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Henrik Rödl:
Großartige Karriere ist beendet

Am 25. Mai 2004 war Schluss! Nach dem enttäuschenden Playoff-Aus mit ALBA Berlin gegen GHP Bamberg beendete Henrik Rödl seine großartige Karriere. Künftig wird er dem Basketball als Trainer verbunden bleiben.

Henrik Rödl kann in seiner Karriere auf eine ellenlange Erfolgsbilanz zurückblicken. Um so enttäuschter war der damalige Bundestrainer Henrik Dettmann, dass der 34-jährige vom Deutschen Meister und Europaligisten ALBA Berlin aufgrund einer Verletzung nicht mit von der Partie war, als Deutschland den 4. Platz bei der EM 2001 in der Türkei belegte. Nachdem er den ganzen Sommer 2001 nicht richtig spielen konnte, hatte sich der Berliner am Fuß operieren lassen und fiel für die kontinentalen Titelkämpfe aus. Er lieferte dann aber in veränderter Rolle von der Bank aus eine überzeugende Saison bei ALBA Berlin und gewann Meisterschaft und Pokal 2002. Nach mehr als zweijähriger Pause im Nationalteam wirkte der Berliner Kapitän bei den EM-Qualifikationsspielen im Herbst 2001 gegen Irland in Göttingen und gegen Bosnien-Herzegowina in Dortmund mit und half der deutschen Mannschaft auch hier weiter.

Dies geschah in der Folge dann aber schon bei der WM in Indianapolis in einer anderen als der bisher im Nationalteam gewohnten Rolle: "Henrik und ich glauben beide, dass er dem Team mit seiner Erfahrung und seiner Ausstrahlung noch helfen kann. Er weiß und akzeptiert aber, dass mittlerweile eine andere Basketball-Generation herangewachsen ist und möchte künftig mehr im Hintergrund agieren. Verzichten möchte ich auf Henrik Rödl aber auf keinen Fall", so der Bundestrainer, der die neue Rolle Rödls mit der von Kai Nürnberger bei der EM 1999 verglich. "Ich freue mich auf die WM, denn vielleicht ist das für mich die letzte Möglichkeit, bei solch einem großen Ereignis dabei zu sein", sagte Henrik Rödl vor der WM. Trotz des vergleichsweise hohen Alters war Rödl in Indianapolis sehr gut in die Mannschaft integriert. Er gab der Mannschaft auf dem Spielfeld (35 Punkte, 7 Assists, 18 Rebounds) und vor allem auch von der Bank wichtige Impulse und trug damit maßgeblich zum guten Abschneiden der deutschen Mannschaft bei. Und der Routinier hat die Nase anscheinend noch immer nicht voll, so dass eine Teilnahme an der Europameisterschaft im letzten Sommer (5.-14.September in Schweden) nicht ausgeschlossen schien. Doch im Mai 2003 zog er sich im Spiel gegen Frankfurt einen Bruch des Schienbeinköpchens zu, und somit war sein Einsatz bei der Europameisterschaft nicht möglich. Gegen Ende der BBL-Spielzeit schaffte Henrik Rödl sein Comeback bei ALBA Berlin, letztlich aber ohne Happy End.

Der Allrounder Henrik Rödl hat eine exzellente basketballerische Grundausbildung genossen. Durch seinen Vater kam er beim EOSC Offenbach schon früh mit dem orangen Leder in Berührung. Seine Größe und sein überdurchschnittliches Talent brachten ihn schon bald in die Junioren-Nationalmannschaft. Im Jahr 1986 schließlich ging er in das Mutterland des Basketballs, um an der Chapel Hill High School in North Carolina zu spielen. Mit seinem Team gewann er prompt die Landesmeisterschaft und wurde zum Final-MVP und zum besten Spieler seiner Schule gewählt. Um sein Abitur abzulegen, ging Rödl allerdings 1987 nach Deutschland zurück, wo er trotz zahlreicher Angebote von Erstligisten dem EOSC die Treue hielt und mit der 1. Herrenmanschaft in die 2. Bundesliga aufstieg. Auch Nationaltrainer Svetislav Pesic hatte das Talent des Guards erkannt und so kam es, dass Henrik Rödl als erster Drittligaspieler am 31.10.1987 in der Nationalmannschaft debütierte.

Im Jahr 1989 zog es Rödl schließlich zurück in die USA, wo er für die tradtionsreiche North Carolina University Basketball spielte. Beim legendären College-Coach Dean Smith, den Rödl noch aus High-School-Zeiten kannte, holte er sich den basketballerischen Feinschliff und avancierte im Team zum wichtigen Rollenspieler. Das Jahr 1993 wurde für Rödl zum absoluten Karrierehöhepunkt: Zuerst gewann er zum Abschluß seiner Collegezeit mit den "Tar Heels" den heißbegehrten NCAA-Titel. Nach seiner Rückkehr aus den USA schlug Rödl in der Hauptstadt seine seine Zelte auf, die er bis heute nicht abgebrochen hat. Im Sommer des selben Jahres war der Korbjäger am größten Triumph des DBB beteiligt: Dem Gewinn der Europameisterschaft im eigenen Land. Weiterhin konnte Henrik Rödl als Kapitän von ALBA sieben Deutsche Meisterschaften, vier Pokalsiege und den Gewinn des Korac-Cups 1995 feiern. Zudem wurde er am 29. Dezember 1998 zum FIBA All-Star-Spiel der 24 besten Basketballer Europas eingeladen. Wie in der Vereinsmannschaft, so war Henrik Rödl auch im DBB-Dress lange Zeit das Herz des Teams. Mit der Erfahrung von mittlerweile 178 Länderspielen, in denen er 9,8 Punkte im Schnitt erzielte, sorgte er immer für wichtige Impulse. Wichtiger noch als seine offensiven Qualitäten aber war die bedingungslose Defense, mit der Rödl in der Lage war, Gegenspieler von der Position des Point Guards bis hin zum Small Forward aus dem Spiel zu nehmen.

Am 4. August 2004 wurde Henrik Rödl in der ausverkauften Kölnarena offiziell aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Der Deutsche Basketball Bund wünscht seinem verdienten Spieler von Herzen Alles Gute für seine Zukunft als Trainer und ist sicher, dass Henrik Rödl auch an der Seitenlinie Erfolg haben wird.

Stand: 05.08.2004