Firma Bernhard Frölich hatte die Coca-Cola-Konzession für den Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen. Aus kleinsten Anfängen baute Hans-Joachim Höfig dieses Unternehmen ständig aus und erschloss neue Geschäftsbereiche. Lange Jahre war Höfig auch stellvertretender Vorsitzender des PR-Ausschusses von Coca-Cola Deutschland.

Nach seiner Pensionierung wurden seine Dienste weiter in Anspruch genommen. Er betätigte sich im südwestfälischen Raum als Marketingberater. 1982 wurde er zum Geschäfstführer der BWA Basketball Werbe- und Ausstattungs GmbH, der Marketingagentur des Deutschen Basketball Bundes, berufen. Hier konnte er seine ganze kaufmännische Erfahrung und vor allem sein sportliches Wissen sowie seine außergewöhnlichen Beziehungen bestens einbringen.

In seinen jungen Jahren und später bei der Wehrmacht stand Handball im Vordergrund der sportlichen Aktivitäten von Hans-Joachim Höfig. Nach Kriegsende spielte er zunächst auch in Lüdenscheid wieder Handball, aber nach seiner Umsiedlung nach Hagen kam er mit der Sportart in Kontakt, die seinen weiteren sportlichen Weg bestimmen sollte: Basketball.

Höfig zählte zu den Mitbegründern der Basketball-Abteilung des SSV Hagen, die 1951 gegründet wurde. Er stand dieser Abteilung von 1954-1956 vor und zeichnete für die schnelle Entwicklung verantwortlich. Aktiv warf er für die Alte-Herren-Mannschaft auf die Körbe. 1966 gewann Hans-Joachim Höfig mit diesem Team bei den Bundesbestenspielen der Senioren III in Hamburg den Titel. Bis zum Alter von fast 80 Jahren blieb Hans-Joachim Höfig dem Basketball aktiv auf dem Spielfeld verbunden.

Nachdem er als Basketball-„Funktionär“ beim SSV Hagen Fuß gefasst hatte, war diese Karriere von Hans-Joachim Höfig nicht mehr zu bremsen. Schnell kamen Kontakte zum Westdeutschen Basketball-Verband (WBV) zustande, zu dessen 2. Vorsitzenden er 1956 gewählt wurde. 1960 übernahm er das Amt des 1. WBV-Vorsitzenden, das er bis zur Wahl zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Basketball Bundes am 23. Mai 1964 innehatte.

Während der DBB-Präsidentschaft von Hans-Joachim Höfig, die von 1964 bis 1973 dauerte, wurden weitreichende Entscheidungen getroffen, die für die spätere Entwicklung des Dachverbandes wichtige Weichen stellten. Wichtigster Punkt während seiner Präsidentschaft war die finanzielle Sanierung des darbenden Verbandes. Dies wurde nicht zuletzt durch die Einführung der Spielermarken und neuer Pässe im Jahre 1969 erreicht. So konnte auch die Grundlage für die Errichtung einer mit hauptamtlichen Kräften besetzten Geschäftsstelle geschaffen werden. Hans-Joachim Höfig darf sich außerdem als „Mit-Erfinder der Bundesliga“ bezeichnen lassen, die 1966 erstmals ausgetragen wurde.

Von 1964 bis 1969 versuchte Höfig mit zwei teilbesoldeten Geschäftsführern, die ständig wachsenden Belastungen zu bewältigen. Mit der Einrichtung der Geschäftsstelle in Hagen (1969) und der Einstellung eines hauptamtlichen Generalsekretärs konnte der entstandene Engpass überwunden werden, so dass neue Aufgaben angepackt werden konnten.

