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Jörg Lütcke:
Verletzungen prägen die Karriere
Jörg Lütcke kann einem leid tun. Wie kaum ein zweiter Nationalspieler wurde der Berliner in den letzten Jahren von schweren Verletzungen heimgesucht. Letzter Eintrag in die Krankenakte: ein Kreuzbandriss, den sich der 28-Jährige im Dezember 2002 in der Europaliga-Partie bei Efes Pilsen zuzog. Anstatt den Ball im Korb zu versenken, verbrachte er die letzte Bundesliga-Saison damit, im Fernsehen Live-Spiele zu kommentieren. Doch Lütcke wollte sich so schnell wie möglich ein Basketball-Trikot überstreifen. Im Juni letzten Jahres stand er schon wieder auf dem Parkett und trainierte mit der A2-Nationalmannschaft. Einen Monat später fand er den Weg zurück in den A-Kader, der bei der Europameisterschaft in Schweden (5. - 14. September) eine Medaille holen soll. Es geht wieder bergauf für den gebürtigen Stuttgarter.

Bereits in der Saison 1999/2000 hatte der ehemalige Alba-Akteur wegen eines Kreuzbandrisses, den er sich während der EM 1999 in Frankreich zugezogen hatte, aussetzen müssen. Umso erstaunlicher, dass er in den beiden zurückliegenden Spielzeiten trotz neuerlicher Verletzungsprobleme immer wieder zu alter Stärke zurück fand und maßgeblich an den Titelverteidigungen der Albatrosse beteiligt war.
Privat ist Jörg Lütcke (geb. 12.12.1975) trotz aller Erfolge auf dem Boden geblieben: Nett, freundlich - und ohne Starallüren. Wenn der verheiratete Basketballer allerdings das Spielfeld betritt, dann wandelt sich der Sonnyboy in einen Akteur, der seinem Gegner mit knallharter Defense den Schneid abkauft und in der Offensive die Dreier auch mal gerne in Serie durch den Korb rauschen lässt.

Mit diesen Attributen hat es Lütcke weit gebracht. Er war viele Jahre Stammspieler beim Deutschen Meister und Europaligisten ALBA Berlin. Und auch in der Nationalmannschaft ist er stets ein wichtiger Eckpfeiler. Hier absolvierte der 28-Jährige bisher 91 Länderspiele, in denen er 3,8 Punkte pro Partie erzielen konnte. Nachdem er bei der EM 2001 in der Türkei verletzungsbedingt nicht dabei war, schaffte er im Jahr 2004 wieder den Sprung in den Kader für die WM in Indianapolis. Er kam dort in acht Spielen zwar lediglich auf 79 Minuten Spielzeit, erzielte aber beachtliche 43 Punkte (5,4 Punkte pro Spiel). Ähnlich gute Statistiken erzielte er bei der Europameisterschaft 2003 in Schweden. In seinen Kurzeinsätzen von durchschnittlich neun Minuten überzeugte er vor allem durch eine hohe Trefferquote aus dem Feld und bewies erneut, dass man ihn jederzeit ohne Bedenken aufs Spielfeld schicken kann.

Denn Lütcke ist einer dieser Spieler, die es nicht stört, wenn sie von der Bank kommen. Ganz im Gegenteil: Der 2,01 Meter große Korbjäger liebt es, wenn er als Einwechselspieler dem Spiel seines Teams neue Impulse geben kann. Zudem glänzt er Jahr für Jahr durch hohe Trefferquoten aus dem Feld und insbesondere von der Dreierlinie. Das macht ihn sowohl für Berlin als auch für die Nationalmannschaft so wertvoll. Jörg Lütckes Basketball-Karriere begann, wie die vieler anderer Talente auch, in der Talentschmiede des TuS Lichterfelde, wo er zusammen mit seinem älteren Bruder Niklas spielte. Mit den Lichterfelder Jugendmannschaften war man schon bald konkurrenzlos in Deutschland: Zwischen 1989 und 1994 gewann Lütcke fünf Deutsche Meisterschaften, mit seinem Gymnasium derer vier (1989-92). Bereits mit 16 Jahren spielte Jörg Lütcke in der Regionalligamannschaft des TuSLi, 1993 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga und nur ein Jahr später, 1994, schaffte die Mannschaft den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse. "Mein bis dato größter Erfolg", so Lütcke 1995 in der Zeitschrift "Basketball".

Im Juli 1994 erklomm der Guard/Forward mit dem Wechsel zum Lichterfelder Kooperationspartner ALBA Berlin eine weitere Stufe auf der Karriere-Leiter. Obwohl er auch ein Angebot aus Gießen hatte, wo sein Bruder spielte, entschied er sich für die Fortsetzung seiner Karriere in der Hauptstadt, zumal seine Bedingungen "Vorausgesetzt, Pesic bleibt" in Erfüllung ging. Er war von den Qualitäten des damaligen ALBA-Trainers, der sich intensiv um die Nachwuchsförderung und -integrierung kümmert, angetan.

Nach acht Jahren bei ALBA Berlin kann Jörg Lütcke auf jede Menge Erfolge verweisen. Sieben Mal gewann das Team in dieser Zeit die deutsche Meisterschaft (1997-2003), vier Mal den DBB-Pokal - eine imposante Titelsammlung. Diese will er mit der Nationalmannschaft und seinem neuen Verein RheinEnergie Köln ausbauen.

Stand: 24. 02. 2004