Trainerportrait Hansi Gnad
DBB-Team profitiert von reichem Erfahrungsschatz

Hans-Jürgen "Hansi" Gnad (geboren am 4. Juni 1963 in Darmstatdt) kam erst mit 17 Jahren zum Basketball. Zuvor war der gebürtige Hesse in der Schwimmstaffel der SG Darmstadt erfolgreich: einige Landestitel und Jahrgangsmeisterschaften konnten sich durchaus sehen lassen. Ein Basketball-vernarrter Sportlehrer ("Der Mann hat mich echt genervt!") lockte den damals schon 2,00 m (mittlerweile sind es 2,08 m) großen Athleten aus dem Becken unter die Körbe. Seit 2005 ist der ehemalige Center der Nationalmannschaft als Trainer für den Deutschen Basketball Bund tätig. Nach dem Ausscheiden von Chirs Welp übernahm er dessen Aufgaben in der A-Nationalmannschaft. Für Bundestrainer Dirk Bauermann ein Glücksgriff: "Mit Hansi Gnad haben wir die Position ideal besetzt. Er hat sich aus meiner Sicht in den vergangenen beiden Jahren als Trainer enorm weiter entwickelt und ist mit seiner Erfahrung als Spieler und mit seiner Ausstrahlung sehr wertvoll für uns. Hansi ist als (ehem.) Rekord-Nationalspieler auch international ein Aushängeschild für den deutschen Basketball. Er soll nah am Team dran sein und als eine Art Bindeglied zwischen der Mannschaft und mir fungieren, dabei auch ein Gespür für die Stimmung im Team entwickeln. Konkret im Training wird Hansi Teile des Athletikprogrammes übernehmen und verstärkt mit den großen jungen Spielern wie z.B. Jan Jagla, Christopher McNaughton oder Guido Grünheid arbeiten"
Beim Spiel mit dem roten Ball zeigte sich der Schwimmer zunächst zwar nur mäßig begabt, aber ausgesprochen trainingsfleißig. Der Elektrogeräte-Mechaniker-Azubi verblüffte die Teamgefährten wenn er nach dem Training mit der 1. Mannschaft auch noch für die A-Jugend die Stiefel schnürte.
"Ich war es eben gewohnt hart zu trainieren - bis zu 5 Stunden am Tag - und deshalb habe ich auch als Basketballer mit ähnlichem Zeitaufwand trainiert", war dieser Umstand für Hansi eher selbstverständlich. Mit dem BC Darmstadt spielte er von 1981-83 in der 2.Liga. Dank seiner zupackenden Art verschaffte sich der Rookie schnell Respekt.
Im Sommer 1983 mußten die Darmstädter absteigen. Hansi Gnad blieb der Gang in die Niederungen der Regionalliga jedoch erspart. Schon längst war man im benachbarten Langen auf den Nachwuchscenter aufmerksam geworden. Auf Vermittlung des damaligen TVL-Nationalspielers Rainer Greunke erhielt Gnad ein Stipendium an der University of Alaska.
Weder die Aussicht auf Polarkälte, noch der Abbruch der Berufsausbildung schreckten Hansi vom Abenteuer Alaska ab. "Es waren vier schöne Jahre. Alaska ist ganz anders, als man es sich hier vorstellt. Im Sommer grün, im Winter herrlich weiß. Die trockene Kälte läßt sich sehr gut ertragen", sagt Hansi rückblickend. In den ersten beiden Jahren wurde der Deutsche in der harten NCAA-Schule des hohen Nordens zum 'Techniker' geschliffen.
Mit stattlichem Erfolg: 1986 wurde Gnad zum "Conference Player of the year" gewählt. Im selben Jahr holt Bundestrainer Klein den Darmstädter ins Aufgebot für die WM in Spanien. Dort führte sich der Collegespieler auf Anhieb glänzend ein. Hansi Gnad galt als die Entdeckung der WM aus deutscher Sicht. Schon am Rande der WM trat die Vereinsführung des BSC Saturn Köln an den frischgebackenen Nationalspieler heran. Kurze Zeit später war der Deal mit den Domstädtern unter Dach und Fach.
Doch zunächst kehrte Hansi für eine weitere Spielzeit nach Anchorage zurück. 86/87 wurde die Saison des Hans-Jürgen Gnad. Mit 14 Rekorden ist er in den Annalen der Universität verzeichnet. Seine Trikotnummer 33 wird nicht mehr vergeben. Als einer von zwei Spielern der Divison II wurde er in das NCAA-All-Star-Team berufen. Als Topscorer und Rebounder empfahl er sich auf eindrucksvolle Weise den Talentspähern der NBA.
Die Kölner fliegen den Studenten (Bauinginieurwesen) zum Play-Off-Auftakt ein und erringen gegen die Riesen vom Rhein unter seiner maßgeblichen Mitwirkung den Titel. "Sein Stil ist unauffällig. Trotz seiner Größe ist er ungemein beweglich und von einer Eleganz, die nur wenige Center haben", urteilte BSC-Chefcoach Tony DiLeo über seinen Glücksgriff.