Die Übernahme und die Durchführung von zwei Europameisterschaften (1969 EM der Juniorinnen in Hagen, Lünen und Köln und die 17. Europameisterschaft der Männer 1971 in Essen und Böblingen) sowie die Olympischen Spiele 1972 in München bescherten neue, vielfältige Aufgaben, die eine starke Mitgliederbewegung mit sich brachten. Den Bau der Olympia-Basketball-Halle, der heutigen Rudi-Sedlmeyer-Halle, hat Hans-Joachim Höfig maßgeblich beeinflusst. Sie gehörte nach den Olympischen Spielen jahrzehntelang zu den meist genutzten Anlagen aus dem Olympiabereich.

Auch international hatte sich Hans-Joachim Höfig einen guten Ruf verschafft, so dass er beim FIBA-Weltkongress 1972 in München als erster Deutscher in das Central Board der FIBA gewählt wurde. Mit dieser Wahl zeichnete die FIBA die Bemühungen Höfigs aus, die Bundesrepublik Deutschland im Basketball weiter nach vorne zu bringen. In der Zeit als DBB-Präsident freute sich Hans-Joachim Höfig über den Anstieg der Mitgliederzahlen von 20.403 im Jahre 1964 auf rund 44.000 im Jahre 1973. Im Nationalen Olympischen Komitee war er Mitglied von 1965-1974 und u.a. Mitglied in dessen Finanzausschuss.

1973 übergab Hans-Joachim Höfig den Vorsitz an Anton Kartak. Er machte aber als DBB-Vizepräsident weiter. U. a. widmete Höfig sich mit besonderem Engagement der Tätigkeit des Verlegerbeirates der Fachzeitschrift BASKETBALL. Mit viel Geschick und Elan wurden Probleme im redaktionellen und geschäftlichen Bereich angegangen und gelöst. Die Bildung des sogenannten Ballpools, vom früheren DBB-Generalsekretär Hans Schöttler eingeleitet, führte Höfig weiter. Diese Tätigkeiten wurden 1978 in den Bereich der BWA eingebracht. Dort bestimmte Hans-Joachim Höfig bis 1990 die Geschicke.

Als sich Hans-Joachim Höfig 1982 beim Bundestag in Erlangen aus der ersten aktiven Reihe im DBB zurückzog, ernannte ihn das oberste DBB-Gremium zum Ehrenmitglied. Stehend dankten ihm die Delegierten für seine jahrzehntelange Arbeit im Interesse des Basketballs. Am 4. Mai 1986 wurde Hans-Joachim Höfig eine weitere Ehrung zuteil. Der Bundestag beschloss, ihn auf Lebenszeit zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Neben diesen – und zahlreichen weiteren – Verbandsehrungen verlieh ihm der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland das Bundesverdienstkreuz am Bande (20.10.1986), und der damalige NRW-Ministerpräsident Rau zeichnete den DBB-Ehrenpräsidenten mit der Sportplakette des Landes NRW aus.

Wenn man es denn als solchen bezeichnen mag, waren die Vorbereitungen zum Erwerb des ehemaligen Krupp-Verwaltungsgebäudes und die damit verbundenen Umbauarbeiten zur DBB-Geschäftsstelle sein letzter „Coup“. Ohne sein Engagement hätte der DBB heute wohl keine eigene – und bereits bezahlte – Geschäftsstelle. Nicht unerwähnt bleiben sollte sein unermüdlicher Einsatz auf allen Ebenen des Hagener Basketballs.

Aus der Alltagsarbeit beim DBB hatte sich Hans-Joachim Höfig schon lange zurückgezogen. Dennoch war der Jubilar ein gern gesehener Gast in der Bundesgeschäftsstelle, bei Präsidiumssitzungen, Länderspielen und überall, wo Basketball gespielt und gelebt wird. Zuletzt lagen ihm ganz besonders die „Oldies“ und der damit verbundene Spielbetrieb am Herzen. Außerdem war er immer dabei, wenn es darum ging, etwas für das Deutsche Basketball-Archiv zu bewegen und zu gestalten. Und nicht zuletzt war es ganz einfach ein besonderes Vergnügen, mit Hans-Joachim Höfig ins Gespräch zu kommen.