Während die Kollegen in der Sommerpause relaxten kehrte Hansi über den großen Teich zurück, um in den Auswahlcamps der Philadelphia 76ers einen der 12 freien Plätze im Team zu ergattern. Beim College-Draft hatten die Sixers Gnad in der 3. Runde an 56.Stelle "gezogen". Bis Mitte November konnte Gnad auf die Erfüllung des NBA-Traumes hoffen. Doch endgültig wollte sich Coach Matt Guokas nicht für den Deutschen erwärmen. Als Letzter wurde Hansi aus dem Kader der Sixers gestrichen.
87/88 spielt er mit dem BSC Saturn in der Europaliga. Die Mannschaft feiert große Siege und verteidigt auch den nationalen Titel durch einen 3-1 Erfolg über Leverkusen.
Im Juli 1988 erhält Gnad erneut die Chance auf ein NBA-Engagement. Die neugegründeten Miami Heat hatten sich zwischenzeitlich die Rechte an dem Wahl-Kölner gesichert. Wieder ging es in die "Try-out-Camps". Aber auch diesmal wird er als Letzter aus dem Kader gestrichen, weil der Trainer letzlich einen Flügelspieler bevorzugt.
88/89 spielt er noch einmal für Saturn. Während die Mannschaft leer ausgeht wird Hansi Gnad zum Basketballer des Jahres gekürt. Anschließend wechselt er zum frischgebackenen Meister Steiner Bayreuth.
Im Sommer 1990 entscheidet sich Hansi erneut für einen Tapetenwechsel und nimmt ein lukratives Angebot des italienischen Zweitligisten Billy Desio an. Neben den 3 NBA-Spielern (Schrempf, Blab, Welp) und Norbert Thimm war Hansi Gnad der einzige deutsche Basketball-Exportschlager der Vor-Bosman-Ära. Im Mailänder Vorort war man mit der Leistung des deutschen Centers zufrieden. 3 Jahre spielte Hansi in Italien.
"Die Olympischen Spiele 1992 waren sein größter sportlicher Erfolg. Außerdem hat mir Barcelona auch privat Glück gebracht. Ich habe dort meine Frau kennengelernt", sagt Hansi, dessen jetzige Frau zur gleichen Zeit am gleichen Ort mit der Handball-Nationalmannschaft um Medaillen spielte. Als Europameister kehrte der Darmstädter 1993 in die Bundesliga zurück. Das Engagement bei ALBA Berlin verlief jedoch nicht zufriedenstellend.
"Der Wechsel war für alle Beteiligten eine riskante Sache. Es wurde viel Geld ausgegeben, der Erfolgsdruck war entsprechend hoch. Und dann klappte es nicht. Verletzungspech, schlechte Leistungen - auch von mir -, das summierte sich und war unterm Strich nicht besonders befriedigend", sagt Hansi rückblickend.
94/95 spielte Hansi für Hagen. Nach einem für ihn eher geruhsamen Engagement - "Der Aufwand war viel geringer- ich mußte nicht so viel wie früher trainieren. Trotzdem haben wir einiges erreicht!" - wechselte der frischgebackene Rekord-Nationalspieler im Sommer 1995 von der Volme an den Rhein. Mit den Riesen vom Rhein holte er 1996 seinen vorerst letzten Meistertitel. Nach dem Zerfall der Meistermannschaft war Hansi Gnad neben Denis Wucherer und Tony Dawson einer der herausragenden Leistungsträger in der schwierigen Saison 96/97.
Auch für den Neuaufbau 97/98 hatte die Vereinsführung der Riesen vom Rhein fest auf den Veteranen gesetzt. Doch eine lukrative Offerte lockte den Hessen erneut über die Alpen. Diesmal sicherte sich Erstligist Mash Verona die Dienste des Bundesliga-Top-Rebounders. Die Verhandlungen waren innerhalb von 10 Tagen abgeschlossen.
Mit Verona landet Hansi einen weiteren großen Coup. In der italienischen Liga nur Mittelmaß spielte sich das Team bis ins Korac-Cup-Finale. Dort bezwang man als Underdog Roter Stern Belgrad mit Coach Lucic, der Gnad kurz zuvor aus der Nationalmannschaft ausgemustert hatte.
Zu Beginn der neuen Saison wollte Hansi Gnad seine Schuhe schon an den berühmten Nagel hängen. Doch dann ereilte ihn ein interessantes Angebot vom spanischen Renomierclub Real Madrid. Eine Chance für die Königlichen auf Korbjagd zu gehen erhält noch lange nicht jeder und das auch nicht jeden Tag. So zog Hansi kurzerhand in die spanische Hauptstadt, um noch einmal Europaliga-Luft zu schnuppern. Doch meistens mußte der Deutsche von der Bank aus seinen Kollegen zuschauen. In der BBL will Hansi Gnad nun noch einmal richtig Gas geben.
(Teilweise entnommen aus dem Profil bei Bayer Giants Leverkusen)